
- Ägypter entschieden auf der Straße - Dieter-Schütz / pixelio.de
Nach einer 30-jährigen Herrschaft trat Husni Mubarak, der Präsident von Ägypten, am Freitag, den 11.02.2011, zurück und die ganze Welt applaudierte. Es fiel dem Despoten nicht leicht, seinen Platz zu räumen: Noch am Donnerstag lehnte er in seiner in allen Medien übertragenen Rede diesen Schritt ab. Das Volk aber setzte sich zum Schluss durch. Am 18. Tag des Protestes feierten die Ägypter ihren Sieg.
Mubarak – ein bequemer Garant ohne Gnade
Die Wahrnehmung der Person Mubarak unterschied sich innerhalb und außerhalb des Landes. Er hielt sein Volk mit harter Hand. Nach außen galt er als bequemer Garant für die Sicherheit in der explosiven Nahost-Region. Mubarak blieb auf dem Friedenskurs zu Israel, der sein ermordeter Vorgänger Anwar Sadat begonnen hatte. Gleichzeitig jedoch unterstützte er den Antisemitismus im eigenen Lande: Kinder in der Schule lernten den Hass gegen Juden, wie Hamed Abdel-Samad, der aus Ägypten stammender Politikwissenschaftler und Autor, in der Sendung von Anne Will am 6.02.11 erzählte.
In dem 80-Millionen-Staat dauerte ein Ausnahmezustand an: Die Wahlen wurden manipuliert, die kritischen Medien bekämpft, die politischen Gegner landeten in den Folterknästen. Unter solchen Bedingungen gedeihen sowohl im Westen wie im Osten Korruption, Vetternwirtschaft und Ausbeutung. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Ägypten nicht von anderen Diktaturen. Es wuchsen hier die Armut und Arbeitslosigkeit (30 Prozent) und beraubten besonders die Jugend ihrer Zukunftschancen. Die Familie des Herrschers profitierte dagegen am meisten: Das angehäufte Vermögen wird laut Angaben des Radiosenders NDR-Info auf 70 Milliarden Dollars geschätzt.
Ägypter entschieden auf der Straße über ihre Zukunft
"Man kann nichts ändern, hat man uns gesagt – rief ein Demonstrant in die Kameras - Wir haben alles verändert, wir haben es bewiesen". An der friedlichen facebook-Revolution, initiiert von der Jugend, nahmen Menschen aus allen Schichten teil. Sie nutzten das Internet für die Vernetzung und Verbreitung der Informationen. Es war eine Revolution ohne Anführer, eine friedliche Revolution des Volkes. Das Regime reagierte zu Beginn mit Gewalt: 300 Opfer verloren das Leben.
Der friedliche Verlauf der Demonstrationen und die Forderungen nach Freiheit und Gerechtigkeit lassen die Erinnerungen an das Ende eines anderen Regimes aufkommen: Bevor in Berlin die Mauer fiel, gingen Bürger in den ostdeutschen Städten auf die Straße und verkündeten: „Wir sind das Volk“. In der DDR haben Menschen ebenso wie in Ägypten auf der Straße über das Ende des totalitären Systems entschieden
Was trieb Menschen auf die Straße?
Die Diktaturen fußen auf Angst. Daher bauen sie riesige Überwachungssysteme auf und vernichten ihre politischen Gegner. Da sie keine Kontrolle zulassen, begünstigen sie Verbreitung von Korruption und Vetternwirtschaft. Folglich führen sie zur Verarmung und Unterdrückung von Massen. Die Diktaturen unterschätzen dabei die anscheinend tief in der menschlichen Natur verwurzelte Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit. Sowohl damals in der DDR wie heute in Ägypten forderten Menschen ihre Rechte und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Soziale Gerechtigkeit ist eine zentrale Kategorie für die Legitimität und Stabilität eines jeden politischen Gemeinwesens“ heißt es in einer OECD-Studie. Die Ägypter bewiesen, dass diese These in der globalen Welt eine globale Gültigkeit hat.
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