Algenwuchs einfach hemmen

Bekämpfung – ein Versuch ist kostenlos

Algenplage im Aquarium - Gerhard Ott
Algenplage im Aquarium - Gerhard Ott
Lästiger Algenbewuchs, besonders Blaualgen, im Süßwasseraquarium lässt sich oft mit einem einfachen Trick beseitigen oder zumindest hemmen.

Für jeden Süßwasseraquarianer sind „Algen“ ein Gräuel. Biologisch betrachtet ist die aquaristische Abscheu vor Algen eigentlich unberechtigt, denn botanisch sind es außerordentlich interessante Organismen. Zudem ist die Abbauleistung als lebende Pflanzenfilter auch nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus können manche Algen als Zeigerpflanzen dienen, die dem erfahrenen Aquarianer Informationen über den Gesamtzustand des künstlichen Lebensraums Aquarium liefern. Unter einem Mikroskop erweisen sich die meisten sogar als ausgesprochen hübsch.

Algen sind das "Unkraut" des Aquarianers

Genau die ästhetischen Gesichtspunkte sind es , die die Algen so unbeliebt machen. Mühsam kultivierte Bestände von Wasser- und Sumpfpflanzen sind nicht mehr ansehnlich sind, wenn sie von blauschwarzen, streng riechenden Matten oder von langen grünen Fäden umsponnen oder von kleinen schwarzen unlösbar fest sitzenden Punkten übersät sind. Im Garten soll kein "Unkraut" wachsen und "Fehlbewuchs" wird nicht geduldet: Das Aquarium soll "algenfrei" sein.

Algenbekämpfungsmittel kurieren am Symptom

Der Zoohandel hat dafür eine Reihe von Tinkturen und Zauberwässerchen im Regal. Sie halten entweder gar nicht, was sie versprechen, oder helfen nur zeitweilig. Die Ursache für übermäßigen Algenwuchs wird durch ein „Medikament“ für das System Aquarium nicht beseitigt. Auch ein Kopfschmerzmittel lässt zwar den Kopfschmerz nicht mehr spüren, aber die Ursache wird nicht beseitigt. Auch wird durch Algenbekämpfungsmittel der Wuchs anderer Pflanzen gehemmt. Denn letztendlich sind die Wirkstoffe in den Mitteln „Herbizide“. Alle diese Mittel kurieren am Symptom, also dem Algenbewuchs, herum. Sie beseitigen aber die Ursache nicht. Der Erfolg ist meist zeitlich begrenzt.

Ursachenforschung

Manche Aquarianer sehen die Ursache in zu viel, zu wenig oder falsch zusammengesetztem Licht. Andere führen übermäßigen Algenwuchs auf ein Nährstoffüberangebot zurück. Die richtige Lampenwahl kann durchaus hilfreich sein, manchmal aber auch teuer. Es wird gerne empfohlen, die Aquarienbeleuchtung zwölf Stunden täglich brennen zu lassen und zwölf Stunden aus zu lassen, weil so Tag-Nacht-gleiche Verhältnisse der Tropen simuliert würden. Es stimmt , dass astronomisch ein Tropentag rund zwölf Stunden und eine Tropennacht rund zwölf Stunden haben und die jeweiligen Dämmerungen dazwischen oft nicht einmal zwanzig Minuten lang sind; im Gegensatz zu den Dämmerstunden in unseren gemäßigten Breiten. Aber auch in den Tropen scheint nicht zwölf Stunden ununterbrochen die Sonne. Nicht nur in Regenzeiten, sondern auch in Trockenzeiten gibt es Abschattungen durch Wolken und noch mehr durch Bäume und sonstigen Gewässerbewuchs. Behauptete Lichtintensitäten von Hunderttausenden von Lux – womöglich noch im Vollspektrum – sind keine allgemeine Tropenrealität.

Die aquaristische Praxis zeigt, dass hohe Dauerbeleuchtung bei gutem materiellen Nährstoffangebot für zumeist aus heimischen Gewässern stammende – aber natürlich auch für tropische Algen – ein Paradies in unseren Aquarien sind.

Ein Tipp, der auch noch Geld spart

Also das Aquarienlicht nicht immer zwölf Stunden brennen lassen, sondern an den verschiedenen Wochentagen unterschiedlich lang; zwischen sechs und zwölf Stunden. Früher schaltete man von Hand, abhängig vom persönlichen - nicht immer stetigen - Lebensrhythmus. Wirkliche Algenprobleme waren damals seltener. Heute kann ein tagesunterschiedlicher Schaltrhythmus leicht mit Wochenzeitschaltuhren realisiert werden.

Berufstätige, die erst am späten Nachmittag oder abends nach Hause kommen, machen das natürlich zeitverschoben, sodass das Licht hauptsächlich in den Abendstunden brennt. Das Wichtigste ist jedoch ein Tag in der Woche: Da brennt gar keine Aquarienbeleuchtung. Höchstens kurz ein paar Minuten, um zu kontrollieren, ob mit den Fischen, Filtern und Becken alles in Ordnung ist. Dieser Tag ist auch der Standard-Hungertag für die Fische. Es sollte sowieso nicht täglich gefüttert werden, aber einmal in der Woche garantiert nicht. Und auch die Pflanzen werden nicht mit Licht gefüttert. Es gibt so gut wie keine Wasser- oder Sumpfpflanze, der das Kummer bereitet. Nur die Algen reagieren auf solche Maßnahmen und wachsen gar nicht oder nur sehr mäßig. Diese Methode funktioniert auch bei Blaualgen; diese sind übrigens keine Algen, sondern Bakterien.

Diese Methode kostet nichts und wirkt häufig, wenn auch nicht immer. Es gibt eben zu viele Faktoren im Kleinstbiotop Aquarium.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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