Altenberg zwischen Bergbaugeschichte und Wintersport

Auf schnellen Brettern rund um Altenberg - Vera Schwarz
Auf schnellen Brettern rund um Altenberg - Vera Schwarz
Altenberg im Osterzgebirge war einst ein Zentrum des Bergbaus. In der heutigen Zeit treffen sich in der kleinen Kurstadt Wintersportler aus der ganzen Welt.

Immer wenn es Winter wird, blickt die sportbegeisterte Welt nach Altenberg. Dann wird die ehemalige Bergbaustadt zum Schauplatz spannender Wettkämpfte der Rodler und Bobpiloten, Biathleten und Langläufer. Dann kommen Weltmeister und zahllose Freizeitsportler in dieses Winterparadies im Osterzgebirge.

Wo einst der Bergbau blühte

Es begann ungefähr so wie im Wilden Westen, nur vierhundert Jahre früher, anno 1440. Wandernde Bergleute schürften in den Bächen und Flüssen der Region nach edlem Metall. Im Gebiet des heutigen Altenberg wurden sie fündig. Zwar wuschen sie kein Gold aus dem Sand der Wasserläufe, dafür aber Zinn - und der war auch wertvoll genug, um einen wahren Zinnrausch auszulösen.

Wie das oft zitierte Lauffeuer verbreitete sich die Kunde vom Zinnfund im Osterzgebirge. Aus allen Ecken und Winkeln des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation kamen sie, die Bergleute und Glücksritter, Abenteurer und Grubenunternehmer um teil zu haben an den Schätzen der Erde auf und um den Geisingsberg. Die Neuankömmlinge errichteten ihre Hütten wo sie gerade Platz fanden und möglicherweise gab es auch Auseinandersetzungen um die besten Claims und Schürfstellen.

Ein typisches Diggercamp muss Altenberg damals gewesen sein - doch die glorreiche wilde Zeit dauerte nur wenige Jahre, denn Grubenunternehmer und Landesherren waren an geordneten Verhältnissen interessiert. Sie verpassten der wilden Siedlung der Zinner im Jahre 1451 das Stadtrecht, was nicht nur besondere Privilegien brachte, sondern auch die Verpflichtung zum Aufbau einer geordneten städtischen Struktur.

Mehr als fünfhundert Jahre blühte der Zinnbergbau im Raum Altenberg. Zahllose Generationen von Bergleuten holten das edle Metall aus dem Inneren des Gebirges und es nahm seinen Weg in die ganze Welt. Der Altenberger Bergbau war ein Globel Player - der Name der kleinen Stadt im Osterzgebirge hatte überall einen ausgezeichneten Klang.

Feste Station des weltweiten Wintersports

Doch dann kam das Jahr 1991 und die Erfolgsgeschichte Altenbergs schien ihr Ende erreicht zu haben. Der Bergbau wurde eingestellt, kein Zinner fuhr mehr in den Bauch von Mutter Erde, um edles Metall ans Tageslicht zu fördern.

Aber Altenberg wurde nicht wie so manches berühmte Diggercamp im Wilden Westen zur Geisterstadt, wo nur noch traurige Legenden von der glorreichen Vergangenheit erzählenh. Die kleine Kurstadt im Osterzgebirge ist auch keineswegs in einen tausendjhärigen Dornröschenschlaf gefallen, sondern lebendiger den je. Und wieder geht es hier um edles Metall. Das aber wird nicht von Bergleuten aus der Erde gegraben, sondern von Sportlern aus der ganzen Welt auf schnellen Brettern und Kufen erkämpft. Neben Gold und Silber ist sogar Zinn mit dabei, denn etwa fünfzehn Prozent der Bronzemedaille bestehen aus jenem Metall, das einst in Altenberg gefördert wurde.

Die Stadt ist längst ein internationaler Sportplatz geworden. Weltmeisterschaften und Weltcupveranstaltungen gibt es hier offenbar am laufenden Band. Rodler und Bobpiloten, Biathleten und Langläufer sind hier ständige Gäste. Irgendeine wintersportliche Meisterschaft steht in Altenberg scheinbar immer im Kalender.

Aussteigen und Anschnallen

Dieser enorme Zuspruch, den Altenberg bei den internaionalen Wintersportverbänden genießt, macht es den zahllosen Freizeitsportlern manchmal ein klein wenig schwer, in der Kurstandt spontan ein Quartier zu finden. Dabei ist der Lockruf dieser Region unwiderstehlich und jedesmal, wenn die weiße Pracht ihren uralten Zaubermantel über den Hochflächen des Osterzgebierges ausbreitet, gibt es kein Halten mehr. Dann kommen sie aus Braunschweig und Berlin, aus Hamburg und Kiel, aus London und Amsterdam um auf schimmernd weißen Breiten ihre endlosen Doppelspuren zu ziehen.

Viele Wintersportler kommen auch als Tagesgäste mit Bus oder Bahn nach Altenberg. Die können ihre schnellen Bretter im Grunde schon nach dem Aussteigen anschnallen, denn der Loipeneinstieg ist nur fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Besonders stimmungsvoll ist übrigens eine Fahrt von Dresden aus mit dem Zug. Der ist eine gute Stunde unterwegs und schraubt sich durch wilde Schluchten und alte Tunnel immer höher hinauf ins märchenhaft verwunschene Reich aus Eis und Schnee.

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