
- Als Azubi Kreativität trainieren - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „Überall hört man, dass man kreativ sein soll. Ist das denn wirklich so wichtig?“ Auszubildender B: „Es kommt wahrscheinlich auf das Aufgabengebiet an. In der Buchhaltung ist Kreativität weniger wichtig, aber dafür im Marketing und im Verkauf.“ Auszubildender C: „Etwa wenn man Werbeideen für ein neues Produkt sucht oder ein Schaufenster gestalten muss.“
Zum Begriff Kreativität
Kreativität ist die Befähigung zu schöpferischer Arbeit. Ein kreativer Mensch erfasst das Wesentliche von Personen (etwa Kunden) oder Objekten (neuen Produkten). Er stellt dabei neue und überraschende (kreative) Zusammenhänge und Beziehungen her und entwickelt neue und originelle Problemlösungen (etwa bei der Produktgestaltung oder der Schaufensterpräsentation). Dabei spielt die Intuition (ein nicht mit dem Willen steuerbares Erfassen von Dingen) eine große Rolle. Dies betonten auch viele bekannte Naturwissenschaftler, Entdecker und Erfinder.
Konvergente und divergente Denker
Der kreative Mensch denkt nicht nur konvergent (= logisch, analytisch, zielbezogen), sondern vor allem auch divergent (= spielerisch, fantasievoll, querfeldein, in Sprüngen). Grundsätzlich kann man zwei Denkertypen unterscheiden:
- den rationalen, konvergenten Denker: Er ist ein disziplinierter Planungsmensch. Bei ihm herrschen Vernunft und Fakten vor. Die linke Gehirnhälfte ist stärker aktiviert und entwickelt. Er denkt präzise, analytisch und argumentativ. Ungewöhnliches weist er eher ab oder verdrängt es.
- den emotionalen, divergenten Denker: Er ist ein fantasievoller Gedanken- und Ideenschöpfer und sucht permanent nach neuen Gesetzen, Regeln und Theorien. Es dominiert die rechte Gehirnhälfte, die für kreative Prozesse wichtig ist. Er denkt unkonventionell, spontan und vernetzt. Mit Neuem und Ungewöhnlichem spielt er und betrachtet es als Entdeckung und Abenteuer.
Was fördert kreative Prozesse? Ganz einfach: Alles, was entspannt, heiter stimmt, innerlich ruhig und gelassen macht. Man sollte seine innersten Gefühle bejahen, in seiner Mitte ruhen und eine positive Einstellung zu sich selbst, seinen Mitmenschen und zum Leben haben. Zudem helfen Kreativitätstechniken wie beispielsweise Brainstorming, Mind Maps und das Entwerfen von Bilder und Skizzen.
Test zur eigenen Kreativität
Beantworten Sie die folgenden Fragen mit „Ja“ oder „Nein“.
- Ist man neugierig auf die Welt und auf neue Dinge?
- Ist das eigene Denken und die eigene Lebensweise originell?
- Geht man spielerisch mit Problemen und Lösungen um?
- Sind komplexe Themen und Aufgabengebiete eine Herausforderung?
- Ist die eigene Fantasie lenhaft? Kann man divergent denken?
- Ist die eigene Wahrnehmung der Welt etwas besonderes?
- Kann man sich aus festgefahrenen Denkmustern und Verhalten lösen?
- Ist man positiv zu sich selbst, zu anderen und zur Welt eingestellt?
Der Test soll nur eine erste eigene Einschätzung ermöglichen. Umfangreichere und noch aussagekräftigere Tests müssten wissenschaftlich erarbeitet und ausgewertet werden.
Erste Trainingsaufgabe zur Kreativität
Sie sind Auszubildender bei einem Telekommunikationshersteller und befinden sich kurz vor Ihrer Abschlussprüfung. Ihr Ausbilder bittet Sie, sich Werbeideen für ein neues Handymodell zu überlegen.
a) Sammeln Sie gemeinsam mit anderen Auszubildenden Ideen mittels eines Brainstormings (Regeln für das Brainstorming finden Sie weiter unten in diesem Beitrag!).
b) Setzen Sie anschließend Prioritäten und filtern Sie aus der Ideensammlung die drei originellsten und erfolgversprechendsten Ideen heraus.
Zweite Trainingsaufgabe zur Kreativität
Ihr Ausbilder beauftragt Sie, die Neugestaltung des Schaufensters für Handymodelle zu übernehmen.
a) Entwerfen Sie ein Bild des Schaufensters mit originellen Gestaltungsideen.
b) Besprechen Sie das Bild mit anderen Auszubildenden und gegebenenfalls Ihrem Ausbilder und tauschen Sie sich darüber aus.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Folgende Regeln sind bei einem Brainstorming (Ideensammlung) zu beachten: Der Fantasie soll freier Lauf gelassen werden. Auch ausgefallene, unrealistische, außergewöhnliche Ideen sind berechtigt. Alle Beiträge sollten knapp formuliert und schriftlich festgehalten werden (etwa mit Farbkärtchen auf einer Pinnwand). Die Beiträge sollten zunächst noch nicht kritisiert und diskutiert werden. Es sollten Ideen anderer aufgegriffen und durch eigene Beiträge weiterentwickelt werden. Nach der Brainstorming-Phase können dann Prioritäten bei den Ideen gesetzt werden („Die besten drei Ideen/Lösungsvorschläge“). Zudem kann die Umsetzung der Ideen in einem genauen Zeitplan festgehalten werden.
- Lauern Sie immer und überall auf interessante Ideen und Lösungsvorschlägen. Einfälle sollte man sich immer gleich notieren.
- Stellen Sie auch mal Vorhandenes und Alt-Bewährtes auch mal in Frage und überlegen Sie, wie man es verbessern kann.
- Stellen Sie ruhig sich selbst die Sinnfrage: Was soll das Ganze? Was steckt dahinter? Wohin soll es führen?
- Denken Sie sich intensiv in verschiedene Personen und Dinge hinein. Wechseln Sie auch immer wieder Ihre gedankliche Perspektive. So entstehen kreative Ideen und Lösungsvorschläge.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
