
- Erfurter Weihnachtsmarkt mit Riesenrad - Sigrid Stephenson
„Der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe.“ Anders ausgedrückt: Die eigenen Möglichkeiten weiß man oft weder zu schätzen noch zu nutzen. Das gilt oft auch für Einwohner interessanter Städte und lässt sich leicht ändern: Werden Sie Tourist in der eigenen Stadt. In einer Stadt wie Erfurt, in der das Mittelalter noch zu leben scheint, lohnt sich das ganz besonders.
Wie ein Tourist in bequemen Klamotten, mit Kamera und Proviant durch Erfurt
Planen Sie ein freies Wochenende ein für eine Stadtbesichtigung der Insider-Art. In bequemer Kleidung, mit Fotoapparat und Proviant machen Sie sich auf den Weg. Wenn Sie gern schreiben, vergessen Sie Ihr Notizbuch nicht. Versuchen Sie, die altbekannten Straßen mit den Augen eines Menschen zu sehen, der zum ersten Mal in Erfurt ist – im Frühling, wenn alles blüht, bei einer Kanu-Fahrt bei herrlichem Sommerwetter durch die Altstadt, im Herbst, um hoch auf der Festung einen selbst gebauten Drachen steigen zu lassen. Oder im Winter, wenn der Weihnachtsmarkt mit dem Riesenrad zu Füßen des Domes seine leuchtende Pracht entfaltet.
Vorbereitung: Erfurter Stadtplan kopieren und Besichtigungsroute eintragen
Bereiten Sie sich vor, als würden Sie tatsächlich in Urlaub fahren. Machen Sie eine DIN A 3 Kopie von den Sie interessierenden Bereichen des Erfurter Stadtplans. Vielleicht genügt zunächst die Altstadt. Setzen Sie sich als Familie oder als Paar zusammen und überlegen Sie gemeinsam, was Sie schon immer oder endlich wieder einmal sehen wollten. Als Single geben Sie sich „rücksichtslos“ Ihren Vorlieben hin. Oder bitten Sie Freund oder Freundin, Sie zu begleiten. Markieren Sie auf der Kopie mit einem dicken Edding alle Sehenswürdigkeiten, die Sie besuchen wollen. Zeigt es sich, dass die Strecken zwischen den einzelnen Stationen sehr lang sein werden, kaufen Sie sich ein Schönes-Wochenende-Ticket, mit dem bis zu fünf Personen alle Busse und Straßenbahnen nutzen können.
Fackelführung, Messe im Erfurter Dom, Klein Venedig malen im Andreas-Viertel
Fühlen Sie sich wie ein Tourist, der Zeit hat. Vielleicht nehmen Sie an einer Fackelführung durch die unterirdischen Minengänge der Citadelle Petersberg teil. Besuchen Sie eine Messe im Dom, auch wenn Sie nicht gläubig sind. Lauschen Sie mit geschlossenen Augen dem Klang der weltberühmten Glocke „Gloriosa“. Schlendern Sie durch Gassen, über Brücken und Plätze. Malen Sie im Schein der Abendsonne, ein Glas Rotwein neben sich, die Ansicht von „Klein Venedig“ im Andreas-Viertel. Gehen Sie über die nahe liegende Krämerbrücke und stöbern Sie dort in den Kunstläden. Steigen Sie auf einen der Kirchtürme und blicken Sie in aller Ruhe über die Dächer der Altstadt hinweg.
Wenn Ihnen die Lust zur Planung fehlt, melden Sie sich zu einer geführten Stadtbesichtigung an. Als Romantiker ziehen Sie in den Abendstunden mit dem Nachtwächter durch die Gassen. Hören Sie zu, wie staunende Urlauber sich gegenseitig auf Interessantes aufmerksam machen. Fotografieren Sie Details, die Ihnen bisher vielleicht noch gar nicht aufgefallen sind. Genießen Sie Ihre Stadt. Wahrscheinlich werden Sie sie plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.
