
- Als Azubi mit Emotionen umgehen - Stefan Dassler
Auszubildender A: „Gestern habe ich mich sehr über einen uneinsichtigen Kunden geärgert.“ Auszubildender B: „Du musst versuchen, im Beruf die Gefühle auszublenden.“ Auszubildender C: „Vielleicht ist es wichtig sich die eigenen und fremden Gefühle bewusst zu machen und zu lernen, damit umzugehen.“
Erkenntnisse zum Thema Emotionen
Viele Menschen sind immer noch der Ansicht, dass Emotionen in der Ausbildung und im Beruf unpassend sind. Dies ist ein Irrglaube. Wer eigene und fremde Gefühle zulässt und konstruktiv einsetzt, kann sogar beruflich erfolgreicher und kreativer werden. Es sollten verschiedene irrtümliche Vorstellungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse korrigiert werden:
Irrtümliche Meinung: Emotionen sind „nicht rational“. Gedanken sind dagegen „rational“.
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Emotionen sind in der Regel kognitiv – also durch Gedanken – vermittelt.
Irrtümliche Meinung: Es gibt große Unterschiede zwischen Gedanken und Gefühlen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Wer seine Gedanken verändert, kann auch seine Gefühlswelt verändern.
Irrtümliche Meinung: Gefühle trüben die Fähigkeit zu urteilen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Gefühle sind unerlässlich und wichtig für das Urteilen.
Positive und negative Emotionen
Positive Emotionen (Glück, Freude) in der richtigen Stärke machen lebendig und wirken wohltuend. Negative und überstarke Emotionen (Wut, Ärger) dagegen sind schädlich. Der Körper steht unter Stress. Das Blut ist voller Stresshormone und der Blutzuckerspiegel ist über dem Normalbereich. Wichtige körperliche Aufgaben wie Verdauung und Immunabwehr kommen durcheinander.
Ein Emotionstagebuch als Hilfe
Wenn man lernen will, mit Emotionen umzugehen, so empfiehlt es sich über einen Zeitraum von vier Wochen ein Tagebuch der eigenen Emotionen zu führen. Man notiert möglichst jeden Tag, was in der Ausbildung und im Beruf beunruhigt, gefreut, geärgert und erstaunt hat und was man daraufhin getan hat.
Hilfreich ist es, dabei auch die folgenden Unterscheidungen zu treffen:
- Reize, die aus der beruflichen Umgebung kommen oder aus der eigenen Person kommen und Emotionen auslösen
- Nach außen gerichtete Emotionen: Zum einen aggressive Gefühle wie Wut und Zorn und zum anderen zerstörerische Emotionen wie Ärger, Neid, Eifersucht und Hass
- Nach innen gerichtete Emotionen: Beispielsweise Angst, Prüfungsangst, Niedergeschlagenheit, Sorge, Scham und Schuldgefühle.
Erste Trainingsaufgabe zur Emotionalen Intelligenz
1. Überlegen Sie, in welchen Situationen in den letzten Wochen Sie negative Emotionen wie Ärger oder Wut erlebt haben. Was waren die Auslöser? Welche negativen Emotionen haben Sie in welche Situation konkret erlebt?
2. In welchen Situationen im beruflichen Alltag haben Sie positive Emotionen (beispielsweise Freude, Glück) bei sich festgestellt? Was waren Auslöser?
Zweite Trainingsaufgabe zur Emotionalen Intelligenz
Bilden Sie mit anderen Auszubildenden Zweiergruppen. Üben Sie ein gefühlsbeladenes Reklamationsgespräch als Rollenspiel. Es soll in einem Computerladen spielen. Folgende Rolleninstruktionen sind vorgegeben:
Rolle Kunde: Sie sind verärgert und wütend, dass ein neues Laptop dauernd abstürzt. Sie brauchen das Gerät dringend beruflich.
Rolle Verkäufer/Auszubildender: Sie bleiben ruhig und entspannt gegenüber dem aufgebrachten Kunden. Sie gehen sachlich auf die Probleme ein, zeigen aber auch Verständnis für die Gefühlslage des Kunden.
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Machen Sie sich bewusst. Gefühle stören in der Regel nicht, sie motivieren.
- Wenn man seine Gefühle zulässt und damit umgeht, wird man lebendiger und auch so von anderen Menschen erlebt. Kontakte mit anderen werden leichter.
- Gefühle fördern, fokussieren und beschleunigen logische Denkweisen.
- Nutzen Sie das Bewusstmachen eigener und fremder Gefühle, um daraus zu lernen, wie man noch besser zwischenmenschlich miteinander umgehen kann.
- Gefühle fördern die eigene Kreativität und kreatives Problemlösen.
- Wenn man eigene Gefühle zeigen und zum Ausdruck bringen kann, hat man die Möglichkeit, eine Wirkung auf andere Menschen auszuüben – ohne seine fachlich oder hierarchisch begründete Autorität herausstellen zu müssen.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
