
- Alkohol, bis der Arzt kommt... - Gerd Altmann/Pixelio
Alljährlich zum Jahresende veröffentlicht das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die Statistik über Alkoholmissbrauch und daraufhin notwendig werdende Einweisungen in Krankenhäuser und sonstige Suchteinrichtungen. Nach den jüngsten Zahlen sind bei Jugendlichen zwischen zehn und 15 Jahren die Einlieferungen in Krankenhäuser um 5,5 Prozent zurückgegangen, dafür aber die Zahlen bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen um 2,9 Prozent und bei den Erwachsenen um 0,8 Prozent gestiegen. Das Pilotprojekt „Alkoholchecker“ bei Kindern sollte weiter verfolgt werden.
1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig
Dazu bemerkte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, dass es ein grundlegendes gesellschaftliches Problem mit dem Alkoholmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland gebe. Hinzu komme, dass dieser Missbrauch wegen der vielfältigen Folgeprobleme psychischer und somatischer Art äußerst riskant sei. In dieser gesundheitlich riskanten Form konsumieren zur Zeit zehn Millionen Deutsche Alkohol, so Dyckmans weiter. Davon sind 1,3 Millionen Menschen abhängig. An den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums ohne Beachtung der Folgeschäden sterben jährlich 73.000 Menschen.
Körperliche Folgen von Alkoholmissbrauch
Das Blut transportiert den Alkohol in alle Zellen des menschlichen Körpers, sodass im ganzen Körper auch Zellschädigungen auftreten können. Die Schäden bei den Organen können Veränderungen an der Leber wie Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose, an der Bauchspeicheldrüse hervorrufen oder den Herzmuskel erweitern. Darüber hinaus können über kurz oder lang – je nach Konstitution des Individuums – das Nervensystem und die Muskulatur geschädigt werden. Jüngste Forschungen zu Langzeitschäden durch Alkoholmissbrauch haben ein erhöhtes Krebsrisiko für den Mund, den Rachen und die Speiseröhre und bei Frauen für die Brust nachweisen können.
Psychische Folgen von Alkoholmissbrauch
Wenn über viele Jahre oder Jahrzehnte ein übermäßiger Alkoholkonsum stattgefunden hat, kann es zu vielfältigen psychischen Störungen kommen. Das kann sich in oft schwankenden Stimmungen, Phobien und Depressionen bis hin zur Suizidgefährdung ausdrücken.
Soziale Folgen
Ein regelmäßig erhöhter Alkoholkonsum hat meistens auch erhebliche soziale Folgen. Das gesamte soziale Umfeld kann sich verändern, weil Freunde die Stimmungsschwankungen nicht mehr mitmachen oder der Betroffene sich wegen seiner Abhängigkeit weit zurückzieht oder die Ehe oder Beziehung zerbricht. Auch ist der Arbeitsplatz höchst gefährdet oder geht sogar verloren und mögliche Aufstiegschancen sind vertan. Die besonders Leidtragenden sind bei einer Alkoholabhängigkeit meistens die Kinder.
Die Alkoholkrankheit erkennen
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) formuliert sechs Punkte (Quelle und Zitat: DHS). Wenn zwei, höchstens drei Punkte erfüllt sind, sollte gehandelt werden, weil vermutlich eine Alkoholkrankheit vorliegt. Wichtig ist, dass der Betroffene handelt und von sich aus Schritte unternimmt. Fehlt die Einsicht, trinkt er trotz vieler Hinweise von außen weiter. Dem Thema Alkoholkrankheit hatte Sandra Maischberger am 5. April 2011 eine ganze Sendung gewidmet.
- "Es besteht ein immer stärkeres Bedürfnis, Alkohol zu sich zu nehmen; zuerst in Gesellschaft, in einem späteren Stadium je nach Charakter des Betroffenen in Gesellschaft, allein oder auch heimlich.
- Anfang, Ende und Menge des Alkoholkonsums wird weniger wahrgenommen, weil der innere Lebensrhythmus auf dessen Verzehr abgestimmt ist..
- Der Körper sagt, er brauche jetzt den Alkohol: er lechzt nach Alkohol und wird unruhig. Manchmal zeigen das auch „zittrige Hände“.
- Um die gleiche Alkoholwirkung zu erzeugen, werden größere Mengen erforderlich, weil der Körper durch ständige Gewöhnung "trinkfester" geworden ist. Gleichzeitig steigt der Promille-Gehalt der Getränke (von Bier und Alkopops über Wein zu Spirituosen wie Wodka)
- Der Alkohol rutscht immer mehr ins Zentrum des täglichen Lebens: Andere Vergnügungen oder Interessen werden zunehmend für unwichtig erachtet und vernachlässigt. Der Unternehmungsgeist für andere Dinge erlahmt.
- Der Alkoholkonsum wird trotz nachweisbarer eindeutiger schädlicher Folgen körperlicher, sozialer oder psychischer Art fortgesetzt."
Quellen: Deutsches Ärzteblatt, Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Focus online, Suchtbericht 2010, Suchtbericht 2011
