Altbayrischer Advent mit der Volksmusiker-Familie Rehm

Das war ein „Ofenbankerl-Feeling" mit Saitenmusik, Stubenmusik und Bläsern in der verschneiten Wolfratshauser Loisachhalle im Dezember 2010.

Seit Tagen schneit es und die weiße Pracht schluckt jedes Alltagsgeräusch. Es ist die „staade Zeit“ für die Stubenmusik, für die Krippenlieder und Weihnachtsgedichte. Auf eine „Altbairische Weihnacht“ luden die Volksmusikerfamilie Rehm aus Garmisch-Partenkirchen und ihre musikalischen Gäste aus dem Oberland in der Adventszeit 2010 in die Loisachhalle nach Wolfratshausen ein.

Volksmusik ist ein wunderbares Kulturgut im Alpenraum

Elisabeth Rehm begrüßte die Gäste und bat darum: „Heben Sie sich den Applaus bitte bis zum Ende auf.“ Und so wurde es ganz still im Saal, ehe die ersten feinen Züge der Werdenfelser Bläser das besinnliche Weihnachtsprogramm eröffneten. Sie wechselten sich während des eineinhalbstündigen Programms ohne Pause mit der Volksmusikgruppe „Streichblosn“ aus dem Miesbacher Raum ab, die Boarische oder Landler in der Besetzung mit Querflöte und Klarinette spielten oder bei reiner Saitenmusik aus Zither, Hackbrett und Harfe in Begleitung von Kontrabass und Gitarre, sanft und sinnlich wurden. Mit ihrem anspruchsvollen Vortrag klassischer Menuetts des österreichischen Volksmusikers Tobi Reiser, zeigte die Gruppe welch wunderbares Kulturgut die traditionelle Volksmusik im Alpenraum doch ist.

Weihnachtsgedichte und bayerische Stubenmusik zur Adventszeit

Alle Mitwirkenden an diesem Abend holten die Zuhörer gefühlsmäßig raus aus der nüchternen Stadthalle, rein in ein mollig-warmes „Ofenbankerl-Feeling“. Man musste nur die Augen schließen, um sich vorzustellen, wie bei der traditionellen Stubenmusik die Musikanten „boarische Liada spuin“, während es nach Platzerl und Glühwein duftet. Wieder zurück in die Realität holte Elisabeth Rehm die Zuschauer mit ihren augenzwinkernden Gedichten vom Christbaumstehlen, von der scheinheiligen Frömmigkeit in der Christmette, und wie ein Brief an den Himmelvater zur Chefsache im Finanzamt wurde. Und noch kurzweiliger wurde der Konzertabend durch die permanenten Formationswechsel bei den Gesangsauftritten der Familie Rehm. Einmal waren die Schwestern Elisabeth und Steffi als Duo an der Reihe, einmal als Dreigsang mit der Mutter, oder mehrstimmig mit dem Vater und schließlich alle zusammen im Viergsang.

Bayerische Volksmusik hat eine lange Familientradition bei den Rehms.

Für ihr hohes musikalisches Können wurden sie ausgezeichnet und durch Rundfunk- und Fernsehauftritte überregionalen bekannt. Mit einem Andachtsjodler endete ein Volksmusikkonzertabend voller Sinnlichkeit. Eigentlich sollte sich das Wolfratshauser Publikum ja den Applaus bis zum Ende aufsparen, aber da kam dann gar nicht mehr viel. Wahrscheinlich waren alle noch emotional hinterm Ofenbankerl versunken. Schade, dass dann zu schnell das Licht anging, zu abrupt man zurück in die alltägliche Vorweihnachtzeit geholt wurde und die Zuschauer einfach aufstanden und gingen ohne eine Zugabe einzufordern. Ist das so üblich in der Volksmusik?

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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