Agrippa, der Mann hinter Kaiser Augustus

Marcus V. Agrippa - shakko
Marcus V. Agrippa - shakko
Agrippa war einer der wichtigsten Freunde und Berater des Gaius Julius Octavian, ohne den der Aufstieg zum römischen Herrscher nicht möglich gewesen wäre.

Marcus Vipsanius Agrippa diente viele Jahre als zweiter Mann im römischen Staat unter Kaiser Augustus. Neben Maecenas war Agrippa der engste Mitarbeiter von Augustus. Geboren wurde Agrippa wohl in Dalmatien im Jahr 63 v. Chr. und starb 12 v. Chr. in Kampanien. Er entstammt aller Wahrscheinlichkeit nach einer Ritterfamilie.

Jugendfreund und Militärführer des Kaisers Augustus

Er war ein Jugend- und Studienfreund des späteren Kaiser Augustus. Militärisch trat er im Jahr 41 v. Chr. als Anführer eines größeren Truppenkontingents hervor. Seine beiden wichtigsten Siege errang Agrippa zur See. Bei Mylae auf Sizilien kämpfte er 36 v. Chr. gegen Sextus Pompeius und bei Actium 31 v. Chr. gegen Marc Anton. Mit dem Sieg bei Actium war Marc Anton, der letzte und gefährlichste Gegner des Augustus, faktisch besiegt. Nun stand der Herrschaft des Augustus über den römischen Staat niemand mehr im Weg.

Der mächtige Stellvertreter des Kaisers

Als Stellvertreter des Augustus regierte Agrippa seit 23 v. Chr. die Osthälfte des Reiches. So bedeutend war Agrippa inzwischen, dass Maecenes leicht spöttisch angemerkt haben soll, man müsste Agrippa ermorden oder ihn mit der Tochter des Augustus vermählen.

Schwiegersohn und Mitregent des Augustus

Konsequenterweise heiratete Agrippa dann auch im Jahre 21 v. Chr. Julia die Tochter des Augustus. Die Söhne des Agrippa mit Julia waren als Nachfolger des Augustus vorgesehen und wurden von diesem adoptiert. Durch die Übertragung der Befugnisse und Privilegien eines Volkstribuns erlangte er im Jahre 18 v. Chr. damit quasi die Stellung eines Mitregenten.

Die rege Bautätigkeit des Agrippa

Die Stadt Rom verdankt Agrippa zahlreiche Bauwerke wie Kanalisationen, Wasserleitungen, Foren, Thermen und Theater. Auch die Vollendung des Pantheon geht auf sein Konto. In den Provinzen, besonders in Gallien, tat sich Agrippa als einer der größten Straßenbauer der römischen Geschichte hervor. Eines der bekanntesten Gebäude im römischen Imperium, welches ihm zugeschrieben wird, ist der Aquädukt Pont du Gard in Südfrankreich.

Mitbegründer der römischen Kartographie

Agrippa war noch auf zahlreichen anderen Feldern tätig. Er gab die Vermessung des Reiches in Auftrag und ermöglichte dadurch die Aufstellung einer öffentlichen Weltkarte. Damit schuf Agrippa die Grundlage für die späteren Landkarten des römischen Reiches.

Die Charaktereigenschaften des Agrippa: Loyalität, Bescheidenheit, Fleiß

Die antiken Quellen beschreiben Agrippa als Mann ohne Ambitionen. Eine Erklärung dafür mag seine einfache Herkunft aus dem Ritterstand sein. Gelobt wird der Fleiß des Agrippa, der sich lieber der Arbeit hingab als irgendwelchen der üblichen Vergnügungen der Reichen und Mächtigen. Augustus konnte sich auf die Loyalität und die Unbestechlichkeit des Agrippa verlassen. Als Verwalter der Osthälfte des Reiches fiel er durch seine Bescheidenheit und religiöse Toleranz auf, was ihn im Osten sehr beliebt machte.

Der verläßliche Helfer des Augustus

Die Charaktereigenschaften des Agrippa machten ihn zum perfekten Helfer von Augustus. Wohl niemanden vertraute Augustus so sehr wie Agrippa. So überreichte der kranke Augustus im Jahr 24 v. Chr. Agrippa seinen Siegelring, was letztendlich bedeutete, dass er Agrippa als seinen Nachfolger anerkannte. Doch nicht nur als idealer zweiter Mann diente Agrippa Augustus. Als militärischer Führer war Augustus auf das - auf dem Feld ungeschlagene - militärische Genie Agrippas angewiesen, da Augustus, anders als Caesar und Marc Anton, kein genialer Feldherr war. Letztendlich gehen viele Leistungen der Regierungszeit des Augustus auf Agrippa zurück, wobei dieser meist bescheiden hinter seinem Kaiser zurücktrat.

Quellen:

Die Römer Pleticha / Schönberger Prisma Verlag

Der Neue Pauly /Enzyklopädie der Antike / Verlag J.B. Metzler

Kaiser Augustus / Zvi Yavetz / Eine Biographie / Rowohlt 2010