Akotriri und Dekelia: Britische Inselkolonie im Mittelmeergebiet

Auch am Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es immer noch Reste britischer mediterraner Kolonialherrlichkeit, wenn allerdings nur noch im Mikroformat.

Von dem noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts etwa die Hälfte der mediterranen Küsten- und Inselgebiete umfassenden Kolonialbereichs sind heute gerade noch 290 Quadratkilometer übrig. Noch vor weniger als 100 Jahren unterstanden ganz Nordafrika und zahlreiche Mittelmeerinseln wie Zypern, Malta oder die Dodekanes-Gruppe in unterschiedlichen Ausformungen imperialer Macht französischer, spanischer, osmanischer, italienischer und britischer Hoheit. Lediglich Spanien und Großbritannien besitzen heute anachronistisch wirkende, wegen ihrer Sonderheiten aber durchaus politisch nicht unbedeutende Überbleibsel ihrer einstigen Kolonialreiche in der Region. Die britischen Mittelmeer-Besitzungen beschränken sich heute abgesehen von Gibraltar auf die Zypern-Gebiete Akrotiri und Dekelia.

Zankapfel Zypern

Geographisch zu Asien gehörend, wird die größte Insel im Levantinischen Meer, Zypern, oft und nicht unumstritten dem griechischen und damit europäischen Kulturkreis zugerechnet. Nach einer überaus kontrastreichen Geschichte, in deren Verlauf Zypern von Griechen, Rom, Byzanz, Kreuzrittern, Venedig und dem Osmanischen Reich beherrscht worden war, fiel Zypern im Rahmen eines britisch-osmanischen Vertrages 1878 als Pachtgebiet an die britische Krone. 1914 annektierte Großbritannien die strategisch wichtige Insel. 1960 wurde die Kronkolonie in die Unabhängigkeit entlassen. Spannungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten führten 1974 zu einer militärischen Intervention der Türkei, die die faktische Trennung der Insel in die griechisch dominierten Republik Zypern und die völkerrechtlich nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern zur Folge hatte.

254 Quadratkilometer England: Akotriri und Dekelia

Von diesen Auseinandersetzungen weitgehend unberührt bleib allerdings der Status zweier britischer Militärbasen auf der Insel als britisches Überseegebiet mit der offiziellen Bezeichnung „Sovereign Base Areas (SBA) “. Bereits 1959 hatte sich Großbritannien in Abkommen mit Griechenland und der Türkei versichern lassen, dass die britische Souveränität über die beiden Militärbasen Akrotiri und Dekelia auch im Falle der Unabhängigkeit Zyperns unangetastet bleiben würde. Das 123 Quadratkilometer große Akotriri liegt an der Südwestküste nahe der Stadt Limassol; Dekelia liegt etwa 45 Kilometer östlich an der Südostküste zwischen Larnaca und Famagusta. Während Akrotiri ein geschlossenes, an der Landseite ausschließlich vom Gebiet der Republik Zypern umschlossenes Gebiet bildet, wird Dekelia sowohl von griechisch- als auch von türkisch-zypriotischem Gebiet umfasst. Zudem gehört zur 130 Quadratkilometer großen, Gesamtfläche Dekelias die kleine, westlich an Famagusta angrenzende Exklave Ayios Nikolaos. Ferner gibt es in Dekelia selbst drei winzige griechisch-zypriotische Enklaven.

Militärs und Zivilpersonal

Im den vom Episkopi Cantonment mit einem Administrator der Spitze verwalteten SBA leben und arbeiten neben etwa 7.000 Einheimischen, die ihren Wohnsitz größtenteils in den Akrotiri-Enklaven haben, ungefähr 7.500 britische Soldaten („British Forces Cyprus BFC“) und Zivilisten. Der BFC-Kommandeur ist in Personalunion Verwaltungsadminstrator. In Akrotiri sind zur Zeit Kampflugzeuge und eine SAR-Hubschrauberstaffel der RAF sowie ein Infanteriebataillon stationiert. Ein zweites Infanteriebataillon und Aufklärungshubschrauber bilden die Garnison von Dekelia. Ayios Nikolaos ist Standort einer Fernmelde- und Aufklärunsgseinheit.

Abzug?

Von zypriotischen Politikern wie Zypern-Präsident Dimitris Christofias wird regelmäßig der Abzug der Briten und die Beseitigung des „kolonialen Schandflecks“, der etwa drei Prozent der Inselfläche ausmacht, gefordert. Und auch britische Stimmen, die im Zusammenhang mit einer Verringerung der Militärausgaben die Schließung der SBA fordern, werden gelegentlich laut. Bisher gibt es aber keine konkreten Anzeichen, dass die britische Regierung in absehbarer Zeit Zypern verlassen wird.

Quellen:

  • Pavlos Tzermias, Geschichte der Republik Zypern; Tübingen 2004
  • George Drower, Overseas Territories Handbook, London 1998
  • Tabitha Morgan, Sweet and Bitter Island: A brief History oft he British in Cyprus; London 2010
  • Homepage der SBA
Thies Völker, Thies Völker

Thies Völker - Studium Jura, Geschichte, Volkskunde und Ethnologie, Text- und Archivberater, Schwerpunkte: Biographierecherche, Familienchroniken, ...

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