Aktivitäten des Neuen Forums 1989 in Wolgast

Helmut Skibbe - Ilse-Ruth Uebner
Helmut Skibbe - Ilse-Ruth Uebner
Die Broschüre „Die friedliche Revolution in der DDR - Das Neue Forum und die Wolgaster Ereignisse im Herbst 1989" dokumentiert eine friedliche Revolution.

Am 12. November 1989 erlebte Wolgast, eine kleine Stadt mit einer volkswirtschaftlich wichtigen Werft am Peenestrom, wohl die größte politische Demonstration seiner Geschichte. 5.000 protestierende Menschen marschierten durch die Straßen. Viele trugen Transparente und Plakate, die sich gegen Mangelwirtschaft, Spitzelunwesen, Reiseeinschränkungen und die politisch-ideologische Bevormundung durch die SED-Diktatur richteten.

Die Broschüre „Die friedliche Revolution in der DDR – Das Neue Forum und die Wolgaster Ereignisse im Herbst 1989“ schildert diesen Tag und die Aktivitäten der damaligen DDR-Opposition in Wolgast in allen Einzelheiten. Der Kommunale Präventionsrat förderte das Medienprojekt mit 5.000 Euro. In der Stadtbibliothek, bei Wolgast-Information, in der Post-Filiale, der Buchhandlung Henze und in der Kirche liegen die Hefte zur kostenlosen Mitnahme bereit.

Die Stasi half, „richtig“ zu denken

Helmut Skibbe, Mitbegründer des Neuen Forums in Wolgast, ist der Autor. Im ersten Teil beleuchtet er die bedrückende, jeden Freiheitsgedanken verbietende Situation in der DDR. Zahlreiche Dokumente aus dem Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung und aus privaten Sammlungen verdeutlichen, wie die vom SED-Politbüro diktierten Denkvorschriften mit Hilfe der Staatssicherheitsorgane umgesetzt wurden. Manches Beispiel der Diskriminierung anders Denkender, wie die Verweigerung des Besuchs der Erweiterten Oberschule wegen fehlender Jugendweihe oder die Entlassung aus einem volkseigenen Betrieb wegen Wahl-Schwänzen, wird sicherlich auch noch etlichen ehemaligen DDR-Bürgern so oder ähnlich in Erinnerung sein. Im zweiten Teil werden die Tage im September, Oktober und November 1989 und die Aktivitäten des Neuen Forums in Wolgast sowie der Stasi geschildert.

Hoffnung und Zuversicht im Herbst 1989

Was man beim Lesen nur erahnen kann, sind Stimmung und Gefühle wie Hoffnung und Zuversicht, die die Menschen im Kreis Wolgast vor 20 Jahren für die Freiheit auf die Straße trieben. Wer sich mit Helmut Skibbe über die große Demonstration am 12. November unterhält, erlebt gerade diese Atmosphäre noch einmal. „Natürlich war auch Angst dabei“, so Skibbe. Dass die Mauer in Berlin plötzlich durchlässig geworden war, hatte man auch in Wolgast begriffen. Doch ob es bei einer friedlichen Revolution bleiben würde, war vorerst noch unsicher. In Wolgast jedenfalls hatte die Stasi alle Demonstranten im Blick, wie die Fotos in der Dokumentation bestätigen. Auch Helmut Skibbe riskierte mit seiner Meinung zu Freiheit und Demokratie vor 22 Jahren, seinen Beruf als Biologielehrer an der Lenin-Oberschule in Wolgast zu verlieren.

Damit die Ereignisse des unruhigen Herbstes 1989 in der damals noch „grauen Stadt am Meer“ nicht in Vergessenheit geraten, die mutigen Aktionen der Wolgaster nicht in der Informationsflut zum großen Thema Mauerfall und den revolutionären Ereignissen in Leipzig, Dresden und Berlin untergehen, dafür sorgt die Broschüre.

Ilse-Ruth Uebner, Ilse-Ruth Uebner

Ilse-Ruth Uebner - Ich bin Ilse-Ruth Uebner, geboren am 13. August in Borna. Ab meinem zehnten Lebensjahr, 1961, hatte ich mit diesem Geburtstagsdatum einige ...

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