
- Surfschüler am Strand von Ericeira - Fritjhof Gauss / privat
suite101: Surfer ziehen meist von einem Ort zum anderen. Sie befinden sich immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Sie waren auch ein paar Jahre viel unterwegs.
Frithjof Gauss: Richtig. Eine Zeit lang war es so, dass ich im Sommer so viel gearbeitet habe, dass ich im Winter für drei, vier Monate mit dem Bus in Frankreich und Spanien unterwegs sein konnte. Dann habe ich ein Jahr in Frankreich gelebt, wo ich erst bei einem Installateur gearbeitet habe und später ein Angebot von einer Surfschule bekam, das ich natürlich annahm.
suite101: Sie haben dann eine Ausbildung beim Deutschen Wellenreitverband in Köln gemacht und eine Lizenz als Surflehrer erworben.
Ja, das war 1999. Da habe ich gelernt, wie man Anfängern das Surfen beibringt, nämlich in den Schaumwalzen, die entstehen, nachdem die Wellen brechen. Nicht so, wie wir es damals gemacht haben. Auf Sylt sind wir immer gleich raus gepaddelt, zu den grünen Wellen. Das hat dazu geführt, dass wir am Anfang eigentlich immer nur den sogenannten ‚Nosedive“ gemacht haben, also nicht zum Stehen kamen, sondern gleich kopfüber in der Nordsee gelandet sind.
suite101: Ihre eigene Surfschule haben Sie 2001 in Ericeira, etwa 50 Kilometer nördlich von Lissabon, aufgemacht. Wie kam es dazu?
Ich hatte mir zuvor verschiedene Orte angesehen. Letztlich ist es Ericeira geworden, weil dort nicht nur die unterschiedlichen Strände gute Bedingungen bieten, sondern, weil das Gesamtpaket stimmt: der Ort, die Nähe zu Lissabon, die gute Anbindung an den Flughafen. Als Silke und ich dort ankamen, gab es nur den Ericeira Surfclub, und dann gab es uns. Den Strand São Julião zum Beispiel haben wir für den Unterricht erst entdeckt. Heute gibt es übrigens bereits 23 Schulen im Ort. Surfen boomt!
suite101: Wie haben die Portugiesen Sie aufgenommen?
Die Portugiesen sind freundlicher Natur, und im Großen und Ganzen kamen wir von Beginn an gut miteinander aus. Unsere ersten Schüler waren übrigens Portugiesen. Eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes und ihr Mann. Sie hatte uns viel geholfen, als es darum ging, die Formalitäten für die Eröffnung der Schule zu erledigen und interessierte sich dann selbst für den Wassersport.
suite101: TrêsOndas gibt es nun schon im achten Jahr. Worauf, denken Sie, gründet dieser Erfolg?
Wir unterrichten jeden Schüler entsprechend seiner Möglichkeiten. Unsere Gruppen sind klein. Es sind maximal zwölf Teilnehmer in einem Kurs, bei zwei Lehrern. So können wir auf Anfänger und Fortgeschrittene sehr gut eingehen. Viele unserer Schüler kommen übrigens immer wieder; manche schon zum vierten oder fünften Mal. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Abgesehen davon fahren wir gut mit unserem Konzept, dass die Teilnehmer in Hotels und Apartments individuell untergebracht sind. Die ersten beiden Jahre haben wir noch ein Camp gehabt. Wir waren nach Ericeira gekommen, hatten ein Haus gemietet und haben zusammen mit den Schülern gewohnt. Nach einer Zeit kamen dann die ersten Anfragen von Schülern, die gerne außerhalb des Camps übernachten wollten. Nach zwei Jahren haben wir dann einen Schnitt gemacht und die Surfschule von den Unterkünften getrennt. So haben wir eine ganz andere Zielgruppe von Surfinteressierten angesprochen. Ich denke, dass war genau die richtige Entscheidung.
suite101: Surfen boomt, sagen Sie. Wie beim Windsurfen könnte der Hype schnell wieder vorbei sein. Was meinen Sie?
Ja, mit dem Surfen ist es in den letzten fünf Jahren ordentlich vorangegangen. Ich glaube allerdings nicht, dass sich das schnell wieder ändern wird. Windsurfen ist damals eingebrochen, weil sich die Einstellung ‚je radikaler, desto cooler’ breit gemacht hat. Wenn man also keine tollen Manöver fahren konnte, dann galt man als uncool. Beim Wellenreiten war es auch mal eine Zeit ‚in’, mörder-radikale Wellen zu fahren. Aber man hat rechtzeitig die Kurve gekriegt. Heute läuft es wieder nach dem doch recht entspannten Motto: „The best surfer is the one who has the most fun in the water.“
