Alexander S. Neill: Kindheit und Jugend des Summerhill-Gründers

zwanglos spielende Kinder - Ulrike Bungert
zwanglos spielende Kinder - Ulrike Bungert
Der britische Pädagoge Neill ist bekannt als Gründer der Summerhill-Schule. Dieser Artikel gewährt einen Einblick in Neills frühen Werdegang.

Alexander Sutherland Neill ist als Verfechter der antiautoritären Erziehung bekannt geworden. Durch die Gründung der Summerhill-Schule in England sorgte er Jahrzehnte lang für Diskussionsstoff. Die Kindheit des engagierten Pädagogen war jedoch geprägt von einer religiös geprägten, autoritären Erziehung. Auch seine Jugend verlief eher fremdbestimmt. Erst im Erwachsenenalter begann Neill sich für Kindererziehung zu interessieren und wurde später zu einem der umstrittensten Pädagogen.

Die Herkunftsfamilie von Alexander Neill: arm, aber gebildet

Alexander Neill wurde 1883 in Forfar, der Bezirkshauptstadt der schottischen Provinz Agnus, geboren. Er war das vierte von insgesamt 13 Kindern. Vater George war Direktor einer Dorfschule. Die Mutter Mary war ebenfalls Lehrerin, ging jedoch nicht ihrem Beruf nach. Sie kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Neill wuchs in relativ ärmlichen Verhältnissen auf, da der Vater allein den Lebensunterhalt für die 15-köpfige Familie bestritt. Die Erziehung der Kinder in der Lehrerfamilie war vom damaligen schottischen Calvinismus geprägt.

Neill versagte in Schule und Ausbildung

Neill war ein mittelmäßiger bis schlechter Schüler. Vor allen Dingen war er nicht fähig, für Prüfungen zu lernen. Vielleicht würde man heute eine Lernschwäche diagnostizieren. Alexander Neill besuchte die Dorfschule seines Vaters bis zu seinem 14. Lebensjahr. Während die Geschwister vom Vater auf weiterführende Schulen geschickt wurden, hatte Neills Vater für Alexander Neill eine Stellung im Büro einer Gasometer-Fabrik in Edinburgh auserkoren. Aus Heimweh kehrte Neill nach nur sieben Monaten zurück zu seinen Eltern, um dort in die Lehre zu einem Tuchhändler zu gehen. Auch diese Lehre brach Neill ab und versuchte – abermals erfolglos – für eine Beamtenprüfung zu lernen. Neill war mittlerweile 16 und ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung.

Der Lehrerberuf war eine Notlösung

Neills Ausbildung zum Lehrer war nicht der Wunsch des damaligen Jugendlichen. Neills Eltern beschlossen aus der Verzweiflung heraus, den Jungen als Schulpraktikant in der Schule seines Vaters unterzubringen. Es schien die letzte Alternative zu sein. Den Beruf des Volksschullehrers musste man zu Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht studieren. Die Lehrzeit an der Schule dauerte vier Jahre. Neill schloss sie mit dem schlechtmöglichsten Examen, einer „drei“, ab. Damit lautete seine Berufsbezeichnung nun nicht Lehrer, sondern Ex- Praktikant.

Die Hochschulreife kam erst im Erwachsenenalter

Unterrichten konnte man ohne den Lehrertitel trotzdem – und das tat Neill. Nach weiteren Prüfungen schaffte Alexander Neill es immerhin zum Hilfslehrer. Als solcher unterrichtete er bis 1908 an mehreren Schulen in Schottland. Das Interesse des nunmehr jungen Mannes richtete sich jedoch nicht auf die Anpassung an das Schulsystem, das vorwiegend auf Bestrafung und Belohnung ausgerichtet war. Vielmehr begann Neill sich für Bildung und Pädagogik zu interessieren. Sein Ziel, die Aufnahmeprüfung für die Universität zu bestehen, erreichte Neill erst mit Mitte zwanzig: durch selbst bezahlte, private Nachhilfestunden.

Quellen:

Neill, A.S.: Neill, Neill, Birnenstiel! Erinnerungen des großen Erziehers A.S. Neill. Reinbek bei Hamburg, 1982

Neill, A.S.: Das Prinzip Summerhill: Fragen und Antworten. Argumente, Erfahrungen, Ratschläge. Reinbek bei Hamburg, 1971

Neill, A.S.: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Das Beispiel Summerhill. Reinbek bei Hamburg, 1969

Ulrike Bungert, UB

Ulrike Bungert - Ulrike Bungert, Jahrgang 1976, lebt mit ihren drei Kindern in Berlin-Kreuzberg. Als Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin und Dipl. ...

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