Als Komparse bei Kino und TV

Dreharbeiten einmal anders: selber eine kleine Rolle spielen.

Auf den roten Teppichen der Filmwelt - ob in Los Angeles, Cannes oder Berlin - stolzieren immer nur die Stars. Doch keine Film-Produktion kommt ohne Komparsen aus.

Im Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim: Richter, Staatsanwälte, Pflichtverteidiger, Besucher, Journalisten, Vollzugsbeamte. Es ist still. Man könnte die sprichwörtliche Stecknadel hören, die zu Boden fällt. Aber stattdessen: "Kamera läuft!", "Ton läuft!", "Und bitte!". Der Schauspieler, der den vorsitzenden Richter spielt, beginnt mit seinem Text. Drei Kameras nehmen aus unterschiedlichen Perspektiven die Szene auf. Moritz Bleibtreu mimt Andreas Baader und fällt seinem Schauspieler-Kollegen respektlos, aber drehbuchgerecht, in die Anklageverlesung. Ein Wort gibt das andere und Andreas Baader (alias Moritz Bleibbtreu) wird von zwei Komparsen, die Vollzugsbeamte darstellen, aus dem Saal geführt. Regisseur Uli Edel ist's zufrieden und beendet die Einstellung mit einem vernehmlichen "Danke!".

Komparsen haben die Funktion von beweglichen Kulissen

Bei Großproduktionen wie Der Baader-Meinhof-Komplex kommen besonders viele Komparsen zum Einsatz. Allein in der Gerichtsszene sind es rund 80. Ihre Aufgabe: Im Bildhintergrund für Leben zu sorgen. Komparsen haben die Funktion von beweglichen Kulissen. Sie halten sich zumeist im Bereich der Unschärfe auf oder werden nur angeschnitten aufgenommen. Und ein weiteres ist ihnen allen gemein: Komparsen sind stumm. Nur selten passiert es, dass einer von ihnen einen ganzen Satz sprechen darf.

Man taucht in eine Welt ein, die sich von der eigenen Routine unterscheidet

Ob großes Kino oder studentischer Kurzfilm: Teil einer Filmproduktion zu sein erscheint vielen Menschen als reizvoll. Auch dann, wenn die Gage recht bescheiden ist oder ganz wegfällt. Man seine eigenen Klamotten zur Kostümprobe mitbringen muss, Fahrtkosten nicht erstattet werden und die Drehzeit von Mitternacht bis fünf Uhr morgens angesetzt ist. Das Besondere: Man hat mit interessanten Menschen zu tun, wirkt kollektiv an einem kreativen Projekt mit, macht neue Bekanntschaften. Kurzum: Man taucht in eine Welt ein, die sich von der eigenen Routine mitunter erheblich unterscheidet. Dafür nimmt man gern so manche Mühsal in Kauf.

Als Komparse muss man über Zeit verfügen

Komparse kann ausnahmslos jeder werden. Ob Säugling oder 100jähriger. Einziges Kriterium: Man muss über Zeit verfügen und auch bei ungewöhnlichen Terminvorgaben verfügbar sein. Geradezu ideal ist die Komparserie für Freiberufler, Senioren und Menschen ohne Beschäftigung. In Berlin, Köln und München ist der Bedarf an Komparsen besonders groß. Aber auch in Hamburg, Frankfurt/a.M. oder Stuttgart wird permanent für Kino und Fernsehen gedreht. Auch Studenten von Filmhochschulen sind immer wieder auf der Suche nach Komparsen, um ihre Übungs- oder Diplomfilme entsprechend auszustatten. Obwohl diese No-Budget-Produktionen keine Gage offerieren, sind sie besonders reizvoll. Studenten-Filme erzählen erfrischend unkonventionelle Geschichten, oftmals weit weg von jenem Einerlei, was üblicherweise für's Fernsehen produziert wird.

Vorsicht vor schwarzen Schafen unter Casting-Agenturen

Im gesamten Bundesgebiet gibt es Casting-Agenturen, die Komparsen für Kino-, TV- und Werbefilmproduktionen vermitteln. Aber Vorsicht vor schwarzen Schafen. Diese erkennt man daran, dass sie große Versprechungen machen, Aufnahmegebühren verlangen und für mehrere hundert Euro Fotos anfertigen lassen wollen. Ganz anders seriöse Agenturen. Diese verlangen niemals Geld und lassen stattdessen auf eigene Rechnung Fotos – welche für die erfolgreiche Vermittlung unerlässlich sind – herstellen. Die Kosten werden später mit den ersten Gagen verrechnet.

Michael Lutz, Michael Lutz

Michael Lutz - Michael Lutz ist Jahrgang 1964 und arbeitet von Stuttgart aus. Nach diversen Hospitanzen als Foto-Journalist und Fotolaborant - unter ...

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