Alien - Sigourney Weaver auf Sci-Fi-Monsterjagd

Egal ob im Kino, auf Video oder DVD - die Filmreihe fasziniert

Ursprünglich als billiges B-Movie konzipiert, entwickelte sich "Alien" dank Ridley Scott und H. R. Giger zum Prototyp intelligenter Science Fiction ... und zum Filmkult!

Im Weltall hört dich niemand schreien

Irgendwann in der Zukunft: Majestätisch gleitet der gigantische Raumfrachter „Nostromo“ durch die unendlichen Weiten des Weltalls. Seine Ladung: Erze und sieben Astronauten, die alles andere als begeistert sind zu erfahren, dass der Bordcomputer den Kurs Richtung Erde eigenwillig geändert hat, nachdem er ein Funksignal unbekannten Ursprungs aufgefangen hat.

Da sie vertraglich dazu verpflichtet sind, machen sich die Crewmitglieder auf, die Quelle des Funksignals zu erkunden. Es handelt sich um ein offenbar nicht-menschliches Raumschiff, das auf einem unwirtlichen Planeten notgelandet war.

Bei der Erkundung des Raumschiffs wird eines der Crewmitglieder von einer unbekannten Kreatur attackiert und fällt in ein Koma. Um ihn zu retten bringen ihn die anderen zurück an Bord der „Nostromo“ – nichts ahnend, welcher grauenhaften Bedrohung sie damit die Pforten geöffnet haben …

Erst „Star Wars“ machte „Alien“ möglich

„Alien“ ist eine jener Erfolgsgeschichten, die äußerst unspektakulär beginnen und später umso größere Wellen der Begeisterung schlagen. Während der erste Drehbuchentwurf in den Schubladen der „20th Century Fox“-Studios schlummerte, da niemand an den Erfolg eines Science-Fiction-Films zu glauben wagte, sorgte „Star Wars“ für Rekordeinnahmen an den Kinokassen weltweit.

Hektisch versuchte nun jedes Studio im Windschatten dieses sensationellen Knüllers am plötzlichen Science-Fiction-Boom mitzunaschen. Selbst James Bond verließ zum ersten und bislang einzigen Mal in „Moonraker“ die Erde.

Alpträume aus der Schweiz

In den englischen Shepperton-Studios begannen 1978 unter der Ägide des bis dato als Werbefilmer arbeitenden Ridley Scott die Dreharbeiten zu „Alien“. Vom ersten Drehbuchentwurf hatten Dan O’Bannon und Roland Shusett kaum etwas übrig gelassen.

Kopfzerbrechen bereitete der Filmcrew vor allem die Frage, wie das Monster denn aussehen sollte. Schließlich entschied man sich, den exzentrischen Schweizer Expressionisten Hansruedi (H. R.) Giger für das Design des intergalaktischen Ungeheuers zu verpflichten. Ein Glücksgriff, der bei der Oscar-Verleihung 1980 entsprechend gewürdigt wurde.

"Sie scheinen immer noch zu verstehen, womit sie es zu tun haben. Mit dem perfekten Organismus. Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur."

Anders als bei allen bisherigen Horrorfilmen setzte „Alien“ in mehrfacher Hinsicht völlig neue Akzente. Sukzessive wird die Spannungskurve bis zur ersten Attacke des Monsters erhöht, verflacht jedoch nicht, nachdem der Zuschauer dieses zum ersten Mal erblickt hat. Dies liegt nicht nur am außergewöhnlichen Design der augenlosen Kreatur, sondern auch an Scotts kluger Entscheidung, den eigentlichen Hauptdarsteller sparsam, dafür umso effektiver in Szene zu setzen.

Die weit verwinkelten, kärglich beleuchteten Gänge der „Nostromo“ geben dem „Alien“ Gelegenheit, sich zu verstecken und erweisen sich als Ort steter Bedrohung für die hilflose Crew.

Außerdem entpuppt sich das Wesen als nahezu unverwundbar, fließt doch tödliche Säure statt Blut durch seinen Körper.

Desolates Raumschiff, demotivierte Crew

Großes Augenmerk legte Scott auf überzeugende Charakterisierungen. Ein kluger Schachzug, fiebert der Zuschauer auf diese Weise umso mehr mit den einzelnen Protagonisten mit. Dabei gibt es keinen Sympathieträger, ja, nicht einmal einen „Helden“ im engeren Sinn.

Die Crew besteht aus fünf Männern und zwei Frauen, die nur möglichst rasch nach Hause zu ihren Familien wollen und plötzlich mit etwas völlig Unbekanntem zu tun bekommen, das ihr Leben bedroht. Niemand sticht durch besonderen Heldenmut oder Genialität heraus. Diese zusammengewürfelte Crew schlägt sich mit den Tücken des maroden Raumschiffs herum, anstatt, wie man es aus vielen zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen gewohnt war, in sterilen, sauberen Räumen von Robotern bedient zu werden.

Die erste Heroine des Action-Kinos

Äußerst gewagt war auch Scotts Entscheidung, die Rolle der Ellen Ripley mit der unbekannten Sigourney Weaver zu besetzen. Eine Rolle, die ursprünglich Paul Newman hätte einnehmen sollen.

Wurden Frauen bislang meist als kreischende, hilflose Wesen charakterisiert, die vom männlichen Heroen gerettet werden mussten, brach Weaver dieses altbackene Schema gekonnt auf: Ihre Ellen Ripley ist zwar keine Heldin, sondern eine ganz gewöhnliche Frau, die nach Hause zu ihrer Tochter möchte, wächst in der Gefahr aber über sich hinaus und bietet dem Monster Paroli.

Sieben Jahre später sollte Sigourney Weaver in James Camerons Fortsetzung „Aliens“ erneut auf Monsterjagd gehen. Diesmal erheblich selbstbewusster und waffenstarrend.

Kult ohne Ablaufdatum

Neben dem ausgeklügelten, spannenden Plot ist es vor allem das überragende Setdesign, welches „Alien“ einen Platz in der Halle unsterblicher Filmklassiker sicherte. Hier erinnerte nichts mehr an auf Klaviersaiten hängende Gummimonster oder billige Kulissen aus Pappmaché die wackelten, sobald ein Schauspieler sie berührte.

Trotz des futuristischen Themas wirken die Sets und Designs immer noch so unverbraucht wie vor drei Jahrzehnten.

Kein Ende der „Alien“-Manie in Sicht

Die „Alien“-Reihe erwies sich für „20th Century Fox“ als wahre Goldgrube. Nicht weniger als drei Sequels folgten Scotts Meisterwerk. Dazu kommen bislang zwei „Alien vs. Predator“-Filme, Comics, Computerspiele und allerlei Requisiten für Fans.

Sehr beachtlich für einen Streifen, der beinahe als billiges B-Movie in der Versenkung verschwunden wäre.

Originaltitel: Alien

Regie: Ridley Scott

Produktionsland und –jahr: GB 1979

Filmlänge: ca. 124 Minuten

Verleih: Fox

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

rss