Ägyptische Pyramiden - zwischen Himmel und Erde

Pyramide - Infrogmation
Pyramide - Infrogmation
Sie waren ein magischer Aufstieg zum Himmel und ein Landeplatz für die Seele, eine große Kultstätte mit geheimnisvollen Schiffsbestattungen.

Die Pyramiden wurden während der gesamten 3000-jährigen ägyptischen Geschichte erbaut. Ihre genaue Anzahl kann heute nur geschätzt werden: In der Zeit von ca. 2700 – 1790 v. Chr. werden etwa 130 Pyramiden gezählt und mindestens auch so viele für die Zeit danach. Die ägyptische Kultur breitete sich auf den zwei Ufern des Nilflusses aus, wobei das Ostufer im Zeichen der aufgehenden Sonne den lebenden Menschen zugeordnet war, und das Westufer unter der untergehende Sonne die Welt des Jenseits verkörperte. So wurden die Pyramiden, die als Grabstätte des ägyptischen Königs dienten, immer auf dem Westufer des Nils errichtet.

Aufstieg zum Himmel - Versorgung auf Erden

Da der König als Gott auf Erden galt und nach seinem leiblichen Tod wieder zu den Göttern zurückkehrte, musste eine magische Kultstätte ins Leben gerufen werden, welche zwei Dinge ermöglicht: die „Rückkehr“ in den Himmel und die Verehrung und Versorgung des aufgestiegenen Gott-Königs. Dies ist der Grund, weshalb die Pyramide nicht alleine in der Wüste steht, sonder Teil eines großen sog. Pyramidenbezirkes ist.

Die Kultstätte: der Pyramidenbezirk

Diesen betritt man durch den Taltempel, einen torartigen Bau am Fruchtlandrand bei der Anlegestelle für die Schiffe, die den Fluss überqueren. Von dort führte ein langer überdachter Aufweg zum Pyramidenhof, der von einer steinernen Umfassungsmauer umgeben war. Im Zentrum des Hofes befindet sich die große Pyramide mit einem Eingang und einer Substruktur, inklusive der Grabkammer. Ursprünglich im Norden, später im Osten der Pyramide, lag der Totentempel und im Süden eine weitere, jedoch viel kleinere Pyramide, deren unbekannte Funktion Anlass für verschiedene Bezeichnungen gewesen ist: Kult-Pyramide, Ka-Pyramide, Neben-Pyramide oder sogar Kenotaph (ein Scheingrab).

Die Schiffsbestattungen

Bei manchen Pyramiden wurden außerhalb der Umfassungsmauer Schiffsbestattungen gefunden. Man vermutet, dass solche Holzboote rituell beigesetzt und dem verstorbenen König mitgegeben wurden, damit er in seiner Barke über den Himmel gleiten und die Sonne auf ihrem fortwährenden Lauf begleiten kann.

Die Zweiwege-Deutung

Es gibt zwei verschiedene Richtungen der Pyramidendeutung. Die eine nimmt den archäologischen Weg und beschreibt das bauhistorische Umfeld, in dem die Pyramiden gewachsen sind und legt ihre Erklärung in einer schrittweisen Innovation der Bautechnik des Königsgrabes nieder: von der Mastaba (ein viereckiger Oberbau mit geböschten Seiten) über die Stufenmastaba (auch Stufenpyramide genannt) bis hin zur geometrisch echten Pyramide. Die andere Richtung bewegt sich im Rahmen der altägyptischen Glaubensvorstellungen und religiöser Symbolik.

Symbolische Deutungen der Pyramide

Dass die Pyramide ein religiöses Symbol darstellt, ist keineswegs umstritten, wohl aber der Zeitpunkt, wann sie einen religiösen Gedanken heran trug. Ob es erst die fertige Form der Pyramide war oder die vielleicht entstehende Form, die bestimmte Assoziationen hervor gerufen hatte, oder ob doch nicht von Anfang an Bezug auf das versinnbildlichte Symbol genommen wurde, verbleibt im Dunkeln.

Ein Landeplatz für die Seele?

Bekannt ist aber, dass die Pyramidenform, insbesondere die Spitze der Pyramide, das Pyramidion, in Verbindung mit dem sog. Benben-Stein steht, denn von ihm leitet sich der Name dieses Pyramidions ab. Der Benben war ein kegelförmiger Stein-Fetisch, der in Heliopolis verehrt wurde, einem der frühesten Sonnenkult-Zentren altägyptischer Praktiken. Nach den Aufschriften der königlichen Pyramidenspitzen hofft man, dass sich die Seele, altägyptisch der Ba, auf ihr niederlasse, um die Sonne bei ihrem Aufgang zu schauen. Interessanterweise wird der Ba des Sonnengottes Re durch den Phönix-Vogel symbolisiert, dessen Name Benu sich ebenfalls von dem Benben-Steinfetisch ableitet.