
- Palmentang - ©Prof. Dr. Stein Fredriksen, Universität Oslo
Algenforscher der Sektion Phykologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft entschieden sich im Jahr 2007erstmalig zur Kürung einer Alge, um auf die Bedeutung dieser Pflanzengruppe aufmerksam zu machen. Denn Algen sind die wichtigsten Sauerstoff-Produzenten der Erde. Für diesen Prozess verbrauchen sie das Treibhausgas Kohlendioxid. In 2007 kürten die Forscher den Seetang der Gattung Laminaria zur Alge des Jahres. Im Jahre 2008 fiel die Wahl auf die Gattung Micrasterias und im Jahre 2009 ist es Emiliania huxleyi.
Vorkommen und Aussehen der Seetang-Gattung Laminaria
Laminaria-Seetang wird mehrere Meter groß und bildet zusammen mit anderen Großalgen den "Regenwald der Meere". Diese Unterwasserwälder reichen beispielsweise auf Helgoland bis zu zehn Metern und im Mittelmeer bis zu 120 Metern Wassertiefe. Die Wälder sind der Lebensraum vieler Meerestiere wie Fische, Krebse, Seeigel und Schnecken.
Der Palmentang (Laminaria hyperborea), der Zuckertang (Laminaria saccharina) und der Fingertang (Laminaria digitata) wachsen auf dem felsigen Meeresgrund kühler Meere wie beispielsweise der Nord- und Ostsee. Die Braunalgen besitzen – ähnlich wie Landpflanzen – wurzelähnliche Haftkrallen, einen stammähnlichen Stiel und einen blattähnlichen Wedel. Die drei Laminaria-Arten wachsen hauptsächlich im Spätwinter und im Frühjahr dem Licht entgegen.
Naturstoff Alginsäure
In den Zellwänden des Seetangs formen Alginsäuren lange Molekülketten. Aus dem Salz der Alginsäure, dem Alginat, lassen sich chemisch sehr einfach Gele herstellen. Damit dient die Alginsäure als Stabilisator in der Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie. Enthalten ist der Naturstoff zum Beispiel in Instant-Pudding, Ketchup, Joghurt, Eiscreme, Zahnpasta, Shampoos, Cremes und Salben sowie in vielen Diätprodukten, denn Alginsäure wird vom menschlichen Körper nicht verwertet.
Gesundheitsgetränk Algenwein
Der Algenwein duftet wie Sherry und besitzt die typische samtbraune Färbung eines gereiften Weins. Das Algengetränk ist zudem reich an Mineralien, Vitaminen, Eiweiß, Jod und Zucker, wie bereits der Name der Algenart Laminaria Saccarina verrät. Eine Flasche des Algengetränks soll den Drei-Wochen-Bedarf eines Erwachsenen an Vitalstoffen decken. Dies entspräche täglich einem bis zwei Schnapsgläschen des Algenweins. Das Braunalgenextrakt soll zudem das Immunsystem stärken, den Darm reinigen und den Körper entschlacken.
Die Meeresbiologien Inez Linke, Inhaberin der ersten Algenfarm Deutschlands, entdeckte den Algenwein zufällig bei der Produktion eines Algenextraktes. Die Algen-Kulturen befinden sich rund 400 Meter vor der Küste bei Eckernförde. Sie wachsen dort auf 100 mal 100 Metern in bis zu acht Metern Tiefe. Geerntet werden die Algen von Mai bis Juni. Anschließend werden sie fermentiert, eingemaischt und mittels Bakterien- und Hefekulturen gären sie in großen Tanks bei Raumtemperatur. Das Endprodukt enthält etwa elf bis dreizehn Prozent Alkohol.
Das Algen-Getränk darf nicht "Wein" heißen
Obwohl es sich technisch und nach dem Lebensmittelrecht um einen Wein handelt, darf das Algengetränk laut deutschem und europäischem Weingesetz nicht als Wein bezeichnet werden. Die Definition von Wein ist sehr eng gefasst und so darf sich nur Wein nennen, was aus Trauben gewonnen wird. Als völlig neues Nahrungsmittel fällt das Getränk - ähnlich wie der Zuckerersatz Stevia - unter die Novel-Food-Verordnung.
Quellen: dpa und idw
