
- Java von Kopf bis Fuß - O'Reilly
Java besitzt längst die Dominanz unter Programmiersprachen und ist nicht wegzudenken. Mittlerweile in Version 7 angelangt ist die Sprache längst aus den Kinderschuhen entwichen und braucht nicht den Vergleich mit anderen „namhaften“ Programmiersprachen zu scheuen. Mittlerweile verdienen ca. 9 Millionen Softwareentwickler ihre Brötchen mit dem Einsatz von Java und über 3 Milliarden Mobiltelefone würde heute ein tristes Dasein fristen, ebenso wie alle Blue-Ray-Player. Im Rahmen dieses Artikels werden verschiedene Publikationen, die sich mit dem Erwerb von Java-Wissen befassen vorgestellt.
In der Vergangenheit sind einige bemerkenswerte Publikationen zum Einstieg in Java erschienen, aber letztlich müssen sich diese an dem Erfolgstitel, des mittlerweile fünf Jahre alten Klassikers „Java von Kopf bis Fuß“ (Kathy Sierra, Bert Bates) aus dem Hause O’Reilly messen. Sicherlich beruht der Erfolg dieses Titels auch auf die bisweilen verspielt-provokante Art der Präsentation, die sich somit deutlich von herkömmlichen (Programmier)Lehrbüchern unterscheidet. Die zum Teil im Comicstil dargestellten Inhalte werden immer wieder durch Rätsel, Aufgaben, aber auch Unterhaltsames aufgelockert, was als Kontraprodukt zum trüben Lernen zu verstehen ist. Wer nun meint, dass die Inhalte hinter den Präsentationen stehen, der wird eines besseren belehrt.
Auch wenn das Buch mit einem Ausflug nach „Objekthausen“ startet, was für viele Programmierneulinge schwer greifbar ist, so sind die Erläuterungen insgesamt didaktisch gelungen aufgebaut. Eine Einführung für absolute Newbies zum Thema Programmieren fehlt. Der Einsatz der zahlreichen grafischen Elemente und das geschickte Wiederholen von Merkenswerten steigern die Reproduzierfähigkeit des Studierenden. Schleifen, Operatoren und der Einsatz von Bibliotheken sind die Basis-Bausteine, bevor die Arbeit mit Vererbung stufenweise im Niveau angehoben wird. Aber auch auf grafische Oberflächen (Swing), Netzwerk-Sockets und Multithreading wird eingegangen. Einziger Wermutstropfen, dass das Buch nur Java bis Version 5 behandelt und somit ein Update der Inhalte auf die Neuerungen der Sprache sinnvoll erscheinen. Natürlich werden – einem Anfängerbuch entsprechend – nicht alle realisierbar Themen von Java angesprochen, aber möglicherweise findet sich in den weiter unten im Text vorgestellten Büchern entsprechende Ergänzungsliteratur.
Mittlerweile in der sechsten Auflage erschienen ist der Titel „Grundkurs Programmieren in Java“ vom Autorenquartett Dietmar Ratz, Jens Scheffler, Detlef Seese, Jan Wiesenberger aus dem Hanser-Verlag. Die Neuauflage widmet sich natürlich auch Java 7, aber der Fokus liegt in der Erlernung der Programmiersprache auf Basis des Selbststudiums und ohne notwendige Vorkenntnisse! Erfreulich, dass man dem Verlagsmarketing in puncto Anspruch und Zielsetzung bei diesem Buch Vertrauen schenken darf. Egal ob aus privaten Interesse, für Ausbildung oder Studium dieses Buch führt den Leser didaktisch durchdacht und logisch aufbereitet zum Java-Nerd. Das Autorenteam macht nicht den Fehler, den zahlreiche Java-Einsteiger-Bücher in der Vergangenheit begangen haben: die Erläuterung des Prinzips der Objektorientierung.
