Als Entwicklungshelfer in Lesotho

Wie ein Deutscher versucht, den Basotho zu helfen

Peter Lahann im Gespräch - Dennis Schmidt
Peter Lahann im Gespräch - Dennis Schmidt
Der Plan stand schon lange fest, nun hat er ihn umgesetzt: Der Deutsche Peter Lahann arbeitet als Entwicklungshelfer im Zwergenstaat Lesotho.

Sie freuen sich. Sie jubeln. Und dann kommen sie sofort ans Auto gerannt. Er hat es schwer, sich mit dem Packen Zeitungen unter dem Arm durch die Menge von aufgeregten Schülern zu kämpfen. Eigentlich spielt er ja nur den Postboten, weil in dieser Region die Post nur alle paar Wochen vorbeischaut. Aber in diesem Moment ist er für die unzähligen Mädchen und Jungen, die im Pulk um ihn herum stehen, und den strahlenden Direktor viel mehr. Peter Lahann ist es gewohnt. Inzwischen. Seit anderthalb Jahren lebt und arbeitet der ehemalige Journalist nun schon in Maseru, der kleinen Hauptstadt des Zwergenstaates Lesotho im südlichen Afrika. Als Entwicklungshelfer bei einer kirchlichen nichtstaatlichen Organisation. Glücksmomente wie diese, aber auch Frust und Improvisation sind da inklusive.

Jede Straße, jedes Haus atmtet in Lesotho den Widerspruch zwischen Tradition und Moderne, zwischen Resignation und Aufbruch. Vor den Schaufenstern der Hauptstadt, in denen neue Waschmaschinen oder Mobiltelefone angepriesen werden, sitzen die einheimischen Basotho, eingehüllt in die traditionellen, farbig gemusterten Decken. Dort verkaufen sie Kassetten, Zeitungen oder einzelne Zigaretten.

Besonders gerne an die Weißen, von denen nur rund 2.000 als Regierungsbeamte, Geschäftsleute, Missionare oder als Entwicklungshelfer wie Peter Lahann in dem Zwergenstaat leben. Für die Basotho bedeutet weiß sein, reich sein. Auch die Lahanns bekommen diese Denkweise immer wieder zu spüren, wenn sie um ein paar Maloti, die an den südafrikanischen Rand gekoppelte Landeswährung, angebettelt werden. „Klar, wir haben hier mehr Geld als die meisten Einheimischen. Aber wir können auch nicht jedem davon etwas abgeben", erklärt der gebürtige Lübecker.

Zumal das Leben in Lesotho erstaunlicherweise nicht unbedingt billiger ist als in Deutschland. Das Geld war es jedenfalls nicht, was ihn zusammen mit seiner Frau Dörte und den zwei Kindern Moritz und Marlene der Heimat den Rücken kehren ließ. „Da habe ich für eine bessere Wohnung weniger Miete bezahlt." Dennoch bereuen die Lahanns den 9.000 Kilometer langen Schritt nicht: „Für uns war es die beste Entscheidung."

Seine Frau und damalige Freundin Dörte hatte während ihrer Studentenzeit Südafrika bereits 1995 besucht, um in Pietermaritzburg Agrarwissenschaften zu studieren und auf einer Farm erste Erfahrung in der Entwicklungshilfe zu sammeln. Aus einem geplanten Kurzurlaub wurden zwei längere Besuche und schließlich der Wunsch, einige Zeit in Afrika zu leben.

Zurück in Deutschland kamen neue Probleme auf das Paar zu. Erst einmal Jobs suchen und finden. Der 36-Jaehrige fand als Stadionsprecher und freier Mitarbeiter bei den Lübecker Nachrichten den Einstieg in den Traumberuf Journalismus. Die Erinnerung an Afrika blieb. Der Plan, wieder zurück zu kehren, reifte schon ziemlich schnell in den beiden. „Eigentlich wollte Dörte ja einen Job in Afrika annehmen, ich wäre dann mitgekommen und hätte mich als freier Journalist durchgeschlagen und den Haushalt geschmissen", erinnert sich der Familienvater. Es kam anders.

Im Internet stießen sie auf eine Stellenanzeige des Evangelischen Entwicklungsdienstes: Entwicklungshelfer für Lesotho gesucht. „Die Anzeige war wie für mich gemacht", schwärmt der studierte Anglist.

Kurz hinter dem Wahrzeichen der Hauptstadt, dem Basotho Hat, arbeitet Lahann nun beim „Transformation Resource Centre" (TRC). Die überkonfessionelle Menschenrechtsorganisation will sich um die Belange der rund zwei Millionen Einwohner kümmern, die auf dem Weg des Landes in die globalisierte und umkämpfte Welt auf der Strecke bleiben könnten.

Dass Lahann sein Gehalt von einer betriebsfernen Stelle, also dem EED bekommt, macht ihn unabhängig in der Organisation. „Ich bin hier schon dafür bekannt, dass ich Dinge sehr offen anspreche", grinst er. „Insofern war es eine gute Entscheidung, einen Journalisten ins Boot zu holen."

Der Hauptsponsor kommt aus Deutschland, die Arbeitsweise aus Lesotho. „Wie manche Projekte hier manchmal geplant werden und dann trotzdem zustande kommen, ist wirklich erstaunlich", schmunzelt er. „Man muss hier wirklich ein Talent zur Improvisation haben."

Lahann ist für Training und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sein Kollege Pefole Katleho im „Work for Justice"-Büro für die gleichnamige Zeitschrift. Kritische Auseinandersetzung und Diskussion werden in Maseru wie im restlichen Land nicht besonders groß geschrieben. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift will das ändern, für Diskussion und Aufklärung bei Schülern und Lehrern sorgen. Sie ist kostenlos, kaum eine Schule könnte sich den Bezugspreis leisten. Zudem existiert ein funktionierendes Postsystem nicht. Also bringen er und die anderen zwölf Teammitglieder die selbst entworfene Zeitschrift mit dem Allrad-Auto persönlich in die Schulen, die alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 13 Jahren besuchen müssen, danach dürfen, aber nicht brauchen, und meistens nicht sollen. Solch einen Besuch hat Lahann jetzt wieder hinter sich gebracht. Er fährt heute mit der Gewissheit nach Hause, dass er der Schule zwar einen großen Dienst erwiesen hat. Er weiß aber auch, dass vor ihm und der Entwicklungshilfe in Lesotho noch ein weiter steiniger Weg liegt.

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