
- Alpakafohlen im Galopp - Sylvia K. Brehm
Seit 2007 gibt es den Alpaka-Park Waldhessen im kleinen Dörfchen Asmushausen bei Bebra in Nordosthessen, einer Region, die aufgrund ihres Klimas gern schelmisch als Hessisch Sibirien bezeichnet wird. Die Idee hier einen Alpaka-Park zu gründen, ist spontan entstanden, denn auf der Suche nach Schweinestall-Einrichtungen bei der Messe EuroTier im November 2006 stieß die Landwirtin Liane Ursprung-Hollstein, die den Park gemeinsam mit Ehemann Frank Hollstein führt, zufällig auf Alpakas und dann war alles, so resümiert sie , „eine Bauchentscheidung“.
Huacayas und Suris
Zurück von der EuroTier forschte sie im Internet und kam dadurch in Kontakt mit einem großen Alpakazuchtbetrieb in Ostfriesland. Verbunden mit einem Kurzurlaub an der Nordsee besuchte sie im Frühjahr 2007 mit Ehemann Frank und den Söhnen Niko und Sören den Züchter und die ganze Familie war von den Alpakas begeistert. Wieder zu Hause verloren sie keine Zeit und fingen direkt an, die Weideflächen alpakagerecht zu umzäunen. Schon im Juni hielten die ersten sechs Stuten der Alpaka-Art Huacaya Einzug, zwei davon mit Fohlen bei Fuß, die übrigen tragend. 2008 kam der Hengst Bodo dazu. Im Gegensatz zu den, mit ihrem glänzenden, seidenähnlichen Haarkleid noch etwas wertvolleren und wesentlich selteneren Suris haben die Huacayas ein einheitliches Vlies aus feiner Unterwolle mit geringem Anteil an sehr feinen Grannenhaaren. Einmal im Jahr werden die Alpakas geschoren, pro Tier fallen dabei etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Wolle an. Verarbeitet wird nur die Wolle der Decke, die an Beinen und Hals eignet sich nicht. Die Wolle ist sehr leicht, enthält kein Lanolin und ist daher auch für Allergiker geeignet. Verarbeitet wird sie in erster Linie zu Bettdecken, Kleidung und hochwertigen Mänteln.
Der Alpaka-Park Waldhessen
Der Alpaka-Park Waldhessen legt viel Wert auf hochwertige Zuchttiere und ist im Alpaka Zuchtverband Deutschland organisiert, der die zentralen Zuchteignungsprüfungen durchführt. Alle Tiere sind gechippt und DNA-registriert. Neben Züchtern zählen Tierparks und Therapeuten, die die Alpakas in tiergestützten Therapien für Senioren, hyperaktive Kinder oder Autisten einsetzen, zum potentiellen Käuferkreis und selbst bei Privatleuten mit großen Grundstücken finden die Alpakas als exklusive Alternative zu Schafen immer mehr Interesse. Zuweilen dienen sie sogar Pferden als Gesellschaftstiere. Je nach Zuchtkategorie, die sich wiederum aus dem Gewicht und Maßen der Tiere sowie der Faserqualität ihrer Wolle ableitet, kostet ein Huacaya-Alpaka durchschnittlich zwischen 2.000 und 6.000 Euro, Hengste noch etwas mehr.
Steckbrief der Alpakas
Alpakas gehören wie die Lamas zur Familie der Neuweltkameliden, damit zu den Paarhufern und hier zu den Schwielensohlern. Sie sind in Südamerika beheimatet und zählen zu den ältesten domestizierten Haus- und Nutztierarten der Welt. Im Gegensatz zu den größeren und schwereren Lamas sind sie jedoch keine Lastentiere sondern wurden ausschließlich als Faserlieferanten für die Herrscherfamilien gezüchtet. Alpakas haben ein Stockmaß von 80 bis 99 cm und wiegen 50 bis 90 Kilogramm. Ihre Lebenserwartung liegt zwischen 15 und 25 Jahren, die Tragzeit beträgt zwölf Monate. Alpakas sind Herdentiere und lieben den täglichen Auslauf auf der Weide. Sie genießen es, sich im Sand zu wälzen, zu toben, zu rennen und zu klettern.
Heimat der Alpakas
Die Heimat der Alpakas ist das regenarme Hochplateau der peruanischen, chilenischen und bolivianischen Anden und demzufolge mögen sie keinen Regen. Wenn es im Winter zu nass ist oder bei Dauerregen müssen die Alpakas in den Stall, denn vor allem wenn ihre Wolle sehr lang ist, nässt sie durch und trocknet nur schlecht. Trockene Kälte vertragen sie dagegen gut und fühlen sich durchaus auch im Schnee wohl. Wie alle Kameliden verspucken Alpakas, wenn ihnen etwas nicht passt, halbverdauten, übelriechenden Mageninhalt. Hauptsächlich aus Futterneid, bei Rangordnungskämpfen und anderen Auseinandersetzungen in der Herde oder wenn Stuten Hengste abwehren wollen, greifen sie zu dieser zielgerichteten Maßnahme. Menschen gegenüber sind sie diesbezüglich jedoch sehr zurückhaltend. Alpakas sind faszinierende Wesen, die sehr unterschiedlich mit Menschen umgehen und sehr sensibel beispielsweise auf kranke Menschen reagieren. Genau das macht sie so wertvoll in der tiergestützten Therapie. Aber sie können auch sehr stur sein und es kann durch aus vorkommen, dass sie sich, wenn sie keine Lust mehr haben, bei Spaziergängen einfach hinlegen und nicht mehr bewegen.
Alpaka-Park ist Anziehungspunkt für Touristen
Inzwischen hat sich der Alpaka-Park Waldhessen zu einem Anziehungspunkt für Touristen entwickelt. Besuchergruppen erhalten eine informative Führung durch den Park und haben die Möglichkeit Alpaka-Produkte zu erwerben oder mit den Alpakas spazieren zu gehen.
