Seit einiger Zeit steigt die Zahl von HIV-Infektionen auch in Deutschland wieder dramatisch an. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass sich vor allem junge Homosexuelle neu mit dieser immer noch heimtückischen und letztlich tödlichen Krankheit infizieren. AIDS ist, so scheint es, im Verständnis vieler Menschen zu einer normalen "Krankheit" geworden, die man zwar nicht besiegen, aber gut behandeln kann.
Die Jugend ist im Umgang mit AIDS zu sorglos
Gerade die letzten Berichte über sexuelle Praktiken bei Jugendlichen lassen nichts Gutes erahnen. Da wird von ersten sexuellen Kontakten noch im Kindesalter berichtet, es finden Gruppenorgien statt und nicht wenige Mädchen werden viel zu früh schwanger. Dies ist ein Hinweis darauf, dass nur selten oder gar nicht verhütet wird. Wer aber schwanger wird, der kann sich auch mit AIDS infizieren. Vor allem, wenn von Jugendlichen erklärt wird, dass sie die Partner häufig wechseln, fällt es nicht schwer, sich den weiteren Verlauf der Statistik über HIV-Infektionen vorzustellen. Hier ist Aufklärungsarbeit dringend erforderlich.
Die schwule Szene ist im Umgang mit AIDS vollkommen sorglos
Wer sich in der homosexuellen Szene ein wenig auskennt, der weiß, was die Stunde geschlagen hat. Nimmt man die Bundeshauptstadt als Beispiel, dann kann einem wirklich Angst werden. Unzählige Clubs und auch Privatpersonen bieten Sexparties an, in vielen Discotheken wird, mit ausreichend Alkohol im Blut, überhaupt nicht mehr auf Verhütung geachtet und an vielen Cruising-Orten ist der Schutz vor AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten ohnehin kein Thema. Das Internet mit seinen zahllosen Chat-Plattformen und den damit verbundenen Möglichkeiten für schnellen und anonymen Sex tut schließlich ein Übriges, um die steigende Rate von Neu-Infektionen nach oben schnellen zu lassen.
Der Begriff "safer Sex" und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen scheinen aus dem Bewusstsein der jungen Generation fast vollständig verschwunden oder, was noch erschreckender wäre, nie gelernt worden zu sein. Es drängt sich bei genauerem Hinsehen der Eindruck auf, dass einzig der Spaß und die schnelle sexuelle Befriedigung im Vordergrund stehen und nicht mehr die eigene Gesundheit. Der Sexualtrieb wird mit einem extrem hohen Maß an Sorglosigkeit ausgelebt, ohne auch nur einen Gedanken an die vielleicht gravierenden Folgen zu verschwenden.
AIDS ist immer noch Grund für den vorzeitigen "sozialen Tod"
Auch, wenn die Gesellschaft mit dem Thema AIDS heute offener umgeht als früher, so haben Infizierte auch in unseren Tagen nicht nur unter den physischen Folgen dieser Krankheit zu leiden. HIV-Infizierte oder bereits an AIDS Erkrankte werden immer noch ausgegrenzt, schief angesehen oder sogar an den Rand gedrängt. Freunde wenden sich ab, Arbeitgeber suchen nach Entlassungsgründen und unverbesserliche Moralisten erheben (nicht ganz zu Unrecht) den Zeigefinger, ganz nach dem Motto: "selbst Schuld". Natürlich gibt es inzwischen viele Selbsthilfegruppen und Vereine, die Betroffene unterstützen, aber es wird immer noch (oder wieder) zu wenig getan. Wer AIDS hat und es nicht verschweigt, der stirbt auch heute noch den sogenannten "sozialen Tod" durch zunehmende Isolation, krankheitsbedingte Einschränkungen und das immer noch vorhandene Unverständnis vieler Menschen.
Neue AIDS-Aufklärung ist notwendig
In den 1980er und 1990er Jahren wurde in Schulen verstärkt Aufklärung betrieben und massiv auf den Schutz beim sexuellen Kontakt gedrängt. Diese Aufklärungswelle ist leider mit den medizinischen Fortschritten bei der Eindämmung und Bekämpfung von AIDS ausgelaufen. Die medizinischen Teilerfolge haben vielen die ganz große Angst und den Respekt vor dieser Krankheit genommen und verleiten einen großen Teil der Risikogruppen genau zu dem ungezwungenen sexuellen Umgang mit anderen Personen, der zur weltweiten Ausbreitung der Krankheit geführt hat. Sicher, wer heute mit dem HIV-Erreger infiziert wird, kann mit den neusten Medikamenten besser und länger leben als zu Beginn der Forschung. Aber AIDS bleibt trotz allem eine tödliche Krankheit. Deshalb ist es an der Zeit und dringend notwendig, wieder verstärkt aufzuklären, vor allem die junge Generation, denn sie ist durch ihre Sorglosigkeit und Unwissenheit besonders gefährdet.