Die logische Erarbeitung einer Programmiersprache erfolgt über algorithmische Denkansätze und das Verständnis von Computerlogik, was die Inhalte der ersten Abschnitte des Buches kennzeichnet. Darauf aufbauend werden Felder, Klassen und Methoden in ausführlicher Manier erarbeitet. Erst hiernach wird die objektorientiere Philosophie an den Mann gebracht, bevor einige wichtige Hilfsklassen vorgestellt werden. Im dritten Teil des Buches werden grafische Oberflächen erläutert. Der Aufbau erfolgt von AWT hin zu Swing bis hin zur Ereignisverwertung. Zum Abschluss für die Kür für angehende Experten: Parallele Programmierung mit Threads, Ein- und Ausgabe über Streams und Client-Server-Programmierung in Netzwerken. In den im Anhang besprochenen Themen wird der Blick über den Tellerrand nicht vergessen. Die zahlreich enthaltenen Beispiele und Übungen unterstreichen und ergänzen die theoretischen Erläuterungen. Lobend zu erwähnen ist die gut aufbereitete Webseite zum Buch die neben den Beispiel-Programmen auch Musterlösungen, zusätzliches Material und Ergänzungen, wie auch Aktualisierungen bereithält.
Einen anderen Weg beschreitet der Galileo-Verlag mit der Video-Trainings-DVD „Einstieg in Java“. Der Verlag, der sich auch für den mittlerweile überdimensionierten Klassiker „Java ist auch eine Insel“ (der nicht Bestandteil dieses Artikels sein soll) verantwortlich zeigt, beschreitet mit dieser DVD die Wege intermedialen Lernens. Ralf Bensmann führt als Trainer in die Java-Welt ein. In über acht Stunden Videomaterial brauchen sich die Inhalte hinter keinem Buch zu verstecken: So werden neben den Grundlagen auch anspruchsvollere Themen, wie Datenbanken, Netzwerke oder Servlets besprochen. Der Tutor arbeitet mit Eclipse und verfolgt den Ansatz ‚von der Theorie zur Praxis‘. Das bedeutet, dass neue Themen zunächst abstrakt erläutert werden, bevor der Zuschauer die Realisierung nachvollziehen kann.
Doch damit nicht genug: Zwei umfangreichere Projekte begleiten die Inhalte und lassen so die Kapitel verschmelzen. Zunächst werden die für die Programmiersprache nötigen Grundkonzepte wie Datentypen, Variablen, Schleifen, aber auch Objekte und Klassen ‚spielerisch‘ erlernt: Dazu werden virtuelle Kängurus erschaffen, die letztlich gegeneinander antreten. Technischer wird es bei Programmierung eines Twitter-Clients (unter zu Hilfenahme des Twitter4J-Framworks) und einer grafischen Oberfläche mit Swing. Der Vorteil dieser Form der Darstellung und Vermittlung ist der Blick über die Schulter eines Profis! Aufgrund der Videos kann der Tutor jederzeit wieder „bestellt“ werden und (noch) nicht verstandene Themen werden erneut erläutert. Sollte ein Thema noch nicht ausreichend bearbeitet worden sein, bietet sich eventuell eine der hier vorgestellten Bücher als Sekundärliteratur an. Die DVD verfolgt praktische Themen und ist auch in puncto Darstellung (Tempo, Atmosphäre) gelungen.
