
- Adler krallt Ringe 1936 - Foto:Schwehn
Die sich verstärkenden Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Spiele 2008 in China angesichts offensichtlicher, andauernder, gravierender Menschenrechtsverletzungen im „Reich der Mitte“ spalten Sportler, Fans, Sportfunktionäre und Politiker. In diesem Für und Wider richten sich im Vorfeld der Pekinger Spiele viele Blicke zurück auf Olympia 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin. Auf die Olympischen Spiele im nationalsozialistischen Deutschland, die zwischendurch auch latent von Boykott bedroht waren, der aber nicht realisiert wurde.
Das demokratische Deutschland wurde gewählt
Allerdings war vor 72 Jahren die Situation zunächst anders und auch komplizierter: Als nämlich im Jahr 1931 das offizielle Ergebnis der Abstimmung über die Vergabe der XI. Olympischen Spiele 1936 bekannt gegeben wurde (Deutschland setzte sich gegen Spanien durch), schien die Durchführung der Spiele nach den Grundsätzen der „Olympischen Idee“ für das Deutschland der Weimarer Republik noch möglich zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war schließlich ein demokratischer Rechtsstaat – wenn auch politisch inzwischen auf wackeligen Beinen – als Austragungsort auserwählt. Aber dann, 1933, kam Hitlers Machtergreifung, die zunehmende Verfolgung der Juden, Sozialdemokraten, Kommunisten, das Verbot der Parteien außer der NSDAP, der sich abzeichnende Weg in die Diktatur.
Deutschland versprach die Einhaltung der Regeln
Diese Entwicklung führte, ausgehend von den USA, zu ernsthaften Überlegungen, die Spiele zu boykottieren. Dieser Druck verstärkte sich, so dass der damalige IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour die Frage einer Verlegung der Olympischen Spiele auf die Tagesordnung der 32. Tagung des IOC 1933 in Wien setzte. Da aber die deutsche Reichsregierung – in den Anfängen ihrer Regentschaft auf außenpolitische Reputation streng bedacht – eilfertig schriftlich garantierte, die Regeln der „olympischen Idee“ einzuhalten, kam „die Jugend der Welt“ 1936 zu den Olympischen Winterspielen nach Garmisch-Partenkirchen und zu den Sommerspielen nach Berlin.
Mit Hitlergruß unter Hakenkreuzfahnen
Diese „Jugend der Welt“ zog unter Wäldern aus Hakenkreuzfahnen, teilweise, wie die französische Mannschaft, mit dem Hitlergruß, zur Eröffnungsfeier. Für die Nationalsozialisten war dies ein Triumph, ein propagandistisches Schauspiel ohnegleichen – gerade mal drei Jahre vor dem Überfall auf Polen und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Und die Welt merkte offenbar nichts, obwohl erste Drohungen latent waren: „Dunkle Wolken ziehen über Europa dahin. In banger Erwartung leben Millionen. Spannungen ungeheuerer Umwälzungen entladen ihre Kräfte. Aber wie eine Insel des Friedens schwimmt Deutschland in dem Meere der Nationen. Das deutsche Volk hat unter seinem Führer zu sich selbst zurückgefunden und schreitet fest und sicher durch den Strudel der Zeit“. So steht es im Vorwort des großen Bildbandes zu den Spielen 1936.
"Die deutschen Hymnen erklingen"
Die Nazis schafften für die Völker der Welt ein ungeheueres Szenario, spielten auf allen Klavieren, zogen alle Register: „Ein kleines Mädchen im himmelblauen Kleide überreicht dem Führer einen Blumenstrauß als Gruß der Jugend. Unter den Klängen des Huldigungsmarsches von Wagner steigt der Führer die Treppe zur Ehrentribüne empor. Auf seinem Platz angekommen, grüßt er sein Volk. Die deutschen Hymnen erklingen…“ So hörte es sich an in den Radio-Übertragungen.
Und zwei Jahre später kam Leni Riefenstahl
Die Propaganda – Joseph Goebbels war in seinem Element – setzte sich vehement fort. Zwei Jahre später, vor jetzt exakt 70 Jahren, 1938, präsentierte dann Leni Riefenstahl ihre beiden Olympiafilme: Stählerne Muskeln, makellose Leiber deutscher Menschen, das Schönheitsideal der Nazis wurde präsentiert und zelebriert. In einer Rede vor der nationalsozialistischen Jugendorganisation, der Hitler-Jugend, schwärmte Adolf Hitler: Die Riesenstahl bilde nationalsozialistische Körper ab, „schlank und rank, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wir Kruppstahl“.
1936 gab es während des damals nur durch Europa führenden Fackellaufs keine Demonstrationen. Und 1980 beteiligte sich China am Boykott der Olympischen Spiele in Moskau.
