Alan Ames: Scharlatan, echter Gottesmann oder religiöser Spinner?

Alan Ames: Vortrag, Termine und Heilungsgebet - Josef Döllwanger
Alan Ames: Vortrag, Termine und Heilungsgebet - Josef Döllwanger
Alan Ames und sein Heilungsgebet am 14.05.2011 in Gnadenberg: Ist er Scharlatan, wahrer Gottesmann, religiöser Spinner oder gar gefährlicher Sektenführer?

Es gibt wohl kaum ein Gerücht, das über ihn noch nicht im Umlauf war. Dass Alan Ames von den unterschiedlichsten Seiten teils massiv angegriffen wird, daran hat sich der in London geborene Australier schon lange gewöhnt. Wirklich stören tut ihn das aber nicht. Er weiß um die Unsicherheiten und Ängste der Menschen. Und er betet für sie – egal, ob Befürworter oder Gegner. Unermüdlich verkündet Alan Ames das Reich Gottes. Der gläubige Katholik evangelisiert seit Jahren Gläubige wie Ungläubige weltweit.

Der Charismatiker Alan Ames – Glaubenszeugnis, Heilungsgebet und Neuevangelisation

Es sind aber vor allem seine Heilungsgebete, die in aller Munde sind, denn während die einen fest davon überzeugt sind, dass Gott durch Alan Ames die Menschen heilt, sehen Kritiker genau in diesem Dienst den "Verführer" am Werk. Sie glauben zu wissen, dass Alan Ames nicht nur ein harmloser Spinner ist, sondern vielmehr ein gefährlicher Sektenführer, dem es Einhalt zu gebieten gilt. Aber welchen Stimmen darf, soll oder kann man überhaupt Glauben schenken? Wer oder was ist Alan Ames? Ist er ein geldgieriger Scharlatan, wahrer Gottesmann, harmloser Spinner und tatsächlich versteckter Sektenführer? Wie laufen die "Veranstaltungen" wirklich ab? Und was sagt die katholische Kirche zu Alans "Dienst"? Alan Ames war am 14.05.2011 in Gnadenberg bei Neumarkt in der Oberpfalz, um Zeugnis zu geben, und Suite101 hat Alan Ames und seinen Dienst unter die Lupe genommen.

Alan Ames – wenn ein ehemaliger Alkoholiker das Wort Gottes verkündet

Zugegeben, Alans Weg zu Gott war alles andere als gradlinig. Um das Kind beim Namen zu nennen: Seine Chance auf nur einen Funken Heiligkeit lag bei exakt null Prozent. Als Alkoholiker, gewalttägiger Familienvater und Kleinkrimineller gab es zwar auch für ihn eine Karriereleiter, die führte aber überall hin, nur ganz gewiss nicht in den Himmel. Gott schien das aber egal zu sein. Er entschloss sich kurzerhand, Alan zu einem seiner treusten Schäfchen zu machen. Das Problem: Alan Ames wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Gottes Plan. Doch Gott wäre nicht Gott, wenn sich dieses Problemchen nicht beseitigen ließe. Und so schickte die "Allerheiligste Dreifaltigkeit" eine ganze Schar von Heiligen, Engeln und sogar die Gottesmutter selbst zu Alan, um ihn zu bekehren. Klingt wie ein religiöser Science-Fiction-Roman? Nun, genau das ist es, was Alan Ames den Menschen weltweit erzählt. Und sie glauben ihm.

Die Früchte seines Dienstes: Heilungen, Bekehrungen, Hoffnung und Trost

Weshalb Alans Befürworter felsenfest davon überzeugt sind, dass seine Geschichte wahr ist, liegt wohl darin begründet, dass die Früchte seines Dienstes weltweit dieselben sind. Nicht wenige Gottesdienstbesucher, die an einem seiner Vorträge teilgenommen haben, stellen eine positive Veränderung an sich und ihrem Leben fest. Es ist aber vor allem auch eines, was sie gemeinsam haben: ihre Neuausrichtung auf Gott und den Glauben. Einige von ihnen wurden von Gott nicht nur tief berührt, sondern sogar körperlich geheilt – so sagen sie zumindest. Skeptiker sehen die Neubekehrungen etwas kritischer. Sie glauben in den "Gottesberührungen" religiösen Fanatismus oder gar das Werk einer katholischen Sekte zu erkennen. Für sie sind die Bekehrungen schlicht und ergreifend das Resultat einer Gehirnwäsche oder bestenfalls eine religiöse Entrücktheit, die sich hoffentlich irgendwann wieder von selbst legen wird. Und was sagt die katholische Kirche dazu?

