Selbstverständlich ist mit fortgeschrittener Lebenserfahrung meist auch der Zustand erreicht, in dem man zu denken beginnt, man wäre durchaus allen Situationen gewachsen, die das Leben so mit sich bringt. Man ist sich mehr oder weniger im Klaren darüber, wie man gestrickt ist, in welchen Mustern man arbeitet, hat das ein oder andere durchschaut, hinter sich gelassen. Doch plötzlich steht man wieder vor einer unlösbar scheinenden, irgendwie schon einmal erlebten Situation.
Die Ursache für diese vermeintlichen Gemeinheiten des Schicksals klingt so einfach und lässt das Ganze dadurch noch gemeiner wirken: eine Blockade, eine Sabotagehandlung des eigenen Systems. So zumindest formulieren es die Kinesiologen unserer Zeit, und sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, eben diese zu lösen und aufzuheben.
Doch wie funktioniert die Kinesiologie?
Basis für den Ansatz der Kinesiologie bietet die Tatsache, dass Körper und Geist eine Einheit bilden, die sich stets zu vervollkommnen sucht. Etwaige Mängel, die den Menschen immer wieder an ähnliche Problematiken heranführen, dienen zu nichts anderem, als aus alten Denk- und Verhaltensmustern auszubrechen und die Änderung bestimmter Lebensumstände oder Denkweisen nach sich zu ziehen. Alles meist halb so wild und alles oft durch wenige Behandlungen lösbar, so heißt es hier. Begonnen hat die Kinesiologie vor circa 40 Jahren in Amerika, Vater des Gedanken der Arzt und Chiropraktiker „Dr. Goodheart“, Nomen est Omen. Goodheart und seine Kollegen entdeckten, wie schwache, "abgeschaltete" Muskeln durch Reflexpunkte wieder gestärkt werden können, was einen derart großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Testpersonen zeigte, dass weitere Forschungen folgten. So konnte fest gestellt werden, welche Muskeln mit welchen Energiebahnen der chinesischen Medizin, den Meridianen, in Beziehung stehen und welche emotionalen Veränderungen dahinter stecken. Verschiedenste Korrekturmöglichkeiten dieser Ungleichgewichte wurden offensichtlich und konnten mit Erfolg angewendet werden.
Vom Muskeltest zur angewandten Kinesiologie
Dieser so genannte „Muskeltest“, das Handwerkszeug der Kinesiologie, ein körpereigenes Rückmeldesystem, um die Dinge anzuzeigen, die uns Stress verursachen, ist jedoch gar nicht so neu und unglaublich, denn wie sich zeigt, wurde schon in alten Kulturen der Indianer und Ägypter der Muskeltest verwendet, um Wasser und Nahrungsmittel auf deren Verträglichkeit zu prüfen. Die heutige Form der Kinesiologie geht hier nur um ein vielfaches an Schritten weiter: ausgetestet werden unverträgliche Situationen, Lebensumstände, Verhaltensmuster und deren Lösungsmöglichkeiten.
„Angewandte Kinesiologie“ heißt die Lehre der Bewegung im Bezug zum täglichen Leben und sie sagt: ist der Mensch körperlich, geistig und seelisch in Balance, fühlt er sich wohl und ist gesund. Ist nur ein Bereich davon im Ungleichgewicht, sind alle anderen Ebenen gleichsam mit betroffen. Gleichgewicht unterstützen oder wieder herstellen heißt somit das angesagte Ziel der angewandten Kinesiologie. Im Spitzensport ist sie nicht mehr weg zu denken und auch große Unternehmen dieser Welt setzen immer mehr auf kinesiologisches Coaching. Elke Bauer sprach für Suite 101 mit Klaus Wienert, dem 1. Vorsitzenden des Berufsverbandes der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie, Heilpraktiker und Leiter des Licht-Gesundheit-Energie-Zentrums in Gräfelfing bei München.
Suite 101: „Wie schnell wirkt eine kinesiologische Behandlung?“
Klaus Wienert: „Die Schnelligkeit des Erfolges ist individuell verschieden. Der eine hat viel aufzuarbeiten, der andere nicht. Aber in allen Fällen kommt man anhand des Muskeltests doch schnell auf den Punkt. Die Kinesiologie ist deshalb durchaus ein Verfahren der neuen Zeit. Man hat keine Zeit, fünf Jahre lang eine Therapie zu besuchen, um irgendwann erste Ergebnisse zu spüren. Die Kinesiologie arbeitet lösungsorientiert und trotzdem bleiben oder kommen die Menschen in ihre Verantwortung.“
Suite 101: „Und wenn man nicht an die Wirkung der Kinesiologie glaubt?“
Klaus Wienert: „Man muss nicht daran glauben, dass Kinesiologie funktioniert, aber man sollte offen sein für Neues und vor allem für sich selbst und die unglaublichen Potenziale, die jeder Mensch mit sich bringt. Der Körper verfügt über einen genetisch bedingten, sagen wir ruhig „Gott gegebenen“ Selbstheilungsreflex, das bedeutet, das System heilt sich in jeder Sekunde selbst. Wenn man sich in den Finger schneidet, muss man nicht erst überlegen, wie es jetzt heilen könnte, es heilt von selbst. Der Körper, die Emotionen, leisten immer das Bestmögliche. Wenn jedoch immer mehr Blockaden entstehen, immer mehr Stress dadurch, funktioniert diese Selbstheilung nicht mehr einwandfrei, es kommt zu Symptomen. Erst indem man diese Blockaden wieder löst, kann der Körper sich wieder selbst in die Balance bringen.“
