
- Alkohol, Alkoholiker - iStockphoto.com/ewhite
Alkoholismus ist seit 1968 als Krankheit anerkannt und seit 1983 sogar als nicht selbst verschuldete Krankheit. Dennoch stoßen hilfesuchende Alkoholiker auch heute noch vielfach auf Ablehnung, wobei leider oft die staatlichen Einrichtungen, die Krankenkassen und Rentenversicherungsträger keine Ausnahme bilden. Selbst in deutschen Krankenhäusern gehören Alkoholkranke viel zu oft immer noch zu einer Patientengruppe, die man gern links liegen lässt, im schlimmsten Fall sogar verachtet und demütigt. Einigen dieser Institutionen würde sicher ein wenig Nachhilfeunterricht nicht schaden, denn Artikel eins des Grundgesetzes lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Nirgendwo steht in Klammern oder als Nebensatz der Zusatz: "Das gilt nicht für Alkoholiker."
Das Modell Mallorca: Vom Alkohol loskommen in mediterraner Atmosphäre
Rolf-Dieter Bollmann leitet ein Genesungszentrum auf Mallorca für Menschen mit Burnout, Traumata, Depressionen und Alkoholabhängigkeit. Hier hat Artikel eins des Grundgesetzes noch Prioriät. Es ist nicht von Patienten, sondern von Gästen die Rede. Alkoholkranke sind willkommen und haben die Chance, ein völlig neues Leben zu beginnen und dauerhafte Nüchternheit zu erreichen. Den Begriff "Nüchternheit" definiert Bollmann so: Friedvoll, freudvoll und behaglich mit sich selbst leben zu können. Rolf-Dieter Bollmann und sein Team, bestehend aus erfahrenen Therapeuten und Ärzten, setzen von Anfang an auf Eigenmotivation und Eigenverantwortlichkeit der an Alkoholismus Erkrankten.
Rolf-Dieter Bollmann ist trockener Alkoholiker
Der ehemalige Manager eines großen US-Unternehmens ist selbst betroffen und seit zwanzig Jahren trockener Alkoholiker. Wahrscheinlich ist es genau diesem Umstand zu verdanken, dass die vergleichsweise niedrige Rückfallquote nach einer Alkoholtherapie auf der Finca de la Esperanza höchstens 20 Prozent ausmacht, während die Rückfallquote normalerweise bei 80 bis 90 Prozent liegt. Bollmann kritisiert die in Deutschland zum Teil immer noch herrschenden unverantwortlichen und oft menschenverachtenden Zustände im Umgang mit Alkoholkranken. Für sein Engagement wurde er von Altbundespräsident Dr.h.c. Johannes Rau geehrt.
Alkoholabhängigkeit geht alle an
Die Alkoholkrankheit kennt keine Grenzen und kann jeden treffen, nicht nur den klassischen "Penner", wie es die Gesellschaft so gern hätte. Ärzte, Professoren, Politiker, Piloten, Künstler, Oscarpreisträger und Führungskräfte sind mindestens genau so häufig betroffen wie Arbeits- oder Obdachlose. Alkoholismus macht keinen Unterschied und zieht sich durch alle Schichten. Ein großer Teil der Alkoholabhängigen sind eben keine "Penner". Den Weg aus der Krankheit ohne Hilfe zu finden, schafft kaum ein Betroffener und allein mit Entgiftungsbehandlungen ist es in der Regel nicht getan. Aber auch eine mehrwöchige Alkoholtherapie oder Entwöhnungsbehandlung kann letztendlich nur Erfolg versprechen, wenn der Betroffene den festen Willen und den aufrichtigen Wunsch mitbringt, sich von seiner Sucht endgültig zu verabschieden.
Realitätsnahes Genesungszentrum statt Käseglocke
In Kliniken oder entsprechenden Abteilungen der Krankenhäuser befindet sich der Alkoholkranke zwar zunächst einmal auf der sicheren Seite, ist vor seiner Sucht durch Abschottung und Isolation von der Außenwelt weitgehend geschützt, erlebt dadurch aber gleichzeitig den sogenannten "Käseglockeneffekt". Mit einem Klinikaufenthalt verbunden ist meistens eine doch eher eingeschränkte Lebensrealität.. Wird der Patient nach der Entlassung mit dem Realitätsschock konfrontiert und damit nicht fertig, scheint der Rückfall schon vorprogrammiert. Das Genesungszentrum Finca de la Esperanza auf Mallorca arbeitet deshalb bewusst nur in ganz kleinen Gruppen und setzt von Anfang an auf Realitätsnähe und Eigenverantwortlichkeit der Erkrankten. Das Modell macht Hoffnung, denn die Erfolgsquote spricht für sich.
Alkoholtherapie im Urlaub als Alternative für Berufstätige und Familien
Die Möglichkeit einer intensiven Kurzzeittherapie auf der Lieblingsinsel der Deutschen nutzen immer mehr Menschen, die im Berufsleben ihren Mann/ihre Frau stehen müssen, denn für die Therapie lässt sich gut der Jahresurlaub nutzen. Auf diese Weise können lange Krankschreibungen vermieden werden und der Arbeitsplatz wird nicht gefährdet. Auch Familien mit einem alkoholkranken Angehörigen werden nicht allein gelassen. Partner werden in die Therapie einbezogen und das Kinderprogramm auf der "Finca Esperanzini" kann sich ebenfalls sehen lassen. In Deutschland sind es rund 2,6 Millionen Kinder, die unter der Suchterkrankung ihrer Eltern zu leiden haben, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher. Diesen Kindern wird in spielerischer, kindgerechter und dem jeweiligen Alter entsprechenden Art und Weise vermittelt, dass Vater oder Mutter oder alle beide keine schlechten Eltern, sondern kranke Eltern sind.
Quellen und Links zum Thema:
- Alkoholtherapie.net
- Finca de la Esperanza, Mallorca
- Alkohol bei Jugendlichen - Komasäufer im Trend
- Alltagsdroge Alkohol - Der gefährliche Weg in die Abhängigkeit
- Bildnachweis: iStockphoto.com/ejwhite