Was der Video-DVD fehlt sind auswertbare Übungsaufgaben! Abhilfe können die beiden nachfolgend vorgestellten Publikationen schaffen. Da ist zunächst das „Java 7 Übungsbuch Band 1“ von Elisabeth Jung aus dem mitp-Verlag. Der Untertitel „Über 200 Aufgaben mit vollständigen Lösungen“ ist Programm, woraus sich ergibt, dass es sich bei dieser Publikation nicht um ein klassisches Lehrbuch handelt. Java-Kenntnisse werden ergo vorausgesetzt! Zunächst präsentiert sich jedes Kapitel mit einer kurz gehaltenen Zusammenfassung, der für die Übungsaufgaben relevanten Techniken. Danach kommt der Praktiker zu Worte, in dem getreu dem Motto „Learning by Programming“ der praktische Einsatz vollzogen wird. Zunächst werden die grundlegenden Java-Techniken zur Objektorientierung trainiert: Klassen, Objektinstantiierung, Vererbung und Interfaces. Hierauf folgen drei Kapitel zur GUI-Programmierung mit AWT und Swing, bevor es komplexer wird, wenn die Themen innere Klassen, Generics, Reflections und Exceptions trainiert werden sollen. Den Abschluss bilden die Änderungen, die die Java-Versionen 6 und 7 betreffen. Erfreulich hierbei, dass die Aufgaben in drei verschiedenen Anforderungsstufen gestaltet sind: von einfach bis sehr anspruchsvoll. Natürlich wird der fleißige Programmierer nicht alleine gelassen: Er kann seine Ergebnisse mit den Musterlösungen am Ende des Kapitels vergleichen. Wer Übungsaufgaben zur Verfeinerung seiner Programmiertechniken mit Java sucht wird hier strukturiert bedient.
In dieselbe Kerbe schlägt die erweiterte Neuauflage des Buches „Das Java-Praktikum: Aufgaben und Lösungen zum Programmierenlernen mit Java 7“ aus dem dpunkt-Verlag. Die beiden Autoren Reinhard Schiedermeier und Klaus Köhler sind Professoren an der Hochschule München und legen mit dieser Publikation gut sortiertes und ausgewähltes Übungsmaterial vor. Natürlich werden Java-Kenntnisse erwartet beziehungsweise die Zuhilfenahme von Sekundärliteratur oder das Besuchen von Vorlesungen (sofern realisierbar) empfohlen. Um es vorweg zu nehmen: Das Niveau der Aufgaben ist akademischer Natur und soll Studenten oder ambitionierte Softwareentwickler entsprechend auf zukünftige Programmiereranforderungen vorbereiten. Die Problemstellungen der Aufgaben orientieren sich verstärkt an mathematische oder informatiktypische Bedürfnisse, was bisweilen eine durchdachte Vorbereitung benötigt, den Schüler letztlich aber auch fordert.
Den Einstieg bilden die Grundelemente (Arithmetik, Variablen, Wertzuweisungen, Kontrollstrukturen) der Programmiersprache, bevor prozeduralen Herangehensweisen zur Lösung von ersten Algorithmen gefordert werden. Erst hiernach wird der Übende mit Objektorientierung konfrontiert, das dann aber nicht zu knapp: Definition und Einsatz von Klassen, Interfaces und Vererbung, I/O, Netzwerke und Containerklassen, sowie generische Klassen + Typen. Die gut gewählten und in der Schwierigkeit ansteigenden Aufgaben werden auch hier von einem ausführlichen Lösungsvorschlag begleitet, sodass der Student bei Problemen nicht verloren ist. Die Orientierung der Autoren besteht dabei in der Effizienz des Einsatzes der Programmiersprache, wofür der ambitionierte Programmierer Anregungen in dieser Publikation finden wird.
Im Rahmen dieses Artikels wurden folgende Medien besprochen:
Kathy Sierra, Bert Bates - Java von Kopf bis Fuß
O'Reilly, ISBN-13: 978-3897214484, 49,90 Euro
Dietmar Ratz, Jens Scheffler, Detlef Seese, Jan Wiesenberger - Grundkurs Programmieren in Java
Hanser, ISBN-13: 978-3446426634, 34,90 Euro
Ralf Bensmann - Einstieg in Java: Das Video-Training auf DVD
Galileo Press, ASIN: 3836215683, 35,95 Euro
Elisabeth Jung - Java 7 Das Übungsbuch Band I: Über 200 Aufgaben mit vollständigen Lösungen
mitp, ISBN-13: 978-3826692406, 29,95 Euro
Reinhard Schiedermeier, Klaus Köhler - Das Java-Praktikum: Aufgaben und Lösungen zum Programmieren mit Java 7
dpunkt, ISBN-13: 978-3898647656, 34,90 Euro
