Alkoholismus: Gibt es bald ein Medikament dagegen?

Trocken bleiben nach Entzug? - Katharina Ruppert
Trocken bleiben nach Entzug? - Katharina Ruppert
Einem Ex-Alkoholiker fällt es selbst bei bestem Willen meist sehr schwer, langfristig die Finger von Alkohol zu lassen. Ein Impfstoff soll helfen.

Alkoholentzug ist eine schwierige Sache. Zwar dauert der körperliche Entzug nur einige Tage, doch die psychischen Folgen sind wochen- bis monatelang bemerkbar. Und letztendlich muss sich ein Ex-Alkoholiker der Herausforderung stellen, in einer reichlich Alkohol konsumierenden Gesellschaft lebenslang trocken zu bleiben. Um den Willigen etwas unter die Arme zu greifen, wird aktuell an einer medikamentösen Therapie gearbeitet.

Schwierigkeiten beim Alkoholentzug

Alkoholiker erwarten, dass sie sich besser fühlen, wenn sie aufhören zu trinken. Bei vielen trifft dies jedoch nicht zu. Eine Studie über zehn Jahre [1] ergab, dass viele der folgenden Symptome noch jahrelang nach dem Entzug bestehen können:

  • Depression
  • Angstzustände
  • Gefühle von Feindseligkeit
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Paranoia
  • Psychosen

Weitere Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass viele jener Substanzen, die im Gehirn für die Erzeugung von Emotionen zuständig sind (Aminosäuren, Enzyme, essentielle Fettsäuren und Neurotransmitter), bei (Ex-)Alkoholikern vermindert vorhanden oder nicht funktionstüchtig sind. Daher ist eine gute medizinische Betreuung - idealerweise mit biochemischer Einstellung - für einen Entzug sehr wichtig. [2] In Anbetracht all dieser Erschwernisse erscheint es jedenfalls wenig verwunderlich, dass viele ehemalige Alkoholiker wieder zu trinken beginnen.

Impfung gegen Alkoholsucht wird entwickelt

In einem chilenischen Privatlabor arbeiten Juan Asenjo und sein Team an einem Impfstoff, der den Patienten die Lust auf Alkohol verdirbt. Die Idee dahinter: 20 Prozent aller Asiaten leiden an einem Enzymmangel. Die Aldehyd-Dehydrogenase ist für den Alkohol-Abbau im Körper zuständig. Wenn dieses Enzym nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, entstehen sogar bei geringem Alkohol-Konsum unangenehme Vergiftungs-Erscheinungen: allgemeines Unwohlsein, Übelkeit, und Tachykardie (schneller Herzschlag). Jene Asiaten, die von dem Enzymmangel betroffen sind, meiden daher alkoholische Getränke. Der Impfstoff soll analoge Wirkungen erzielen und durch diese negativen Erfahrungen die Lust auf Alkohol abstellen. Wenn auf Alkoholkonsum nicht mehr Hochgefühl und/oder Schmerzlinderung folgen, sondern das Gegenteil, werden Körper und Psyche auf Alkohol-Abstinenz konditioniert.

Erste Tests des Anti-Alkoholiker-Impfstoffes sind viel versprechend

Im Labor wurden erste Untersuchungen an alkoholabhängigen Ratten durchgeführt. Die Verabreichung des Impfstoffes führte zu einer Halbierung des Alkohol-Konsums bei den Nagern. Das angestrebte Ziel ist eine Reduktion um 90 bis 95 Prozent bei Menschen. Im Jahr 2011 sollen noch umfangreiche Tier-Studien zu Dosierung und Wirkung durchgeführt werden, ehe im Jahr 2012 mit Untersuchungen an Menschen begonnen wird. Der Wissenschafter Juan Asenjo beschäftigt sich sehr intensiv mit den biochemischen Faktoren des Alkoholismus. Er denkt, dass durch diesen neuen Impfstoff möglicherweise in den nächsten Jahren der langfristige Alkoholentzug auf eine bessere Erfolgsquote gebracht werden kann.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quellen:

[1] DeSoto, C., et al. (1985). Alcoholics at various stages of symptomology in abstinence. Alcoholism, Clinical and Experimental Research, 9, 505-512.

[2] Larson, J. M., & Parker, R. (1987). Alcoholism treatment with biochemical restoration as a major component. International Journal of Biosocial Research, 9 (1), 92-106.

[3] Chilenean scientists seek alcoholism vaccine

Karu, Katharina Ruppert

Karu Lami - Ich bin Ernährungswissenschafterin, Sozialarbeiterin, Katzen- Besitzerin, Heimwerkerin, Fotografin, Camperin, Botanikerin, Shubunkin- ...

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