Als Azubi Texte wirksam lesen

Als Azubi Texte wirksam lesen - Stefan Dassler
Als Azubi Texte wirksam lesen - Stefan Dassler
In der Berufsausbildung ist es wichtig, längere und komplizierte Texte wirksam lesen zu können - es geht um die Schlüsselqualifikation Lernmethodik.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „Ich habe gestern das Handbuch für ein neues Computerprogramm durchgelesen und konnte mir nichts davon merken!“ Auszubildender B: „Hast du mit Textmarker und Randzeichen gearbeitet?“ Auszubildender C: „Kennst du die 5-Schritte-Methode für das wirksame Lesen von Texten?“

Allgemeine Lesetechniken

Wir nehmen etwa 80 Prozent unseres Wissens beruflich und privat über Texte auf. Wenn man Schwierigkeiten mit längeren, komplizierteren Texten (Fachbücher, Handbücher, Gesetzeswerke) hat, gibt es wirksame Techniken, die helfen können.

Die Lesegeschwindigkeit kann gezielt trainiert werden. Man liest eine Buchseite so rasch wie möglich, wenn man ganzheitlich mit einem Blick möglichst viel aufnimmt. Wenn man sich nur einen Überblick verschaffen möchte, kann man den Text auch quer lesen (= diagonales Lesen). Bei schwierigen Büchern sollte man jedoch Zeile für Zeile erfassen.

Grundsätzlich sollte man wichtige Schlüsselwörter oder Kerngedanken mit Textmarker kennzeichnen. Auch können Randzeichen im Text angebracht werden (beispielsweise W = wiederholen; E = Erklärung; R = (nach-) recherchieren; V = vergleichen; M = Musterbeispiel; F = Fazit). Legen Sie sich bei schwierigen Texten immer auch ein Lexikon zum Nachschlagen bereit.

Bei umfangreichen Texten ist es sinnvoll, sich mit eigenen Worten Zusammenfassungen handschriftlich oder auf dem PC zu erstellen. Um später diese Auszüge gezielt wieder zu finden, ist es nötig auf den Zusammenfassungen Schlagwörter zu vermerken.

Die 5-Schritte-Methode

Um längere Texte wirksam zu bearbeiten, bietet sich die 5-Schritte-Methode an:

1. Schritt: Überfliegen (diagonales Lesen)

2. Schritt: Gründlich lesen (Textmarker, Randzeichen verwenden)

3. Schritt: Schriftliche Zusammenfassungen

4. Schritt: Wiederholen (Text nochmals überfliegen)

5. Schritt: Aus dem Gedächtnis abrufen (Mind Map dazu erstellen).

Trainingsaufgabe zur Lesetechnik

1. Überfliegen Sie den nachfolgenden Textauszug durch schnelles Lesen. Verschaffen Sie sich einen Überblick.

2. Lesen Sie den Text konzentriert durch und verwenden Sie Textmarker und Randzeichen.

3. Notieren Sie sich mit eigenen Worten eine kurze Zusammenfassung handschriftlich oder auf dem PC.

4. Überfliegen Sie den Text nochmals und überlegen Sie, ob eventuell wichtige Aspekte in Ihrer Zusammenfassung fehlen.

5. Erstellen Sie abschließend ein Mind Map, ein Schaubild, eine Skizze oder eine Tabelle zu dem Text – aus dem Gedächtnis.

Textauszug:

Das Adjektiv „nachhaltig“ meint allgemein „sich lange auswirkend“ – etwa einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der deutsche Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wurde im 18. Jahrhundert von Hans Carl von Carlowitz geprägt. Es ging um die Idee, nur so viel Holz zu schlagen, wie nachwachsen kann. Nachhaltigkeit wird im modernen Begriffsverständnis als Übersetzung für den englischen Begriff „sustainable development“ (nachhaltige Entwicklung) verwendet.

Im Jahr 1987 wurde Nachhaltigkeit von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Leitung des früheren norwegischen Ministerpräsidenten folgendermaßen definiert: Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.

Die Vereinten Nationen (UN) haben sich im Jahr 1992 in Rio de Janeiro auf das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung verständigt und die Agenda 21 beschlossen. Das internationale Dokument „Agenda 21“ setzt zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Umweltprobleme auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Die Meinungen über das neue Leitbild sind bis heute vielfältig und bleiben vermutlich umstritten. Sinnvoll ist es, das Leitbild als eine regulative Idee zu verstehen, die wie ein Kompass in die richtige Richtung weist, ohne jedoch den Weg genau festlegen zu können.

Im Jahr 2002 beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Weltdekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (Education for sustainable Development – ESD) für die Jahre 2005 bis 2014 auszurufen. Die UNESCO wurde als „lead agency“ mit der Koordination der Weltdekade beauftragt. Aufgabe der Bildung für Nachhaltigkeit ist es, den Menschen die nötigen Kompetenzen und Einstellungen zu vermitteln, dass künftige Generationen eine lebenswerte Welt vorfinden.

(Quelle: S. Dassler: Nachhaltigkeit als Bestandteil der Berufsausbildung. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2006, S. 17.)

Nützliche Tipps zur Trainingsaufgabe

  • Bleiben Sie am besten jeden Tag mit dem Lesen in Übung. Erhöhen Sie die Geschwindigkeit beim Lesen, indem Sie möglichst viel bei einem Text auf einen Blick erfassen.
  • Kennzeichnen Sie wichtige Textstellen grundsätzlich mit Textmarker und Randzeichen. Sie finden das Wesentliche so schnell wieder und haben eine gute Orientierung im Text.
  • Fertigen Sie Textzusammenfassungen (eventuell kapitelweise) handschriftlich oder auf dem Computer an.
  • Legen Sie sich stets ein (mehrbändiges) Lexikon bereit, schlagen Sie unbekannte Begriffe nach und schreiben Sie sich die Definitionen und Erklärungen gesondert auf.
  • Notieren Sie sich auch wichtige Stichwörter und Schlüsselbegriffe aus dem Text und fügen Sie diese zum Schluss zu einer Übersicht zusammen. Dies kann in Form eines Mind Maps, einer Tabelle, eines Schaubildes oder einer Skizze erfolgen.
  • Wenn Sie systematisch bei umfangreichen oder komplizierten Texten vorgehen möchten, bietet sich die 5-Schritte-Methode an.

Literaturhinweis:

Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsaufgaben. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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