
- Aida Night Of The Proms, Alison Moyet, Seal - Aida
Mit neuem Namenssponsor (vorerst "Nokia Night Of The Proms") präsentierte sich der Veranstalter im 17. Jahr seiner Tourneegeschichte mit populären Hits aus 300 Jahren Musikgeschichte. Die Stars Alison Moyet, Seal, Disco-Funk Legende Nile Rogers & Chic, Stanfour, das italienische Sopranistinnen-Quartett Div4s und John Miles wurden musikalisch unterstützt vom Sinfonieorchester II Novecento und dem Chor Fine Fleur, das Klassik mit Pop gekonnt vereinte.
DJ und Dirigent lieferten sich ein Battle
Amy Winehouses Landsmann Robert Miles sang der diesjährig verstorbenen britischen Musiklegende zu Ehren deren größten Hit „Valerie". Für Stanfour und „Wishing You Well" gab es erste Standing Ovations in der Berliner 02-World, die 17.000 Sitz- und Stehplätze enthält. Beinahe ausverkauft war die Berliner Show, bei der es ein Battle zwischen DJ und Dirigenten gab: Filmmusik aus Pulp Fiction traf auf „Freude schöner Götterfunken", sowie Speedy Gonzales auf Triumphmarsch, Queens „Under Pressure" auf Vivaldi, sowie Eurythmics „Sweet Dreams" auf Chopin. Im Chor wurde Adeles „Rolling In The Deep" gesungen (ähnlich einer Mixture aus Sisters Of Mercys „This Corrosion und Kirchen-Musik), mit perfekter Lichtshow war diese Performance genial und ließ einem beinahe die Hauptacts Alison Moyet und Seal vergessen!
Dance Music Hall of Fame: Nile Rodgers trat mit Chic auf
Bevor Alison Moyet und Seal die Bühne der „Aida Night Of The Proms" betreten durften, gab es Disco-Party mit Nile Rogers & Chic. „Le Freak", „Good Times" sorgten für riesen Partystimmung im Saal. Die amerikanische Songwriterlegende Nile Rodgers startete seine Karriere 1970 als Musiker der Studioband der Sesamstraße sowie als Gitarrist der Hausband des legendären New Yorker Apollo Theaters. Er schrieb unzählige Hits für internationale Stars und produzierte Madonna („Like a Virgin"), Sister Sledge („We are Family", „Lost in Music"), Diana Ross, Duran Duran, Debbie Harry, Mick Jagger oder David Bowie. 2005 nahm man ihn in die Dance Music Hall of Fame auf.
Mit mehr Songs der Haupt-Acts wäre „Aida Night Of The Proms" perfekt gewesen
Dramaturgisch etwas übertrieben wurde vor Alison Moyets und Seals Auftritt plakativ „König der Löwen in 3D" mit „Can you feel the love tonight" vorgetragen und endlich durfte Alison Moyet „This ole devil called love" singen - ihre Stimme harmonierte phänomenal in klassischer Begleitung! Optisch abgemagert und schöner denn je sang Alison Moyet „All cried out" und „Don't go". Im wahrsten Sinne wäre es schön gewesen, wenn sie nicht schon wieder gegangen wäre, aber das war es - drei Songs. Kein „Weak in the prescence of beauty", kein „Only you", kein „Love Ressurection", kein „Invincible", kein „For you only", kein „Is this love?", kein „Love letters". Stattdessen sang Robert Miles wieder sein „Music", das auch von Alison Moyet und/oder Seal nicht schlecht geklungen hätte. Seal durfte einen Song mehr als Frau Moyet singen („Killer" in der George-Michael-Version, „Kiss from a Rose", „Amazing" und „Crazy"). Kein „Love's divine", kein „Future Love Paradise", kein „Prayer for the dying" und keine Cover-Versionen seiner beiden aktuellen Cover-Alben.
Seal gab sich als Star zum Anfassen
Stimmlich top sprach Seal auf deutsch zu seinen Fans und das: sehr gut! Die Ehe mit Heidi Klum scheint ihm Spaß zu machen, perfekt sagte er: „Ich bin ein Berliner, nur heute, just tonight!", „Klatscht nochmal, los geht's!" und „Sing mit mir, bitte!". Seal rannte durch die Reihen der 17.000-Mann-Arena, ließ sich anfassen, schüttelte Hände und das sehr lange. Leider war seine Show auch viel zu früh zu Ende, das Gastspiel von Seal und Alison Moyet ist ein Appetithappen für deren Solo-Konzerte, die man auf keinen Fall versäumen sollte! Am Ende sangen alle Beteiligten „We are Family", das als Duet-Version zwischen Alison Moyet und Seal und dem Rest als Begleitung auch sehr gut funktioniert hätte. Die Veranstalter müssten sich einfach ein bisschen mehr trauen und ihren Hauptacts - wenn sie über so perfektes Stimmvolumen verfügen - mehr Spielraum einbauen, seien es auch nur ein oder zwei Songs mehr. Dennoch ist „Aida Night Of The Proms" eine sehr, sehr sehenswerte Veranstaltungs-Reihe, ein unvergessliches, musikalisches, sehr empfehlenswertes Erlebnis!
