Airbus: Optimismus nach außen, aber intern miese Stimmung

Wann hebt der A350 ab? - Airbus media
Wann hebt der A350 ab? - Airbus media
Airbus will in den nächsten zwei Jahren rund 8000 Mitarbeiter einstellen. Angestellte rechnen wegen der Schwierigkeiten beim A350 mit Stellenabbau.

Das Medienecho hätte für Airbus kaum besser ausfallen können, nachdem durchsickerte, der Konzern plane bis zu 8.000 neue Mitarbeiter ein. Airbus-Chef Thomas Enders warnte am 24. November 2011 gegenüber der Börsen-Zeitung in einem Interview dennoch vor zu hohen Erwartungen. Er verwies dabei insbesondere auf mögliche Lieferengpässe bei den Zulieferern des Flugzeugbauers aufgrund der dort meist dünnen Finanzierungsdecke.

Unsicherheit in der Airbus-Belegschaft wegen "Chaos"

In der Belegschaft scheint man die Euphorie nicht durchweg teilen zu wollen. Intern wird befürchtet, dass die Probleme bei ausgelieferten Maschinen der zweistrahligen A350 anfangs noch erheblich umfangreicher sein werden, als in der jüngsten Vergangenheit beim Großraumflugzeug A380. Von "Chaos" in der Planung ist die Rede. Ein erster Entwurf des A350 musste nach Kritik von Kunden überarbeitet werden.

Die Pläne der überarbeiteten Variante A350 XWB (extra-wide body) waren zuletzt im Jahr 2006 präsentiert und der Bau der Kerosin sparenden Maschine daraufhin beschlossen worden. Der neue A350 soll sich aufgrund der leichten CFK-Verbundwerkstoffe aus dem Werk Stade, dem breiteren Rumpf, den stärkeren Triebwerken und der höheren Reisegeschwindigkeit von den ursprünglichen Plänen deutlich absetzen. Die neue Bauweise soll zudem die Betriebskosten, verglichen mit entsprechenden Langstreckenmaschinen, um 25 Prozent reduzieren. Der A350 ersetzt damit die wenig erfolgreichen Modelle des vierstrahligen A340.

Ungeachtet dessen verunsichern auch Personalverschiebungen derzeit Teile der Belegschaft. Zukunftsängste sind keine Seltenheit. Ein langjähriger Mitarbeiter mit gutem Binnenblick rechnet eher mit Outsourcing und Personalabbau in Deutschland, als mit Einstellungen. Der Frust geht um. "Jammern auf hohem Niveau", entgegnen aber auch andere Kollegen angesichts guter Arbeitsbedingungen. Derzeit sind allein in den Betrieben in Hamburg, Stade, Bremen und Buxtehude etwa 16.500 Mitarbeiter für Airbus tätig. Konzernweit sind es rund 50.000 Mitarbeiter der Tochtergesellschaft des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, die einen Jahresumsatz von 30 Milliarden Euro erwirtschaften.

Auslieferung des A350 verzögert sich

Erst wenige Tage zuvor hatte der Konzern verlautet, dass der neue Langstreckenflieger nicht schon 2013, sondern erst imJahr 2014 ausgeliefert werden soll. Für das mit besonders leichten Baumaterialien erstellte Modell, das es in drei Längen für 270 bis 440 Sitzplätze geben wird, liegen dem Konzern derzeit rund 570 Bestellungen vor. Die aktuelle Verzögerung bedeutet für die Airbus-Mutter EADS zwar eine finanzielle Mehrbelastung in Höhe von etwa 200 Millionen Euro. Dennoch kann der Airbus-Konkurrent Boeing nicht von den Rückschlägen beim A350 profitieren. Das analoge Modell des amerikanischen Herstellers, die Boeing 787, hat selbst mit erheblichen Schwierigkeiten und mehrjährigen Auslieferungsproblemen zu kämpfen.

Quellen:

B. Knapstein, B. Knapstein

Bernhard Knapstein - 1967 in Köln geboren. Studium in der Rheinmetropole: Geschichte, Sport und Rechtswissenschaften. Redaktionsassistent in der ...

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