
- Veränderungsbereitschaft bei Azubis - Stefan Dassler
Auszubildender A: „Ich bin zurzeit jede Woche in einer anderen Abteilung mit entsprechenden Veränderungen – neue Aufgaben, neue Kollegen.“ Auszubildender B: „Die positive Seite daran ist, dass man flexibel und beweglich durch das Neue wird.“ Auszubildender C: „Die Schattenseite ist aber, dass man sich immer wieder erst neu einarbeiten, seinen Tagesrhythmus umstellen und sich an neue Kollegen gewöhnen muss.“
Was heißt Veränderungsbereitschaft?
Veränderungsbereitschaft bedeutet, für Veränderungen im Tagesablauf, in der Selbstorganisation, im Aufgabengebiet und im Umfeld der Kollegen offen zu sein. Jede Veränderung hat positive und negative Aspekte. Wenn man selbst etwas an einer Situation verändern möchte, so empfiehlt sich folgende persönliche Veränderungsstrategie: „Ändere es – liebe es – gebe es ab.“
- Ändere es: Überlegen Sie sich, wie Sie die Problemsituation günstiger gestalten können – sie verändern können. Beispiel: Sie sollen jeden Morgen die Firmen-E-Mail Adresse nach neuen E-Mails checken und diese weiterleiten. Da Sie sich noch nicht so gut im Unternehmen auskennen, haben Sie auch schon Mails falsch weitergeleitet und die Kollegen haben sich beschwert. Die Problemsituation könnte verändert werden, indem Sie etwa eine Führung durch die Firma erhalten, einen ganz genauen Organisationsplan bekommen oder einige Tage mit einem erfahrenen Mitarbeiter gemeinsam die Mails bearbeiten.
- Liebe es: Wenn die Veränderungen möglich sind, wird man den Ablauf als angenehmer empfinden. Beispiel: Es wird fast keine Beschwerden von Kollegen mehr geben.
- Gebe es ab: Wenn sich das Problem nicht aus eigener Kraft durch Veränderungsvorschläge lösen lässt, überlegen Sie, ob Sie die Aufgabe auch abgeben können. Beispiel: Ihre Veränderungsanregungen werden nicht angenommen. Es kommen unverändert Beschwerden von Kollegen. Versuchen Sie dann die Aufgabe an einen Auszubildenden oder Kollegen weiterzugeben, der den Betrieb schon länger kennt.
Erste Trainingsaufgabe zur Veränderungsbereitschaft
Machen Sie sich Notizen zu folgenden Fragen und diskutieren Sie das mit Ihrem Ausbilder: In welchen Situationen in den letzten Wochen mussten Sie Veränderungsbereitschaft beweisen? Welche positiven Aspekte können Veränderungen im Betrieb haben? Welche negativen Aspekte können Veränderungen im Unternehmen haben?
Zweite Trainingsaufgabe zur Veränderungsbereitschaft
Notieren Sie Stichpunkte zu den folgenden Aufgaben:
- Beschreiben Sie Situationen, die Sie ändern wollen.
- Mögen Sie die in Zusammenhang mit den Situationen stehenden Aufgaben?
- Warum oder warum nicht?
- Wie sieht ein Kollege die Probleme?
- Welche Ideen haben Sie für konkrete Veränderungen?
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Suchen Sie sich kleine Aufgaben und Arbeitsaufträge, bei denen Sie bewusst neue Wege gehen, neue Arbeitsmittel verwenden oder neue Denkmuster und Denkweisen verfolgen müssen. Trainieren Sie Ihre Veränderungsbereitschaft.
- Im Privatleben kann man bewusst den Tagesablauf am Sonntag verändern und nicht alles wie sonst machen.
- Im Ausbildungs- und Berufsalltag kann man sich auch überlegen, wie man aus der gewohnten Art und Weise herauskommt. Man kann den Lern- und Arbeitsrhythmus, Arbeitstechniken und Arbeitsabläufe wechseln.
- In der modernen Arbeitswelt kommt es darauf an, eine Flexibilität im Denken zu trainieren. Man sollte neue Aufgaben und Arbeitsaufträge als Herausforderungen annehmen.
- Machen Sie sich auch über die möglichen Risiken bei Veränderungen Gedanken, aber lassen Sie sich davon nicht abhalten, eine neue Aufgabe zu beginnen.
- Holen Sie zu Veränderungen und Problemen auch Feedback beziehungsweise Rückmeldungen von anderen Auszubildenden und Kollegen ein. Hören Sie dem Kollegen dann gut zu. Unterbrechen Sie den Kollegen nicht und lassen Sie ihn alles genau erläutern. Fragen Sie nur nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Feedback von anderen ist ein regelrechtes Geschenk, keine eigene Bedrohung.
- Auch Ausbildungsbegleiter können Auszubildenden helfen, ihre Probleme zu lösen.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
