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Ärzteverbände warnen vor einer drohenden Gefahr für die medizinische Versorgung in Deutschland. "Wir laufen in einen eklatanten Ärztemangel hinein", so der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler.
Laut einer "Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlentwicklung" der Bundesärztekammer stellt sich die Situation ländlichen Gebieten bereits dramatisch dar, genauso wie in ostdeutschen Kliniken, wo die Versorgung nur noch durch ausländische Ärzte aufrecht erhalten werden könne.
Ursachen
Das Durchschnittsalter niedergelassener Ärzte stieg seit 1993 von 46,6 Jahren auf 51,1 Jahre im Jahr 2006. Der Prozentsatz der Mediziner, die älter als 60 Jahre sind, liegt bei etwa 12 Prozent. Das heisst, dass aus Altersgründen in den nächsten Jahren rund 41.000 Mediziner ausscheiden werden.
Demgegenüber fehlt der Nachwuchs. Entweder, weil nicht genügend Studenten Medizin studieren, oder weil sie ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten. Drohender Sparzwang und vor allem der große bürokratische Anteil, dem Ärzte hierzulande ausgesetzt sind, schreckt viele ab.
Jede zweite Klinik in Ostdeutschland kann inzwischen keine offenen Stellen mehr besetzen, im Westen sind es 24 Prozent. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Deutschen Ärztekammer sieht die Ursachen: "Viele wollen nicht mehr um den Preis ihrer eigenen Gesundheit 60 oder gar 80-Stunden-Dienste in der Woche schieben."
Mangel an Hausärzten
Besonders in den neuen Bundesländern wird der Rückgang an Hausärzten zum großen Problem. In knapp der Hälfte der Landkreise ist der Versorgungsgrad bei Hausärzten schon jetzt auf kritische 90 Prozent gesunken. In den nächsten Jahren drohen Engpässe auch bei Gynäkologen, Augenärzten, Hautärzten und Nervenärzten.
Während in Ballungsgebieten oftmals eine ärztliche Überversorgung herrscht, ist die Lage auf dem Lande oftmals prekär. Es ist für junge Ärzte nicht attraktiv, jeden zweiten Tag Notdienst machen zu müssen, sich dafür eine Großteil der Zeit mit Bürokratie zu beschäftigen, und dann auch noch schlecht zu verdienen. Derzeit erhält ein Hausarzt für die ganzheitliche Betreuung eines Patienten 45 Euro - pro Quartal!
Gegenmaßnahmen
In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt wird versucht, durch Anwerbung von Medizinern aus Österreich vakante Stellen zu besetzen. In Österreich gibt es einen Überschuss an Medizinern. Laut Sachsens Gesundheitsministerin Helma Orozs wird davon ausgegangen, dass dadurch der Medizinermangel nicht beseitigt wird, aber die Patientenversorgung verbessert werden kann. Leider wollen die meisten in Kliniken arbeiten, beziehungsweise dort ihre Ausbildung beenden. Dies beseitigt nicht den Mangel an niedergelassenen Ärzten.
Das Bundesland Schleswig-Holstein versucht auf andere Art und Weise, dem erwarteten Ärztemangel Herr zu werden. Dort sollen Arzthelferinnen nach ostdeutschem Vorbild eine größere Rolle in der Betreuung von Patienten spielen. Eigens geschulte Helferinnen sollen Hausbesuche machen, jedoch nur Anweisungen von Medizinern ausführen. Außerdem sollen mehr Teilzeitstellen eingerichtet werden, um dem höheren Frauenanteil gerecht zu werden.
Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes, wirft der Bundesregierung gnadenloses Versagen bei der Bekämpfung des Ärztemangels vor. Er fordert weniger Bürokratie, mehr Weiterbildung, eine Aufstockung der Ärztehonorare im ambulanten Sektor sowie eine deutliche Erhöhung des Klinikbudgets.
