Ein typisches Weinanbauland wird aus Kärnten nicht werden. Es gibt aber einige interessante Lagen, an denen junge Winzer Weine kultivieren, die weder toskanische, südsteirische noch burgenländische Konkurrenz zu fürchten brauchen.
Tagsüber bauen die Trauben Aromastoffe auf, in der Nacht werden diese wieder abgegeben. Je kühler die Nächte, desto weniger verflüchtigen sich diese Stoffe, die für den fruchtigen Geschmack verantwortlich sind. Genau das ist der Kärntner Vorteil, schildert der Kärntner Experte auf diesem Gebiet, Erwin Gartner, der selbst im Lavanttal mit seiner Familie das Weingut Thürn erfolgreich bewirtschaftet. Die Nächte in den typischen Weinbaulagen sind nämlich weitaus wärmer als in Kärnten. Weiters ist die Bodenbeschaffenheit maßgeblich für die Entwicklung des Aromas. Magnesiumreichen Boden, ähnlich wie in der Wachau, gibt es auf Gut Thürn und das ist ideal für Rieslingweine.
Alte Rebsorten
In dem von der EU geförderten Interreg-Programm „Grundlagenforschung für den Weinbau im Berggebiet von Belluno und Kärnten“ werden historische Studien betrieben, aber auch alte Rebsorten erhoben, Boden- und Anlagenuntersuchungen vorgenommen und Anbau und Verarbeitungsversuche gestartet. Entscheidend für den erfolgreichen Weinbau sind das richtige Klima, die Bodenbeschaffenheit und die Lage. „Ein leichter Südhang ist ideal“, erklärt Gartner. Das Wasser der Niederschläge kann optimal abrinnen, die Sonneneinstrahlung ist ideal. Die Kärntner Winzer sind gezwungen, mit personellem Mehraufwand und erhöhtem Pflanzenschutz gegen Schädlinge anzukämpfen. Trotzdem lassen sie sich nicht entmutigen und forschen nach alten Rebsorten, nach alten Kärntner Stöcken. Das ist aufwändig, die richtige Kultivierung kompliziert. Bis ein Rebstock voll ertragsfähig ist, dauert es vier bis fünf Jahre. Weiters geht es in nächster Zeit auch darum, neue Rebflächen zu gewinnen. Die Lese kann zwei Wochen später als in den anderen Weinbaugebieten beginnen. Das wissen allerdings auch die Stare.
Viele der Rieden, deren Namen darauf schließen lassen, dass es ehemals dort Wein gab, wurden von Winzern inzwischen erfolgreich rekultiviert und aus Sorten wie Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon blanc, Zweigelt, Blauburger und Blauer Burgunder bereits Qualitätsweine gekeltert. Von Anbeginn wurden die Winzer von der Obstbauversuchsanlage in St. Andrä im Lavanttal unterstützt.
Geschichte
Der Weinbau hat in Kärnten eine lange Tradition. Er wurde im Jahr 864 erstmals urkundlich erwähnt. Das heißt, dass in Kärnten vor der Steiermark Wein angebaut wurde. Auslöser für die vermehrte Herstellung des Getränkes war, dass die römischen Straßen immer mehr verwilderten und die Menschen am Land sich selbst versorgen mussten. Es wurde damals sehr viel Wein getrunken, da das Wasser in vielen Gegenden hygienisch nicht einwandfrei war.
War im Mittelalter die Klimaerwärmung gut für die Reife der Trauben, so wurde das Klima im 16. Jahrhundert wieder rauer, der Ertrag im Weinberg immer geringer. Außerdem machte das erste Volksbier dem Wein Konkurrenz. Als im 18 Jahrhundert viele Klöster aufgelassen wurden, war das auch das Ende des Kärntner Weines.
1972 begann man in Kärnten wieder mit dem Weinbau, seine Renaissance erlebte er aber erst ab den 1990er Jahren.
Fortbildung
Im Laufe der Jahre haben sich Vereinigungen von Winzern gebildet, die immer wieder eine Plattform für Erfahrungsaustausch und Fortbildungen bieten. Dachverband ist der Kärntner Weinbauverband. Das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) in St. Andrä organisiert jedes Jahr einen Basiskurs an, in dem zukünftige Winzer in acht Tagen die Grundlagen des Weinbaus und der Kellerwirtschaft in Theorie und Praxis kennen lernen.