Suite 101: „Wie findet man einen guten Kinesiologen?“
Klaus Wienert: „Im Berufsverband der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie sind nur Kinesiologen mit einem bestimmten Ausbildungsstandard. Sie haben die Techniken ausreichend erlernt und intensive Ausbildungen genossen. Viele sind Heilpraktiker oder Ärzte, andere arbeiten als begleitende und coachende Kinesiologen. Durch ein persönliches Telefonat oder einen Blick auf die Website kann man für sich herausfinden, wer einem liegt. Sehr gut ist natürlich die persönliche Weiterempfehlung.“
Suite 101: „Und wenn sich nach einer Sitzung nun doch nichts verbessert?“
Klaus Wienert: „Natürlich gibt es Menschen, die nach einer Sitzung sagen, nein, es hat sich nichts bewegt. Aber deren Umfeld würde das Gegenteil davon behaupten, das Umfeld würde zugestehen: ja, es hat sich etwas geändert. Der Druck, weiter leiden zu wollen, ist manchmal nicht zu unterschätzen und eine gewisse Veränderungsbereitschaft dürfte schon wichtig sein.“
Suite 101: „Das bedeutet, es gilt den Kinesiologen nicht erst aufzusuchen, wenn es dem Menschen schlecht geht?“
Klaus Wienert: „Das Leben verändert. Vielen Menschen geht es ab einem ganz bestimmten Zeitpunkt, einem bestimmten Auslöser schlecht. Es tritt ein Unwohlsein auf, die Frage, was mach ich hier eigentlich. Aber man muss nicht warten, bis eine Krise einen aushebelt und das Leben in Frage stellt. Man kann auch präventiv oder an positiven Zielen arbeiten.“
Suite 101: „Können Blockaden auch verhindern, dass persönlicher Reichtum eintritt?"
Klaus Wienert: „Die Programme des Menschen entscheiden, wie der persönliche Fülle-Zustand aussieht. Geld, Finanzen und Fülle sind oft mit Stress und negativen Programmen belegt. Entweder Geld zu haben ist mit Stress verhaftet oder keines zu haben mit Angst. Hier kann die Kinesiologie Stress ablösen und durchaus produktivere Programme installieren. Erfolg bedeutet jedoch, mit sich eine möglichst gute Zeit in diesem, unserem Leben zu verbringen. Körperlich, emotional, geistig, finanziell, materiell und in Beziehung mit unseren Mitmenschen. Kinesiologisches Life-Business-Coaching kann sie dabei unterstützen, Lebenssituationen zu verändern und Ihren Zielen näher zu kommen.“
Suite 101: „Kann man anhand der Kinesiologie auch ganz banal Gesichtsfalten weg zaubern?“
Klaus Wienert: „Kinesiologie kann gar nicht zaubern. Wir arbeiten mit dem Nervensystem und dem Energiesystem des Menschen, um Stress aufzulösen, negative Programme und Sabotageprogramme umzuwandeln und konstruktivere, positivere Verhaltensweisen und Einstellungen zu integrieren. Natürlich können schon mal ein paar Falten verschwinden, wenn es einem besser geht.“
Suite 101: „Was sind denn die häufigsten Phänomene oder Symptome, weshalb Menschen einen Kinesiologen aufsuchen?“
Klaus Wienert: „Die Kinesiologie als Methode deckt sehr viele Lebensbereiche ab - je nachdem welche Schwerpunkte ein Kinesiologe aufweist. Es kommen Menschen, die in ihrem Leben etwas ändern wollen, andere haben verschiedenste Ängste, Stress oder andere emotionale Auslöser. Von Leistungssteigerung im Spitzen- und Breitensport, über Lernberatung für Kinder und Erwachsene, von diversen körperlichen Symptomen bis zum Business-Coaching. Es gibt auch viele Menschen , die ,einfach nur etwas Gutes für sich' tun möchten. Es kommen natürlich auch viele Menschen aus allen Lebensbereichen, die den Muskeltest und die Methode für sich oder ihre Arbeit lernen wollen.“
Suite 101: „Gibt es etwas, was Kinesiologie nicht kann?“
Klaus Wienert: „Ich glaube, es geht nicht unbedingt darum, was Kinesiologie kann oder nicht kann, sondern vielmehr darum, dass Kinesiologie Menschen darin unterstützt, die Dinge, die in ihnen angelegt sind, an die Oberfläche zu bringen. Manchmal geschehen kleine Wunder, bei denen auch ich mich frage - wie hat jetzt das funktioniert? Manchmal ist es ein längerer Weg.“
Suite 101: „Coaching in Unternehmen - heißt das gemeinsames Auflösen von Blockaden?“
Klaus Wienert: „Häufig arbeitet man mit Personen in leitenden Positionen im Unternehmenscoaching. Wenn Führungspersonen ihren Stress abbauen, hat das für alle Mitarbeiter und Beteiligten große Auswirkungen. Jedoch leite ich auch Team-Workshops zum Stressmanagement und Systemisch-Kinesiologische Organisations-Aufstellungen.“
Suite 101: „Was ist Ihr persönliches Ziel mit der Kinesiologie?“
Klaus Wienert: „Es scheint mir wichtig, dass die Menschen lernen, wie viel ihr Körper und Geist in der Lage ist zu vollbringen. Wir alle tragen ungeahnte Möglichkeiten, Ressourcen und Potentiale in uns. Diese zu erwecken und ins Leben zu bringen, ist eines meiner Hauptanliegen.“
