
- Orient-Express - Peter Loväfäjs aus der Slovakia
Wer kennt nicht alle ihre wichtigen Romanfiguren wie Miss Marple, die übrigens stark an das Leben ihrer Großmutter angelehnt war, oder den belgischen Helden und Kriminaldetektiv Hercule Poirot?
Was vorher geschah
Ein Mädchen wurde am 15. September 1890 als Agatha Clarissa Miller in Torquay geboren. Ihre Mutter war Engländerin und ihr Vater ein gut betuchter Amerikaner. Sie erhielt nur wenig regulären Unterricht, wuchs aber in sehr vermögenden Verhältnissen auf. Ihre Mutter ermutigte sie immer wieder zum Lesen. An Lesestoff gab es in der gut sortierten Bibliothek des Vaters keinen Mangel. Im Alter von elf Jahren starb ihr Vater überraschend. Für sie war es ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben. Die Familie kam ohne das Geld des Vaters in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Ihren ersten Roman schrieb sie in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Ihr erster Versuch: „Snow upon the desert“ wurde jedoch nie veröffentlicht. Ihre Mutter ermutigte sie jedoch immer, weiter zu schreiben. Ihre eigentlichen Pläne, eine anerkannte und berühmte Opernsängerin zu werden, musste sie fallen lassen, da sich hierfür ihre Stimme als ungeeignet erwies.
Während eines Fest-Balls 1912 lernte sie den Oberst Archibald Christie kennen. Als der erste Weltkrieg begann, arbeitete sie als Krankenschwester und er schlug Schlachten auf dem Feld. Während eines Feld-Urlaubs heirateten sie am 24. Dezember 1914. Kurz darauf bildete sie sich zur Apothekerin weiter und erlangte hier ihre wertvollen Erfahrungen über Kräuter und Gifte, die sie später in ihren Romanen unterbringen konnte. Während der Zeit als Apothekerin verlor sie das Schreiben nicht aus den Augen. Es entstand ihr erster Roman, in dem es um Gifte und ihre Anwendungen ging. Schon bald stellte sich der Erfolg für sie ein. Mit ihrem zunehmenden Selbstbewusstsein kam ihr Mann gar nicht zurecht. Er wandte sich einer anderen Frau zu. In den ersten Dezembertagen 1926 starb ihre Mutter an einer Bronchitis. Kurz darauf gestand ihr der Ehemann seine Affäre mit einer anderen Frau. Das alles war zu viel für die im Grunde ihres Herzens sensible Agatha.
Vermisst
Man weiß, dass sie in ihren zweisitzigen Wagen stieg, nur mit einer Jacke bekleidet, und am dritten Dezember 1926 in die Nacht hinaus fuhr. Das Auto fand man am nächsten Morgen allerdings leer vor. Es stand mit den Vorderrädern über einem steilen Abgrund und war im Leerlauf eingestellt. Die Bremsen waren gelöst. Im Wagen war nichts weiter als ein paar Sachen und ein zurückgelassener Pelzmantel. Tausende von Polizisten und freiwilligen Helfern suchten verzweifelt nach der Frau. Sie schien wie vom Erdboden verschwunden. Sämtliche renommierte Zeitungen berichteten über diesen Fall. Tiefseetaucher kamen zum Einsatz ebenso wie die Such- und Leichenhunde. War es Selbstmord, eine Entführung oder gar ein Mord? Wo war die Leiche?
Nach ein paar Tagen machte in einem luxuriösen Hotel eine Frau auf sich aufmerksam, die sehr freundlich und zuvorkommend auftrat. Sie stellte sich mit dem Namen Miss Theresa Neele vor. Diesen Namen trug auch die Geliebte von Oberst Christie. Einem aufmerksamen Bediensteten fiel die Ähnlichkeit mit der vermissten Agatha auf. Er informierte die Polizei und diese wiederum ihren Mann. Oberst Christie holte seine Frau dann aus dem Hotel wieder nach Hause zurück. Zwei Jahre später erfolgte dann die Scheidung. Oberst Christie heiratete Miss Neele und Agatha versuchte ihr Leben weiter zu leben. Was sie bewog, vierhundert Kilometer weiter nach ihrem Verschwinden an diesem Ort wieder aufzutauchen, wie sie dorthin kam und alle Umstände, die sich darum ereigneten, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Man nimmt an, dass sie aufgrund dieser schweren Schicksalsschläge, die sie kurz hintereinander trafen, an einer Amnesie litt. Späteren Interviews stimmte sie nur zu, wenn dieses Thema ein für alle Mal ausgespart bliebe.
Agathas Mut zu einem neuen Leben
Agatha begann, sich auf ausgedehnte Reisen zu begeben und schloss sich für ihre Romane archäologischen Gruppen an. An einem dieser Ausgrabungsorte lernte sie ihren späteren Mann, den Archäologen Sir Max Mallowan kennen. Die Geschicke zu jener Zeit waren recht schwierig, deshalb tat sie sich schwer, sich zu dem fünfzehn Jahre jüngeren Mann öffentlich zu bekennen. Aber auch hier setzte sie sich über gesellschaftliche Normen hinweg und heiratete ihn 1930. Sie reiste mit ihm an die entlegensten Ausgrabungsstätten und schrieb dabei ihre Romane. Als sie im Januar 1976 verstarb, hinterließ sie neben ihrer Familie, ihrem Mann Sir Max, ihre Tochter Rosalind Margareth Clarissa und ihrem Enkelkind auch einen Schatz von über achtzig Romanen. Sie wurde öfter übersetzt als William Shakespeare und kam auf eine Gesamtauflage von dreihundert Millionen Büchern. Trotz aller Bekanntheit und Prominenz hielt sie sich weitgehend von Allem zurück. Ihr wurden sehr viele Ehrungen zuteil. Dennoch lebte sie bis zu ihrem Tode recht abgeschieden und sprach über die damaligen Ereignisse mit niemanden ein Wort. Sie war und bleibt noch über ihren Tod hinaus eine sehr geheimnisvolle Frau mit einem genialen Talent.
Quellen:
Knaur-Sachbuch-Verlag: „Die größten Geheimnisse der Welt“, zusammengetragen von Nigel Blundell
