
- Ahimsa Sthal - Romana Klee
Ahimsa (deutsch: Gewaltlosigkeit oder Nicht-Verletzen) ist eines der essenziellen Prinzipien im Buddhismus, spielt aber auch in anderen Religionen, wie zum Beispiel dem Hinduismus und dem Jainismus, eine wichtige Rolle. Es handelt sich dabei um ein grundlegendes Verständnis dafür, dass jede Handlung die Gewalt beinhaltet, eine schlechte karmische Handlung ist und daher sich selbst aber auch anderen zum Nachteil gereicht. Besonders im Jainismus wird dabei Ahimsa als das wichtigste Prinzip überhaupt angesehen und Jains nehmen große Anstrengungen auf sich, um der absoluten Gewaltlosigkeit gerecht zu werden. Im Buddhismus hingegen wird Ahimsa liberaler gehandhabt. So ist es beispielsweise in vielen Schulen und Strömungen keine Notwendigkeit Vegetarier zu sein.
Gewalt bedeutet schlechtes Karma
Hat man als Buddhist – oder jemand, der sich dafür interessiert – ein Verständnis für karmische Handlungen entwickelt, ist es sehr einleuchtend, warum die Gewaltlosigkeit ein wichtiges Prinzip im Buddhismus ist. Jede Handlung, alles was man tut, selbst alles was man denkt, hat einen Einfluss auf das Karma, dem Prinzip, dass jede Handlung eine gewisse Reaktion zur Folge hat. Die Gewaltlosigkeit bezieht sich im Buddhismus jedoch nicht nur auf körperliche Gewalt, sondern auch die seelische Gewalt – die oftmals noch sehr viel gravierender sein kann – ist in dem Prinzip von Ahimsa mit eingefasst. Bereits in der Kernlehre des Buddhismus, den Vier edlen Wahrheiten, ist die Wichtigkeit der Gewaltlosigkeit mit enthalten.
Gewaltlosigkeit auf dem Weg zur Erleuchtung
Karma, Gewaltlosigkeit, Erleuchtung, Leid: alles Dinge, die im Buddhismus nicht nur eine zentrale Rolle spielen, sondern sehr eng miteinander verflechtet sind. Gewalt führt zu Leid – welches im Buddhismus ohnehin ein sehr gegenwärtiges Prinzip ist – und ist eine schlechte karmische Handlung. Dies wiederum ist eines der größten Hemmnisse auf dem Weg zur Erleuchtung. Der achtfache Pfad ist eine Anleitung zum Weg aus dem Leid, hin zur Erleuchtung. Besonders das vierte und fünfte Glied dieses Pfades beschäftigt sich mit der Gewaltlosigkeit: rechtes Handeln und rechter Lebenserwerb. Nach den Prinzipien des Buddhismus ist unter anderem die Profession als Metzger, Jäger und Fischer ein unrechter Lebenserwerb.
Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren
Gegenüber dem Jainismus, in dem weder Kleinstlebewesen (Insekten etcetera) noch Pflanzen ein Leid zugefügt werden darf, ist der Ahimsa im Buddhismus weniger strikt. Generell wird auch Gewalt gegen Tiere nicht gut geheißen und viele Buddhisten sind Vegetarier, doch die buddhistische Küche kennt auch Fleischgerichte. In manchen tantrischen Ritualen werden sogar rohes Fleisch und Alkohol eingesetzt. Im Kern bestand die Urform des Buddhismus zum großen Teil aus Wandermönchen, die von allem leben mussten, was sie als Almosen erhalten haben, eben auch Fleisch. Ein striktes Verbot besteht jedoch darin, dass kein Tier getötet werden darf, wenn es zu dem alleinigen Zweck geschlachtet werden soll, um dem Buddhisten als Nahrungsquelle zu dienen. In den Wiedergeburtsgeschichten des Pali-Kanons gibt es etliche Verweise auf den Verzicht von Gewalt gegenüber Tieren, wie beispielweise die Geschichte der Goldgans:
„Doch ich, Freund, hol mir meine Nahrung,
ohne ein Wesen zu verletzen;
ich bin zufrieden, ohne Angst,
bin frei von Kummer, fürchte niemand.“
Tugendregeln im Buddhismus
Sowohl Mönche und Nonnen als auch Laienanhänger des Buddhismus unterwerfen sich bestimmten Tugendregeln, die das Töten von Lebewesen verbieten. Bei ordinierten Anhängern handelt es sich um zehn Tugendregeln und bei Laien um fünf, den sogenannten fünf Silas.
Quellen:
- Dr. B. R. Ambedkar: The Buddha and his Dhamma
- Pali-Kanon: Cakkavaka Jataka
