Alkohol contra Marihuana - Akzeptanz und Inkonsequenz

Spirituosen und Hanfblatt - Tim Ruster und manwalk  / pixelio.de
Spirituosen und Hanfblatt - Tim Ruster und manwalk / pixelio.de
Wieso werden zwei derart schädliche Produkte wie Alkohol und Marihuana in unserer Gesellschaft so unterschiedlich bewertet? Ein Erklärungsversuch.

Wer sich freitagabends in der Innenstadt bewegt, der sieht sie überall: Betrunkene Menschen, vorzugsweise Jugendliche. Fast jeder trägt ein Bier in der Hand, nicht selten laufen einem aber auch Vertreter mit einer halb geleerten Flasche Wodka oder billigem Whisky über den Weg. Das ist in Ordnung, zumindest von Seiten des Staates her. Immerhin verdienen Unmengen von Kneipen, Discos und Bars ihr Geld durch diese Menschen. Jede gestorbene Gehirnzelle entspricht hier dem Profit eines anderen.

Wesentlich seltener nimmt man beim Gang durch die Stadt den Geruch von Marihuana, umgangssprachlich Gras genannt, wahr. Wer würde sich auch damit zeigen? Anbau, Besitz und Weitergabe sind gemäß des Betäubungsmittelgesetzes strafbar. Diese Regelungen implizieren, dass Alkohol nicht so schädlich ist wie Marihuana. Doch entspricht das wirklich der Realität?

Schäden durch Alkohol

Jeder, der sich schon mal nach einem Vollrausch auf Informationssuche begab und wissen wollte, was er seinem Körper da eigentlich angetan hat, weiß es: Alkohol ist ein Zellgift. Er zerstört dabei natürlich nicht nur Gehirnzellen, sondern Zellen jeglicher Organe, egal ob Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz oder auch Blutgefäße. Diese Wirkung erzielt er schon allein durch das Entziehen von Wasser. Beim Besuch der Stammkneipe sollte man daher unbedingt eine Flasche Mineralwasser in der Tasche haben.

Nicht zu unterschätzen ist jedoch auch eben genannte Dezimierung der Gehirnzellen. Zwar besitzt der Mensch mehr als 100 Milliarden dieser Zellen, doch gerade darin liegt das Risiko: Die Auswirkungen sind nur schleichend spürbar. Dutzende Vollrausche mögen auf den ersten Blick keine Schäden angerichtet haben, doch dies täuscht. Die abgestorbenen Gehirnzellen, und das sind immerhin je nach Intensität mehrere Millionen, werden durch sogenannte Reservezellen ersetzt, die sich in ihre neue Aufgabe erst hineinarbeiten müssen. Natürlich funktioniert das nicht für immer. Es dauert kürzer, als der durchschnittliche Kneipengänger annimmt, bis auch langfristige Wirkungen eintreten. Schlechteres Gedächtnis, schwächer werdende Konzentration und wachsende Fettpolster. Aufgrund der Langsamkeit dieser Entwicklung reden sich die meisten Menschen ein, dass ihr Gedächtnis noch nie das beste war, und der Bauch ist doch jetzt auch schon seit einigen Jahren da. Im Hinterkopf wissen jedoch fast alle, dass sie diese Entwicklung dem Alkohol zu verdanken haben. Da Alkohol eine enthemmende Wirkung hat, ist es meist ein unangenehmer Gedanke, ihn nicht mehr zu konsumieren.

Schäden durch Marihuana

Auch Marihuana, oder Cannabis, trägt nichts zur Gesundheit des Organismus bei, obwohl viele aus eigenem Interesse etwas anderes behaupten. Im Gegensatz zum Alkohol, der auch schon in kleinen Mengen einen Schaden anrichtet, ist der Cannabiskonsum aber wohl erst auf lange Sicht hin gefährlich. Studien an Rhesusaffen belegen einen Schaden am limbischen System des Gehirns, in dem unter anderem Emotionen verarbeitet werden. Die Gefühlswelt wird durch Marihuana auf Dauer regelrecht zerstört und der Konsument neigt oftmals zu theatralischem Verhalten.

Andere Studien sprechen davon, dass das Rauchen von Marihuana wesentlich schädlicher für die Lunge ist als die gleiche Menge an Tabak. So entsprächen vier Marihuana-Zigaretten zwanzig herkömmlichen. Auch beim Graskonsum tritt die enthemmende und beruhigende Wirkung ein. Diese führt dann erst zur eventuellen Sucht.

Inkonsequenz der Gesetzeslage und gesellschaftliche Akzeptanz

Die beiden Rauschmittel scheinen sich also nicht viel zu nehmen. Warum ist also Alkohol so toleriert und Marihuana verboten? Einerseits liegt es an der gesellschaftlichen Akzeptanz. In unseren, übrigens auch in den meisten anderen, Breitengraden ist Alkohol sozusagen ein Kulturgut. Biere wie etwa Kölsch sind ein fester Bestandteil des Lokalpatriotismus und Selbstwertgefühls. Weiterhin ist Alkohol seit jeher unersätzlich bei jeglicher Art von Feier. Egal ob in der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance, den 1950er Jahren oder dem Jahre 2011, kein Geburtstag oder Jubiläum kann ohne Alkohol ablaufen. Wer würde es den Jugendlichen da verübeln, dass sie ihre Geburtstag nur noch mit sieben Flaschen Wodka feiern können? Die Kultur muss schließlich gewahrt werden. Der Geruch von Marihuana scheint neben diesem Genozid an Gehirnzellen immer schockierend zu sein, wenn er in den Straßen wahrgenommen wird. Marihuana ist seit der Opiumkonferenz 1925 verboten, somit ist es schon für mindestens zwei Generationen tabu. Die Gesellschaft ist dieses Rauschmittel nicht mehr gewöhnt und lehnt es somit größtenteils ab.

Das Verbot bei der Konferenz von 1925 in Genf war stark politisch geprägt. Keiner der teilnehmenden Staaten konnte wirklich von Problemen beim Marihuanakonsum berichten, außer der Türkei, Ägypten und Portugal, das die Aufsässigkeit der Bevölkerung in der Kolonie Angola auf das Cannabis schob. Auf Drängen dieser Staaten, die mit wirtschaftlichen Sanktionen drohten, wurde die Droge geächtet.

Es ist erstaunlich, dass Alkoholprodukte angesichts dieser Einsichten im frühen 20. Jahrhundert bis heute ihre Beliebtheit behalten konnten. Sowohl Gesellschaft als auch Gesetzgeber sind hier inkonsequent, denn Fakt ist: Beide Rauschmittel sind unglaublich schädlich.

Quellen:

Bildnachweis: © manwalk / pixelio.de

Tim Ruster, © Tim Ruster

Tim Ruster - Tim Ruster ist 20 Jahre alt und studiert Jura in Köln. Im Laufe der Zeit hat er sich eine Menge Wissen über ...

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