Afrikanische Felskunst der Zentralsahara

Nordafrikas frühe Geschichte in eindrucksvollen Felsbildern - die ältesten gemalten Funde in der Wiege der Menschheit.

Die ältesten gemalten Funde in der Wiege der Menschheit sind handtellergroße Steinplatten, die vor rund 27.000 Jahren bemalt wurden. Die Felsbilder der Sahara reichen mehr als 10.000 Jahre zurück und werden von Ethnologen in fünf aufeinander folgende Epochen unterteilt.

Diese reichen aus der Zeit der Jäger und Sammler über die aufkommende Viehzucht bis zur Einführung des Kamels vor ungefähr 2.700 Jahren und sollen hier kurz vorgestellt werden.

Jäger- oder Bubalus-Zeit (ab 10.000 v. Chr.)

Der Name dieser Periode bezieht sich auf eine prähistorische Büffelart mit meterlangen Hörnern (Bubalus antiquus; ähnlich dem heutigen Kaffernbüffel, aber seit circa 5.000 v. Chr. ausgestorben), die häufig dargestellt wurde. In diesem Stil wird auch die restliche Fauna der Sahara abgebildet: Elefant, Nashorn, Giraffe, Büffel, Löwe, verschiedene Antilopen, Gazellen und Wildesel. Krokodil und Wasserbüffel als Motiv weisen auf den damaligen Wasserreichtum dieser Region.

Die präzise Wiedergabe der Bewegungen der Tiere deutet darauf hin, dass die Künstler eine enge Beziehung zu ihren Motiven gehabt haben. Menschen werden beim Jagen und Sammeln dargestellt, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle und werden deshalb auch deutlich kleiner als die Tiere graviert oder gemalt.

Rundkopfzeit (ab 7.000 v. Chr.)

In der Rundkopfzeit werden Menschen riesig mit konturlosen Köpfen und formlosen Körpern dargestellt. Sie scheinen stark abstrahiert und stilisiert auf der Leinwand zu schweben.

Großwild oder Haustiere werden kaum noch abgebildet. Der Mensch begreift sich als Mittelpunkt der Schöpfung.

Rinder- oder Hirtenzeit (6.000 v. Chr.)

Domestizierte Haustiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Hunde überwiegen als Motive in dieser neolithischen Phase der afrikanischen Felskunst. Menschen werden verstärkt in Alltagsszenen als Herren ihrer Haustiere gezeigt.

Pferdezeit (ab 1.500 v. Chr.)

Gegen 1.700 v. Chr. eroberten die Hyksos, ein kriegerisches asiatisches Volk, mit ihren von Pferden gezogenen Streitwagen den Norden Ägyptens. Sie brachten damit das gezähmte Pferd auf den afrikanischen Kontinent. Circa 200 Jahre nach dem Einfall in Ägypten taucht es auch in der Felskunst der Sahara auf.

Den Garamanten, einem antiken Berbervolk, gelang es durch Pferdezucht und der Erstnutzung des vierspännigen Streitwagens die umliegenden Völker zu unterwerfen. Herodot erwähnt, dass sie spätestens seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. das Innere Libyens besiedelten. Viele Bilder der Pferdezeit stammen von ihnen.

Kamelzeit (ab 200 v. Chr.)

Dromedar und Kamel werden vor der Zeitenwende in der Sahara eingeführt und jetzt fast ausschließlich dargestellt. Die üppige von Flüssen durchzogene Landschaft hatte sich nun endgültig wieder zur lebensfeindlichen Wüste entwickelt und die zähen Wüstenschiffe müssen den verbliebenen Bewohnern wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein.

Die Felsbilder und Artefakte aus der Sahara zeigen, dass die Lebensbedingungen in diesem Raum günstiger waren als heute. Ab 1.500 v. Chr. setzte eine phasenweise Austrocknung der Sahara ein, die die Menschen zum Abwandern zwang.

Die fünf hier vorgestellten Kunstperioden gelten nicht für den ägyptischen Teil der Sahara – hier fehlt, unter anderem, das wilde Bubalusrind vollständig.

Abris und Ocker-Farben

Gravuren finden sich meistens an freien Felsflächen, während die Malereien ausschließlich unter Felsüberhängen, den sogenannten Abris, erhalten geblieben sind. Unbekannt ist, ob Malereien nur unter schützenden Abris angefertigt wurden oder sie sich nur an diesen speziell geschützten Plätzen konserviert wurden.

Als Farben werden vor allem in der Natur vorkommende Pigmente verwendet: Rot-, Gelb-, Violett- und Weißtöne herrschen vor, grünliche und blaue Farbtöne kommen selten vor. Die Farben bestehen aus den in der Sahara häufig vorkommenden Ocker, der durch eiweißhaltige, leimartige Substanzen zu den benötigtem Farbton gemischt wird. Schwarz (Ruß) wird kaum benutzt.

Sinn und Zweck der Bilder

Sinn und Zweck der afrikanischen Felsbilder aus der Zentralsahara sind schlichtweg unbekannt. Anders als die paläolithischen Höhlenmalereien in Europa, für die Verknüpfungen mit kultisch-religiösen Vorstellungen (Schamanismus, Jagdzauber) angenommen wird, zeigen besonders die späteren Perioden der Sahara Alltagsszenen ohne erkennbaren kultischen Hintergrund.

Uli Gönczi, Annie Schwaiger

Uli Gönczi - Uli Gönczi studierte Alte Geschichte an der LMU München und arbeitete in diversen Redaktionen. Nach dem Studium erhielt er bei ...

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