Befürworter und Kritiker auch innerhalb der katholischen Kirche

Auch innerhalb der katholischen Kirche scheinen sich die Geister über die Person Alan Ames zu scheiden. Von absoluten Befürwortern, die von der Echtheit seiner Charismen mehr als überzeugt sind, über skeptische Beobachter bis hin zu vehementen Gegner werden auch hier unterschiedliche Stimmen laut. Aber: Alan Ames´ Mission im Namen des Herrn hat die ausdrückliche Genehmigung und Unterstützung des australischen Erzbischofs Barry Hickey. Ames hat damit die Erlaubnis der katholischen Kirche, weltweit in Gotteshäuser mit den Menschen zu beten und Zeugnis zu geben. Alan Ames selbst verspricht: "Ich unterstelle mich zu hundert Prozent den Weisungen der katholischen Kirche. Würde man mir vonseiten der Kirchenobrigkeiten verbieten, zu evangelisieren, ich würde sofort meinen Dienst einstellen – ohne nach Gründen zu fragen".

Alan Ames und sein Dienst für Gott – Inhalt und Ablauf seiner Vorträge

Seine Vorträge und Heilungsgebete sind schon fast ernüchternd bodenständig, hat man den vorauseilenden "Schauermärchen" zumindest im Ansatz Glauben geschenkt. Während so mancher Neugieriger oder auch echter Interessent eine Art "Heilungsveranstaltung" erwartet hätte, folgt nach einem anfänglichen Rosenkranzgebet oder Lobpreis eine ganz konventionelle "heilige Messe" mit dem ortsansässigen Priester, der Alan im Vorfeld selbst eingeladen hat. Im Anschluss daran gibt Alan Ames sein Glaubenszeugnis und spricht dabei vor allem von der Wichtigkeit der Sakramente. Er ermutigt seine Zuhörer, die Sakramente – allen voran die Eucharistie und die Beichte – regelmäßig zu empfangen, denn nur dann könne Gott umfassend wirken und heilen. Etwas spektakulärer wird es dann aber doch. Während des Heilungsgebets fallen einige Gottesdienstbesucher einfach um.

Gottesdienstbesucher fallen um – das "Ruhen im Geist"

Also doch. Religiöser Fanatismus. Die Skeptiker haben also recht. "Nein, haben sie nicht", erklärt Alan in seinem Buch "Über Seher und das Ruhen im Geist: "Das Umfallen nennt sich 'Ruhen im Geist' und wird schon in den biblischen Schriften beschrieben". Und tatsächlich. Auch dieser "Schrecken" verliert sein beängstigendes Gesicht, spricht man mit den Umgefallenen. Sie alle bestätigen: "Das Umfallen geht mit einem friedvollen, freudigen Erleben einher. Und: Das Umfallen geschieht freiwillig". Das "Ruhen im Geist" sei nicht mit einer Ohnmacht zu vergleichen. Erleben müsse man es aber selbst, denn wirklich erklären könne man es nicht.

Alan Ames – am Ende ein ganz "normaler" Katholik im Glauben

Alles in allem kann also festgehalten werden: Alan Ames ist weder ein Scharlatan noch ein halsabschneidender Sektenführer oder Irrlehrer. Er ist schlicht und ergreifend ein ganz normaler Katholik, der zu einem lebendigen Glauben mit und für Gott gefunden hat. Ob man am Ende seinen Charismen Glauben schenken mag oder nicht: Sein Dienst ist und bleibt vielmehr ein ergreifendes Glaubenszeugnis als eine spektakuläre Heilungsshow. Und: Es sind nicht nur die Früchte, die für sich sprechen, sondern vor allem auch die Erlaubnis der katholischen Kirche, die eigentlich so manchen Skeptiker besänftigen sollten. Eigentlich.

Simone Meier, Simone Meier

Simone Meier - Simone Meier publiziert als freie Journalistin, Lektorin und Texterin für unterschiedliche Medien. In der Nähe von ...

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