Algen-Ballaststoffe – Geliermittel für Nahrung und Darm

Braunalgen enthalten vielfach nutzbare Alginate - Andreas Steneberg
Braunalgen enthalten vielfach nutzbare Alginate - Andreas Steneberg
Agar-Agar, Carrageen und Alginate sind Gelier- und Verdickungsmittel in Fertigprodukten. Sie haben gesundheitsfördernde Eigenschaften und sättigen.

Selbst wenn Algen nicht verzehrt werden, kommen Konsumenten von Fertigprodukten in den Genuss von Algeninhaltsstoffen. Wegen ihrer Wasser bindenden und Struktur gebenden Eigenschaften werden Alginsäure und Alginate (E400 - 405), Agar-Agar (E406) und Carrageen (E407) vielen Nahrungsmitteln als Gelier- und Verdickungsmittel sowie Fett- oder Schaumstabilisatoren zugesetzt.

Alginsäure - E 400

Alginsäure (E 400) ist ein verzweigtkettiges saures Polysaccharid, das aus Braunalgen gewonnen wird. Neben der Nahrungsmittelindustrie werden Alginate auch in der Kosmetik- und Waschmittelindustrie sowie in der Zahnmedizin und Chirurgie (als Klebstoff und zur Ummantelung von Transplantaten) verwendet. Neu auf dem Markt ist ein Alginat, das durch die schleimhautabdeckende Wirkung gegen Sodbrennen helfen soll: Gaviscon® Advance.

Agar-Agar - E 406

Agar-Agar (E 406) ist das gereinigte, getrocknete und in Fäden geschnittene Gel aus Schleimstoffen der Rotalge Gelidium amansii. Neben dem Einsatz als Verdickungsmittel in der Lebensmittelindustrie wird Agar-Agar als Hilfsstoff in der Pharmazie und Kosmetik in fettfreien Produkten wie zum Beispiel Salben und Suppositorien sowie als Trägersubstanz in der Laboranalytik eingesetzt. Agar-Agar findet in der naturheilkunge auch als Laxans (Abführmittel) Verwendung.

Carrageen - E 407

Carrageen (E 407) wurde ursprünglich wie Agar-Agar aus natürlichen Beständen von Rotalgen (Chondrus crispus) sowie einigen Arten der Gattung Gigartina gewonnen. Heute wird Carrageen (chemisch: Galaktansulfat) in Meeresfarmen aus anderen Rotalgen (Kappaphycus = Eucheuma cottonii) kostengünstiger produziert. Es findet Anwendung als Geliermittel und Stabilisator in Lebensmitteln, kosmetischen und pharmazeutischen Produkten.

Ballaststoffe und Schadstoffbindung

Diese Lebensmittelzusatzstoffe erfüllen jedoch auch im menschlichen Körper ähnliche Funktionen, weshalb sie ernährungsphysiologisch zu den Ballaststoffen zu rechnen sind. Da sie wasserlöslich sind, bilden sie auch im Darm hochviskose Lösungen. Durch die Volumenerhöhung wird die Energiedichte verringert: Dadurch wird das Sättigungsgefühl erhöht und die Resorption von Zucker und Cholesterin verringert. Auch die positive Wirkung auf die Darmflora ist belegt. Agar-Agar und Carrageen hemmen die Aktivität der bakteriellen Enzyme ß-Glucoronidase und ß-Gluconidase. Damit wird sowohl die Reaktivierung gebundener Kanzerogene als auch die Bildung von ß-glykosidisch gebundenen Sacchariden wie Zellulose verhindert.

Möglicherweise kann der Bindungseffekt der Algen-Polysaccharide im Verdauungstrakt zur gezielten Schadstoffreduktion des Körpers therapeutisch genutzt werden. Die Anwendung sollte jedoch wegen der verminderten Spurenelement-Resorption sorgfältig therapeutisch überlegt sein.

Tierexperimentell belegt ist, dass eine zehnprozentige Zugabe von Wakame ins Futter wirksam die Aufnahme und Rückresorption von Dioxinen aus dem Verdauungstrakt verhindert. Im Falle einer nuklearen Katastrophe wird Natrium-Alginat als Antidot zur Reduzierung der Strontium(Sr)-Aufnahme durch die Nahrung empfohlen.

Die Verwendung von Carrageen in Lebensmitteln und Pharmakologie ist jedoch nicht unumstritten

Besorgniserregend sind insbesondere zunehmende Erkenntnisse über Krebs verursachende Eigenschaften von Carrageen. In zahlreichen Tierversuchen haben Wissenschaftler festgestellt, dass insbesondere das kurzkettige Carrageen (Molekulargewicht unter 30.000 Dalton) Tumore im Magen-Darm-Trakt auslösen kann. Die experimentellen Befunde belegen, dass das bisher auch von der Weltgesundheitsbehörde WHO als sicher eingestufte natürlich vorkommende höhermolekulare Carrageen im Verdauungstrakt in die gesundheitsgefährdende Form abgebaut wird.

Der Verzehr von Agar-Agar und Alginaten ist unbedenklich, ein therapeutischer Einsatz denkbar

Der Verzehr von industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, denen Algeninhaltsstoffe (Alginate und Agar-Agar = E400-406) zur strukturellen Stabilisierung zugesetzt wurden, ist gesundheitlich unbedenklich. Aufgrund der widersprüchlichen Erkenntnisse über mögliche Gesundheitsrisiken von Carrageen (E 407), sollte vorsorglich auf andere Zusatzstoffe zurückgegriffen werden. Als Ballaststoffe haben sie gesundheitsfördernde Eigenschaften. Der Verzehr von Braun-, Grün- und Rotalgen ist trotz hoher Gehalte an essentiellen Nährstoffen (Proteine, Mineralstoffe und Spurenelemente) nur eingeschränkt empfehlenswert.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Vertiefende Informationen:

Steneberg A: Algen in Ernährung und Medizin - Meersalat und Wunderdroge? UMWELT & GESUNDHEIT 15 3 (2004) 102-7

Andreas Steneberg, Andreas Steneberg

Andreas Steneberg - Als ausgebildeter Ernährungswissenschaftler (Dipl. oec. troph.) hat der Autor langjährige Erfahrungen mit ...

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