
- Ai Weiwei - Kempton
Ai Weiwei, der am 28. August 1957 in Peking geboren wurde, ist der Protest und die Regimekritik in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, der chinesische Dichter Ai Qing, wurde nach dem Ende der Hundert-Blumen-Bewegung ins Exil geschickt. Insgesamt siebzehn Jahre – von 1958 bis 1975 – verbrachte Ai Qing im Exil in der Mandschurei und Xinjiang. Dies war eine prägende Zeit für Ai Weiwei.
Die frühen Jahre Ai Weiweis in Peking
Nach der Rückkehr aus dem Exil schrieb sich Ai Weiwei 1978 an der Pekinger Filmakademie ein und gründete bereits ein Jahr später gemeinsam mit den Künstlern Wang Keping, Ma Desheng, Huang Rui, Li Shuang, Qu Leilei und Zhong Acheng die Avantgarde-Formation „Stars“, welche sich vor allem dadurch einen Namen machte, dass sie die staatlich verordnete Leitlinie in Sachen filmischer Kunst ablehnten. Trotz der Auflösung der Gruppe im Jahre 1983 beteiligte sich Ai Weiwei an zahlreichen Aufführungen, darunter „The Stars: Ten Years“ in der Hanart Galerie in Hong-Hong und Taipei und der Ausstellung „Origin Point“ im Kunstmuseum von Peking.
Ai Weiwei in den USA
1981 reiste Ai Weiwei in die USA und widmete sich vor allem der Kunstform Readymade, eine Sonderform des Objet trouvé, in dem Kunst aus Alltagsgegenständen oder Abfall erschaffen wird. Während seiner Zeit in New York studierte Ai Weiwei in der Parsons (Parsons The New School for Design). Dort kreierte er unter anderem eine Violine mit einem Schaufelgriff und ein Profil von Duchamp, das aus einem Kleiderbügel gefertigt wurde. Beide Kunstwerke erregten enorme Aufmerksamkeit innerhalb der Kunstszene.
Zurück nach Peking
Nachdem er von der schweren Krankheit seines Vaters erfahren hatte, kehrte Ai Weiwei 1993 nach Peking zurück. Ai Qing verstarb drei Jahre später an einer Lungenentzündung und Herzbeschwerden. Seit 1993 war Ai Weiwei in zahlreiche Projekte involviert, die nicht nur die zunehmende Regimekritik verdeutlichten, sondern auch für internationales Interesse sorgten. Unter anderem gab es folgende Projekte:
- „Feet“ in 2003. Eine Ausstellung mehrere Überreste buddhistischer Statuen, die allesamt lediglich den Fußbereich zeigten.
- Die Bücher „The Black Cover Book“, „The Grey Cover Book“ und „The White Cover Book“. Alle drei Werke gehören inzwischen zum Standardrepertoire der chinesischen Kunstszene.
- Für die Sommerspiele 2008 stand Ai Weiwei als künstlicher Berater dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron zur Seite, um das Pekinger Nationalstadium zu errichten. Eine Arbeit, die er später kritisierte.
- 2010 erschien das Booklet zur Ausstellung „Barely Something“, in dem Ai Weiwei das Erdbeben in Sichuan thematisierte. Durch dieses Beben starben mehrere Tausend Menschen, vorwiegend Schüler, die in baufälligen Schulen untergebracht waren.
April 2011: die Festnahme von Ai Weiwei
Am 3. April 2011 wurde Ai Weiwei am Pekinger Flughafen festgenommen, als er eine Maschine nach Hongkong besteigen wollte. Als offizieller Grund wurde von den chinesischen Behörden „Wirtschaftsverbrechen“ angegeben. Bis zum heutigen Tag (Stand: 13. April 2011) wird Ai Weiwei an einem unbekannten Ort festgehalten. Es besteht kein Kontakt zur Außenwelt. Es wurden mehrere internationale Stimmen laut, welche die Freilassung Ai Weiweis forderten.
So äußerte sich zum Beispiel Guido Westerwelle in einem offiziellen Statement: „Ich erwarte, dass Ai Weiwei umgehend freigelassen wird. Ai Weiwei ist ein international renommierter Künstler, der auch in Deutschland sehr geschätzt wird. Für uns sind das Recht, seine Meinung frei zu äußern und die Freiheit der Kunst ein sehr hohes Gut. Das haben wir der chinesischen Seite klar gesagt und die Aufklärung des Vorfalls verlangt.“
In der BILD äußerte sich SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: „Die Verhaftung Ai Weiweis schadet China. Ich appelliere an die chinesische Führung, Ai Weiwei schnellstmöglich freizulassen und künstlerische wie persönliche Freiheit nicht länger zu beschneiden.”
Quellen:
- Cornell University: Chronicle Online (Nov. 15)
- The Age: The artist as an angry man
- Cultural Awards 09: Feet 2003
- FAZ.net: Was geschieht mit Ai Weiwei?
