Agnes von Poitou oder Kaiserin Agnes war nach dem Tod ihres Mannes Kaiser Heinrich III. von 1056 bis 1061 die Regentin für ihren noch minderjährigen Sohn Heinrich IV. 1061 führte ihre Politik zu einem Schisma der Päpste. Danach zog sie sich aus der aktiven Politik zurück. Doch blieb sie Regentin und sicherte die Ansprüche ihres Sohnes auf die Krone des Reiches.
Herkunft und Ehe der Agnes von Poitou mit Heinrich III.
Agnes von Poitou kam um 1025 zur Welt. Sie war die Tochter von Herzog Wilhelm von Aquitanien und Poitou und seiner Gattin Agnes von Burgund. Sie wurde 1043 in Mainz zur Königin des Reichs gekrönt und am 21. November 1043 in Ingelheim mit Heinrich III. vermählt. Am 25. Dezember 1046 wurden beide in Rom zum Kaiser gekrönt.
Das Paar hatte folgende Kinder:
- Adelheid (1045–1096), wurde Äbtissin von Gandersheim und Quedlinburg und wurde in der Stiftskirche in Quedlinburg beigesetzt.
- Gisela (1047-1053)
- Mathilde (1048–1060), heiratete 1059 den schwäbischen Herzog Rudolf von Rheinfelden.
- Heinrich IV. (1050–1106), 1056 zum König gekrönt, ab 1084 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
- Konrad (1052–1055)
- Judith (1054–1096), verheiratet zuerst mit König Salomon von Ungarn (verstarb 1087), ab 1089 verheiratet mit Herzog Wladyslaw I. Herman, von Polen.
Regentschaft ab 1056
Kaiser Heinrich III. starb am 5. Oktober 1056. Agnes übernahm die Regentschaft für ihren bereits zum König gekrönten Sohn Heinrich IV. Sie führte die Politik ihres Gatten mit der Unterstützung von Hugo von Cluny, dem Taufpaten ihres Sohnes, und Papst Viktor II. fort. Agnes wurde als Regentin weitgehend respektiert. Ihr wurde sogar das Recht eingeräumt für den Fall einer Thronvakanz, also dem vorzeitigen Tod Heinrichs IV., einen Thronfolger bestimmen zu können.
Konflikt um die Nachfolge von Papst Viktor II.
Papst Viktor II. starb 1057. Die an der Papstwahl interessierten Parteien schwächten die Rolle des Kaisers. Die Ära der kaisertreuen Päpste war beendet. Neuer Papst wurde Nikolaus II. Der legte auf einer Lateransynode Ostern 1059 per Dekret die zukünftigen Wahlen der Päpste in die Hände des Kardinälkollegiums. Dieses Dekret war gegen das Kaisertum und die römische Aristokratie gerichtet.
Nach den Tod von Nikolaus II. am 19. Juli 1061 wählten die Kardinäle am 30. September 1061 den zu den Reformern gerechneten Bischof Anselm von Lucca als Alexander II. zum Papst. Die Regentin Agnes verweigerte ihm die Anerkennung. Sie erhob den Bischof Cadalus von Parma als Honorius II. ebenfalls zum Papst. Dieses Schisma wurde am 31. Mai 1064 auf der Synode von Mantua mit der Amtsenthebung von Honorius beendet.
Der kaiserliche Hof war zum Gegner des Reformpapsttums geworden. Die Kaiserin trug eine Mitschuld an der Spaltung der Kirche. Honorius II. musste letztlich in sein Bistum zurückkehren. Das war für Agnes eine politische Niederlage. Das Papsttum hatte sich vom Reich und seinen Herrschern gelöst.
Rückzug aus der Politik
Ende 1061 zog Agnes sich aus der aktiven Politik mit sich. Sie ernannte ihren Vertrauten Bischof Heinrich von Augsburg zum Subregenten und überließ ihm weitgehend die Regierungsgeschäfte. Doch Heinrich von Augsburg wurde von einer Mehrheit der Fürsten nicht akzeptiert. Anfang April 1062 traf eine Gruppe geistlicher und weltlicher Fürsten unter der Führung des Erzbischof Anno von Köln zusammen und entführten in Kaiserswerth den jungen König Heinrich IV. Danach teilten sich Erzbischof Anno von Köln, Erzbischof Siegfried I. von Mainz und Erzbischof Adalbert von Bremen die Regierungsverantwortung.
Die so per Staatsstreich entmachtete Regentin Agnes lebte weiter im Umfeld des Hofes. Erst etwa drei Jahre nach dem Staatsstreich von Kaiserswerth trat sie ihre Reise nach Rom an. Ab 1065 lebte Agnes überwiegend in Italien. Sie unterstützte nun konsequent die kirchliche Reformbewegung und wirkte als Beraterin für Papst Alexanders II. und Gregor VII. teilweise gegen die Interessen ihres Sohnes Heinrich IV.
Agnes starb am 14. Dezember 1077 in Rom und wurde am 6. Januar 1078 in der Petronella-Rotunde des Petersdoms beigesetzt.
Literatur
- Johannes Laudage: Die Salier. Das erste deutsche Königshaus, 3. Auflage, Beck München 2011, ISBN 978-3-406-53597-0
- Stefan Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier 1024–1125: Kaiser oder Papst?, Thorbecke Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-4105-3
- Egon Boshof: Die Salier. 5. Auflage, Kohlhammer Verlag Stuttgart 2008, ISBN 3-17-020183-2
- Peter Thöne: Agnes von Poitou. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9
- Amalie Fößel: Die Königin im mittelalterlichen Reich. Herrschaftsausübung, Herrschaftsrechte, Handlungsspielräume. Jan Thorbecke Stuttgart 2000, ISBN 978-3-7995-4256-2
- Hermann Jakobs: Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215. Oldenbourg München 1999, ISBN 3-486-48822-8.
- Wilfried Hartmann: Der Investiturstreit. Oldenbourg München 1996, ISBN 3-486-56275-4.
- Mechthild Black-Veldtrup: Kaiserin Agnes (1043-1077). Böhlau Verlag Köln 1995, ISBN 3-412-02695-6
