Alkoholismus - Anzeichen für Missbrauch und Sucht erkennen

Alkohol - Freund oder Feind - Peter Kirchhoff
Alkohol - Freund oder Feind - Peter Kirchhoff
Der Übergang vom regelmäßigen Genusstrinken zum Alkoholismus ist fließend. Es gibt jedoch eindeutige Anzeichen, die auf Missbrauch oder eine Sucht hindeuten

Nicht jeder, der gerne mal ein Feierabendbier, regelmäßig ein Glas Wein oder gelegentlich "einen über den Durst" trinkt, hat ein Alkoholproblem. Wenn Sie jedoch angesichts der Trinkgewohnheiten Ihres Partners oder Angehörigen - oder Ihres eigenen Umgangs mit Alkohol - zunehmend ein ungutes Gefühl beschleicht, sollten Sie auf bestimmte Warnsignale achten. Diese können ein Hinweis dafür sein, dass der Alkoholkonsum nicht mehr unter Kontrolle ist und eine (beginnende) Abhängigkeit vorliegt.

Alkoholismus und Alkohol im Übermaß - Missbrauch oder schon Sucht?

Bei einem Missbrauch besteht zwar (noch) keine körperliche oder psychische Abhängigkeit, der Betroffene nimmt jedoch durch sein Trinkverhalten wissentlich in Kauf, dass dadurch ein soziales, berufliches, psychisches oder gesundheitliches Problem auftritt oder sich verstärkt. Deutlicher Hinweis, dass bereits eine Sucht oder körperliche/psychische Abhängigkeit vorliegt: die Gedanken kreisen häufig bzw. ständig um die Beschaffung und den Konsum des Suchtmittels, bei Abstinenz treten Entzugserscheinungen auf.

Die Übergänge zwischen Missbrauch und Abhängigkeit sind fließend. Bei einigen bleibt es beim (gelegentlichen) Missbrauch, andere entwickeln mit der Zeit eine Alkoholabhängigkeit. Diese Entwicklung passiert schleichend und geschieht nie von jetzt auf gleich. Ob jemand tatsächlich eine Sucht entwickelt, ist übrigens unabhängig von der Menge des Alkohols, die er konsumiert.

Alkoholproblem wird oft erst spät entdeckt

In Deutschland zeigt etwa jeder 7. Deutsche ein riskantes Trinkverhalten und nicht immer kann man Alkoholiker auf den ersten Blick als solche "erkennen". Viele schaffen es lange Zeit, trotz ihrer Krankheit im Alltag zu funktionieren und ihre beruflichen und familiären Pflichten zu erfüllen. Im Anfangsstadium ist Alkoholmissbrauch oft schwer zu erkennen. Doch über kurz oder lang fordert exzessives Trinken seinen Tribut. Dass ein Alkoholproblem oft lange unerkannt bleibt, liegt auch am sozialen Umfeld - oft leiden die Partner des Süchtigen unter Co-Abhängigkeit.

Alkoholismus- die wichtigsten Anzeichen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Reihe von Kriterien definiert, von denen mindestens drei oder mehr erfüllt sein müssen, damit man von einer Alkoholabhängigkeit spricht.

  • Toleranz - es werden immer größere Mengen an Alkohol benötigt, um die gleiche Wirkung zu verspüren
  • Psychische Abhängigkeit/ starkes Verlangen nach Alkohol
  • Entzugserscheinungen wie Zittern (Tremor), Kopfschmerzen, Unruhe, Schwitzen, Schlafstörungen, Depressionen, etc. bei Verzicht auf Alkohol
  • Konsum von Alkohol lindert oder beendet Entzugssymptome
  • Erfolglose Versuche, den Alkoholkonsum zu kontrollieren oder einzustellen
  • Der Betroffene vernachlässigt sich und sein Umfeld (Arbeit, Familie, Hobbys)
  • Schuldgefühle beim Trinken von Alkohol

Alkoholikertypologie nach Jellinek

1960 stellte der amerikanische Sozialwissenschaftler E. M. Jellinek in seinem Buch "The Disease Concept of Alcoholism" eine Typologie verschiedener Trinktypen vor, die sich als gebräuchlichste Klassifizierung in der Medizin durchgesetzt hat.

  • Alpha-Trinker (Erleichterungstrinker) trinken, um seelische Spannungen abzubauen. Sie sind körperlich nicht abhängig und es kommt zu keinem Kontrollverlust. Dennoch kann das Trinkverhalten zu Gesundheitsschäden führen.

  • Beta-Trinker (Gelegenheitstrinker) konsumieren Alkohol hauptsächlich zu sozialen und gesellschaftlichen Anlässen, zum Beispiel auf Feiern, mit Kollegen, am Wochenende etc. Sie sind nicht abhängig, können aber durch einen "alkoholnahen Lebensstil" dennoch suchtgefährdet sein.

  • Gamma-Trinker (Suchttrinker) sind alkoholabhängig. Sie haben die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum verloren und können nach dem ersten Glas nicht aufhören. Zwischendurch kann es allerdings zu alkoholfreien Phasen kommen.

  • Delta-Trinker (Spiegeltrinker) sind alkoholabhängig und müssen einen konstanten Akoholpegel im Blut aufrechterhalten, um keine Entzugserscheinungen zu bekommen.

  • Epsilon-Trinker (Quartalssäufer) sind alkoholabhängig. Abstinente Phasen wechseln sich regelmäßig mit Trinkexzessen ab, in denen sie die Kontrolle verlieren. Zwischen diesen Phasen haben sie kein Bedürfnis nach Alkohol, sind aber dennoch als alkoholkrank einzustufen.

Wer ist besonders suchtgefährdet?

Einige Menschen haben ein höheres Risiko, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln als andere. Folgende Risikogruppen sind besonders gefährdet:

  • Impulsive Persönlichkeiten (fangen oft bereits mit zwölf oder 13 an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren und neigt zum "Komasaufen")
  • Erbliches Risiko (Untersuchungen sprechen dafür, dass alkoholgefährdete Menschen Alkohol anders verarbeiten als Nichtalkoholiker und weniger leicht betrunken werden)
  • Kinder von Alkoholikern

Bildnachweise: © Peter Kirchhoff/ Pixelio.de, © Rike/ Pixelio.de, © Ingo Anstötz/ Pixelio.de, © Tim Reckmann/ Pixelio.de, © one-Foto/ Pixelio.de

Claudia Schöll, Claudia Schöll

Claudia Schöll - * Magisterstudium der Neueren Deutschen Literatur und Nordamerikanistik (FU Berlin)

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