
- Altes Wissen für die Pferdepflege - Rainer Sturm by pixelio.de
Nach Erkenntnissen der Autorin Christiane Gohl findet man in den alten Quellen von Reitmeistern und Pferdekennern durchaus keine “alten Zöpfe”, Hinweise auf Hilfszügel oder dunkle Ställe. Hingegen wird schon in der historischen Literatur immer wieder der freundliche, geduldige und kenntnisreiche Umgang mit Pferden gefordert. Erfahrungen der Vergangenheit können auch dem Reiter und Pferdepfleger der Gegenwart nützlich sein.
Gute Streu und Sauberkeit im Stall
Ein Pferdestall sollte durch “..stete Reinigung von Unrath, Staub oder Schweiß..” (Johann Cr. Pinters Pferdeschatz von 1688) gründlich sauber gehalten werden. Besonders wichtig sei dabei die trockene Einstreu. Wenn man unter die Stroheinstreu oder Sägemehleinstreu eine dünne Schicht Sand aufbringt, bleibt sie länger trocken. Etwa nach fünf Tagen müsse der Sand erneuert werden. Heuraufen dürfen nicht erhöht angebracht werden, da sie frei werdenden Heustaub begünstigen und zum Senkrücken beim Pferd führen würden. Gute Streu reichlich verteilt und tägliches Säubern der Lager sei besonders wichtig, um die Pferdegesundheit zu erhalten. Schon im 19. Jahrhundert wusste man, wie schnell Pferde zur Nervosität und zum Scheuen neigen, wenn sie nicht täglich zwei bis drei Stunden am Tag aus dem Stall heraus kommen und intensiv beschäftigt werden. Insbesondere nervösen Pferden gab man bei der Kavallerie große Futterstrohrationen und kürzte die Hafergaben. Die stundenlange Beschäftigung mit dem Rauhfutter wirkte beruhigend. Auch bräuchten Pferde helle Ställe. Traditionell galt die Faustregel, einem Stall so viel Fensterlicht zu geben, so dass man noch bequem darin lesen könne.
Tipps zur Stallgasse und zum Koppen und Weben
Pferde reagieren sehr empfindlich auf Staub. Schon früher wurde vor jedem Ausfegen der Stallgasse die Fläche vorher mit Wasser besprengt, um das Aufwirbeln von Staubpartikeln zu vermeiden. Diese Regel galt im Sommer auch für das Abfegen der gepflasterten Stallvorplätze. Frei herumlaufende Hunde, Kaninchen oder Katzen im Stall wurden empfohlen, um Pferden das Erschrecken im Freien abzugewöhnen. Die schaukelnde Bewegung des Webens bei Pferden gilt als Übersprungshandlung, wenn sie ihre Erregung nicht umsetzen können. Somit galt Bewegung, viel Weideauslauf und abwechslungsreiche Beschäftigung als hilfreichste Mittel gegen das Weben. Eine alte Methode ist das Anbringen kleiner Glöckchen an den Fesseln, die bei Webbewegungen klingeln. Dieses Geräusch wäre den Pferden schnell so unangenehm, so dass sie sich das Weben schnell abgewöhnen würden. Jedoch wäre diese Methode mit Vorsicht zu nutzen, damit ein Pferd nicht in Panik gerät. Auch das Koppen bei Pferden würde durch Unterbeschäftigung und Langeweile entstehen. Sie schlucken dann immer wieder Luft und wiederholen diese schlechte Angewohnheit häufig. Steht ein anderes Pferd im Stall einem Kopper gegenüber, so führt das schnell zur Nachahmung. Empfohlen wurde, sich intensiv mit koppenden Pferden zu beschäftigen, mehr Heu zu geben und abwechslungsreicheren Zeitvertreib zu bieten.
Ratten, Mäuse und Feuer im Stall
War ein Stall von Ratten befallen, so nahm man Chlorkalk vermischt mit Essig und stellte es in flachen Schüsseln unerreichbar für die Pferde auf. Frische Minze oder einige Tropfen Minzöl unter das Getreide gemischt würde Mäuse fern halten. Das zuverlässigste Mittel wäre jedoch eine gut gepflegte Stallkatze, die jedoch nicht allein von Mäusen satt wird und zugefüttert werden müsse. Würde ein Feuer im Stall ausbrechen, so nütze es nicht, die Pferde mit Gewalt heraus zu treiben. Zuverlässiger wäre die Methode, sie aufzutrensen und hinauszuführen. Derart sind sie bereit, die Sicherheit ihrer Box zu verlassen. Ein im offenen Stall gehaltenes Pferd behält seinen natürlichen Fluchtinstinkt und würde bei beunruhigenden Situationen nicht im Stall bleiben. Ein auf seine Box fixiertes Pferd hingegen schon. Als Feuerschutz für den Stall gilt schon seit Jahrhunderten die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum). Es handelt sich um eine artischockenähnliche Pflanze, in die der Blitz nicht einschlägt. Sie ist anspruchslos und man kann sie auf Mauern und Ziegel aller Art pflanzen. Weiterhin ist sie eine Heilpflanze für Pferde. Hauswurz wirkt als Frischblätterauflage bei Verrenkungen und Quetschungen der Pferde kühlend und heilend.
Literaturquelle: “Was der alte Stallmeister noch wusste”, Christiane Gohl, Stuttgart, 2011, Kosmos Verlag, 183 Seiten, 9,95 Euro
Bildquelle: Fotograf Rainer Sturm, Foto: Stolzes Pferd, by pixelio.de
