Akuter Virus-Schnupfen und Erkältungsschnupfen: Rhinitis acuta

Akuten Schnupfen (Rhinitis acuta) verursachen vor allem Viren - CDC: Brian Judd, James Gathany (2009)
Akuten Schnupfen (Rhinitis acuta) verursachen vor allem Viren - CDC: Brian Judd, James Gathany (2009)
Schnupfen-Viren verursachen akuten Schnupfen: Die Rhinitis ist die Entzündung der Nasenhöhle, die Nasennebenhöhlen entzünden sich bei der Rhinosinusitis.

Kommt ein Virus geflogen, setzt sich nieder in mei' Nas'; vermehrt sich prima in der Schleimhaut, ach – jetzt schneuz ich wie nur was: Über 200 verschiedene Schnupfen-Viren und Virus-Subtypen können sich per Tröpfchen- oder Aerosolinfektion in unserer Nasenschleimhaut niedersetzen. Dort führt eine erfolgreiche Infektion zur infektiösen Rhinitis (Schnupfen), zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut in der Nasenhaupthöhle. Typische Symptome sind nervige Niesattacken, durch die behinderte Nasenatmung verursachtes nuscheliges Näseln, durch die laufende Nase hervorgerufene Berge von Papiertaschentüchern, sowie kitzeliger Juckreiz oder peinigender Schmerz an der entzündeten Nasenschleimhaut.

Nasenhöhle & Nasennebenhöhle – Rhinitis & Sinusitis

Menschen gehören als Altweltaffen oder Schmalnasenaffen zur Teilordnung der Catarrhini, das griechische Wort "rhis" bedeutet hier Nase, dabei spielt die Bezeichnung Catarrhini auf die eng beieinander liegenden Nasenlöcher an. Entzündet sich hinter den Nasenlöchern die Nasenschleimhaut der Nasenhöhle (Cavum nasi), diagnostizieren unsere Ärzte eine Rhinitis. Das lateinische "-itis" bedeutet hier Entzündung. Allerdings entzündet sich bei einem akuten Schnupfen nur in den seltensten Fällen nur die Schleimhaut der Nasenhaupthöhle. Fast immer sind auch die Schleimhäute der Nebenhöhlen betroffen. Eine akute Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) nennen unsere Ärzte eine Sinusitis.

Schnupfen plus Sinusitis gleich Rhinosinusitis

Auch die DEGAM-Leitlinie "Rhinosinusitis" weist darauf hin, der "Übergang von einem Schnupfen in eine Entzündung der Nasennebenhöhlen ist nicht sicher abgrenzbar." Deshalb sprechen unsere Ärzte mittlerweile nicht nur von Rhinitis und Sinusitis oder Begleitsinusitis, mittlerweile wird auch immer häufiger die Bezeichnung "Rhinosinusitis" verwendet. Allerdings ist es eigentlich schon ein alter Hut, dass man kaum zwischen einer Entzündung der Nasenhaupthöhle und den Nasennebenhöhlen unterscheiden kann. Schon 1893 stellte Professor Dr. Emil Zuckerkandl in seinem naseweisen Lehrbuch über die Nase fest: "Die gewöhnliche Rhinitis sowohl als die mit eiterigem Exsudate beschränken sich nur in der Minorität der Fälle auf die Nasenschleimhaut; in der überwiegenden Mehrzahl hingegen gehen sie auf die Schleimhäute der nachbarlichen pneumatischen Räume (auf die Sinus und die Cellulae ethmoidales) über." Mit den "pneumatischen" Räumen meinte Prof. Zuckerkandl die Nasennebenhöhlen, die Cellulae ethmoidales sind hierbei die Siebbeinzellen.

Kommt ein Rhinovirus geflogen – die Entzündung der Schleimhaut

Rhinoviren sind vor Coronaviren und Grippeviren die häufigsten Schnupfenerreger, an kühleren Herbsttagen werden vermutlich über zwei Drittel der Schnupfen-Fälle durch Rhinoviren ausgelöst: Das Rhinovirus bindet an nasale ICAM-Rezeptoren (Inter-Cellular Adhesion Molecule), dringt mittels Endocytose in die Nasenschleimhaut ein und vermehrt sich. Das gefällt unserem nasalen Immunsystem NALT (Nasopharyngeal Associated Lymphoid Tissue) und unserem angeborenen Immunsystem ganz und gar nicht. Die infizierten Zellen der Schleimhaut locken mit Chemokin-Proteinen namens Interferon und Interleukin Immunzellen an – so werden zum Beispiel neutrophile Granulozyten in das entzündete Nasenepithel gelockt. Einige dieser Botenstoffe führen während der Immunantwort zur Vasodilation der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut, dies führt zu den angeschwollenen Schwellkörpern der Nasenmuscheln. Durch die gleichzeitige Hypersekretion des Nasensekrets haben wir dann die Nase bald gestrichen voll – die Nase verstopft.

Mit symptomatischer Therapie dauert der akute Schnupfen oft nur eine Woche

Kommt ein Schnupfen-Virus geflogen, leiden wir abhängig von der Virusart nach einer Inkubationszeit von etwa zwölf Stunden bis zu einer Woche am Schnupfen. Kommt ein Schnupfen-Durchschnittsvirus in unsere Nase gehupft, sind wir durchschnittlich nach ein bis zwei Tagen verschnupft. Die akute Rhinitis heilt oft von selbst innerhalb von einer bis eineinhalb Wochen aus – der akute Schnupfen ist eine so genannte selbstlimitierende Krankheit und wird symptomatisch therapiert: Gegen die verstopfte Nase empfehlen medizinische Fachgesellschaften und die Stiftung Warentest zum Beispiel Nasensprays mit Sympathomimetika als Wirkstoff – hier gibt es Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin. Arzneimittel-Präparate aus dem Sonnenhut (Echinacea) waren bisher gegen Erkältungen durch Rhinoviren machtlos. Neben einer akuten Rhinitis, verursachen Rhinoviren auch eine akute Bronchitis (Husten) und Entzündungen im Rachenraum (Pharyngitis)

Weitere Informationen und Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM, 2008): Rhinosinusitis, DEGAM-Leitlinie Nr. 10, omikron publishing. Düsseldorf.
  • Prof. Dr. med. Hans-Georg Boenninghaus und Prof. Dr. med. Thomas Lenarz (Hrsg., 2007): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer Medizin Verlag. Heidelberg. ISBN-13 978-3-540-48721-0.
  • Dr. med. Madeleine Rothen (2004): Akute Infekte des oberen Respirationstraktes – Continuous Medical Education (CME). Schweizerisches Medizin-Forum, 4, Seite 138 bis 145.
  • Professor Dr. Emil Zuckerkandl (1893): Normale und pathologische Anatomie der Nasenhöhle und ihrer pneumatischen Anhänge. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller K. U. K. Hof- und Universitätsbuchhändler. Druck von Friedrich Jasper in Wien.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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