"Akademisches Doping" bei US-Studenten

Psychologen warnen vor Folgen und fordern Drogentests für Studenten

Ritalin - bei US-Studenten äußerst beliebt - http://www.everystockphoto.com/photo.php?imageId=1
Ritalin - bei US-Studenten äußerst beliebt - http://www.everystockphoto.com/photo.php?imageId=1
"Akademisches Doping" steht besonders bei US-Studenten hoch im Kurs. Um dem steigenden Leistungsdruck standhalten zu können, greifen immer mehr Studenten zu Medikamenten.

Im Sport gilt Doping als hinterhältiger Betrug und Bruch mit sämtlichen ethischen Parametern. Doch abseits des professionellen Sports breitet sich Doping in den USA auch auf dem akademischen Sektor aus. Vermehrt greifen Studenten zu Nerven-Doping, um den Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Psychologen warnen allerdings vor den Spätfolgen.

Die Präparate des akademischen Doping

Bei der Wahl der Präparate, die Leistungssteigerung und Kontrolle der Nerven versprechen, können Konsumenten zwischen mehreren Mitteln und Wirkungen wählen. Besonders beliebt ist laut einem Bericht der Independent Newspaper das stimulierende Medikament Ritalin, das vor allem bei der Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Hyperaktivität) eingesetzt wird. Konsumenten sprechen hierbei häufig von einer Konzentrationshilfe. Weitere "Gehirn-Treibstoffe" sind das psychostimulierende Medikament Modafinil (ursprünglich zur Bekämpfung von Narkolepsie eingesetzt), Donelepzil (gegen leichte bis mittelschwere Demenz) oder aber auch Selegilin (Behandlung von Parkinson).

Jeder vierte US-Student "gedopt"

Laut Vince Cakic, Psychologe der Universität Sydney, greift bereits jeder vierte Student in den Vereinigten Staaten zu Medikamenten um Prüfungssituation bewältigen zu können. Vor allem in den letzten acht Jahren hat sich die Anzahl der dopenden Studenten um 75 Prozent gesteigert. Dies ergab eine Studie amerikanischer Kinderärzte, die vor allem die Altersgruppe von 13 bis 19 Jahren untersuchte. Besonders im Collegealter (ab 18 Jahren) und während der anschließenden Karriere werden Mittel wie Ritalin aber immer häufiger von Studenten, Brokern und Bankern oder aber Managern zweckentfremdet.

Das Problem der Doping-Kontrolle

Schwierig wird es bei der Kontrolle. Sollte akademisches Doping verboten werden, bleiben Fragen, in wie fern man dem Missbrauch gegenübertreten kann: Müssen sich Studenten nach Prüfungen dann auf nicht-endende Schlangen vor Toiletten einstellen, wo Urin-Proben zwecks Kontrolle abgegeben werden müssen? Wie lässt sich der drohende immense Kostenaufwand finanzieren? Wer soll diese Proben alle auf ihre Reinheit überprüfen? Dennoch diskutieren Mediziner darüber, ob es sinnvoll wäre, unangekündigte Stichproben nicht nur während der Prüfungszeit, sondern über das gesamte Semester verteilt durchzuführen.

Ist akademisches Doping ethisch legitim?

Experten wie Cakic streiten zudem vor allem ob die Verwendung von "Smart-Drugs" ethisch legitim ist. Denn auf der Begründung des wissenschaftlichen Anspruchsdenkens wäre die Einnahme von Smart-Drugs zur Erkenntnisverbesserung und -erweiterung durchaus nachvollziehbar. Professor John Harris von Universität in Manchester gab gegenüber der Independent News an, das "Lerndrogen" eigentlich die natürliche Erweiterung des Bildungsprozesses seien. Außerdem sei es nicht logisch nachvollziehbar gegen die Verbesserung des menschlichen Lernprozesses zu sein, den die Smart-Drugs garantieren würden. Wenn man allerdings bereits Begriffe wie Doping verwendet, bleibt somit auch die Frage nach der Chancengleichheit.

Gesundheitliche Risiken des Gehirn-Dopings

Auch wenn Gehirn-Doping legal bleibt, gibt es für Konsumenten einen Haken: Die Wissenschaft ist sich nicht vollends über die Langzeitauswirkungen der Verwendung der Aufmerksamkeits-Pillen im Klaren. Speziell Ritalin wird in den USA aufgrund seines hohen Missbrauchspotentials mit verstärkten Warnungen bedacht, da das Medikamenten erhöhte Risiken für Herz und Kreislauf darstelle. Plötzliche Todesfolgen könnten Resultate von starkem Ritalin-Gebrauch sein. Ein hoher Preis, den Studenten in einer Gesellschaft, die sich zunehmend stärker durch Leistung definiert, bezahlen müssten, um im menschlichen Wettkampf gerüstet zu sein.