Alternative Nobelpreisträger tagen im September 2010 in Bonn

Alternativer Nobelpreis Konferenz in Bonn - Stadt Bonn
Alternativer Nobelpreis Konferenz in Bonn - Stadt Bonn
Seit 30 Jahren gibt es den „Alternativen Nobelpreis". Die Träger des Alternativen Nobelpreises kommen im September diesen Jahres erstmals nach Bonn.

Seite 30Jahren gibt es den „Alternativen Nobelpreis". Die Träger des Alternativen Nobelpreises kommen im September diesen Jahres in Bonn zu ihrer ersten Weltkonferenz zusammen, deren Titel gleichzeitig Programm ist:„kursWECHSELN“.

Erste Weltkonferenz der Träger des Alternativen Nobelpreises

Vor der Bundespressekonferenz in Bonn informierte der Initiator des Alternativen Nobelpreises über die Programmatik der Stiftung, dem Right Livelihood Award und die Ziele der Konferenz.

Jakob von Uexküll: „30 Jahre „Alternativer Nobelpreis“: Wie kann es sein, dass es so viele inspirierende Ansätze gibt, den Problemen unserer Welt zu begegnen, und dennoch verlieren sich diese Lösungen allzu oft in der Masse der negativen, lähmenden Meldungen in Zeitungen und Nachrichten?

Die „Alternativen Nobelpreisträger“ treibt es zu einem Wechsel unserer Paradigmen und unseres Handelns auf allen Ebenen: zu einer Änderung des vorherrschenden Wirtschaftssystems, welches die Natur als ein Subsystem der Ökonomie begreift und uns immer weiter von uns selbst und unseren Wurzeln entfremdet. Es geht um den Erhalt unserer Umwelt, die Vielfalt unseres Saatguts sowie um eine neue Wertschätzung der Diversität der Kulturen. Dazu kommt die fundamentale Verankerung von Menschenrechten auch im Angesicht wachsender „Persönlichkeitsrechte“ multinationaler Unternehmen, bei denen Demokratie dem Profit geopfert wird.“

Zeit zum Handeln

Uexküll zufolge ist „die Zeit des Redens, des geduldigen Warnens abgelaufen.“ Es müssten jetzt Taten folgen, „Weiter wie gehabt? kursWECHSELN in die Zukunft“, lautet der von den Preisträgern selbst gesetzte Titel dieser Konferenz. „Wir, unsere Preisträger, verstehen ihn als einen dringenden Weckruf an alle Menschen – in Bonn, Nordrhein-Westfalen, bundes- und weltweit, so der Initiator des Alternativen Nobelpreises.

Uexküll hatte vor 30 Jahren das Startkapital für diese Vision finanziert. Er „kenne Menschen, die mich damals für verrückt gehalten haben, aber ich habe keinen einzigen Euro bereut! Die Erfolge der Stiftung, ihrer Preisträger, die Befriedigung, die ich selbst daraus für mich ziehe, geben mir jeden Tag recht. Seitdem sind viele Menschen meinem Beispiel gefolgt und haben den Preis durch ihre Spenden am Leben gehalten."

Von der Konferenz in Bonn erhoffen sich Uexküll und seine Mitstreiter auch, neue Unterstützer in Deutschland für ihre Arbeit zu finden. Die ökologisch und sozial wirtschaftende GLS Bank hat unter ihrem Dach einen Förderfonds für den „Alternativen Nobelpreis“ eingerichtet.

Glaubwürdige Menschen und Projekte

In der Tat können sich die Preisträger sehen lassen, so wie diese Personen, deren Arbeit ausgezeichnet wurde:

  • Ibedul Gibbons (Mikronesien/Pazifik) kämpfte als Häuptling der südpazifischen Inselrepublik Palau um das Recht seines Volkes, den USA als Protektoratsmacht die Stationierung von Atomwaffen verfassungsrechtlich zu untersagen. Der Kampf der Bevölkerung von Palau wurde zum Symbol des Widerstands gegen einen nuklearen Imperialismus, bei dem souveräne und demokratische Rechte ignoriert werden.
  • Ela Bhatt (Indien) gründete mit der Self-Employed Women's Association (SEWA) eine Gewerkschaft für selbstständige Frauen, die unter rechtlosen und entwürdigenden Bedingungen in der Tabak- und Textilindustrie als landwirtschaftliche Hilfskräfte oder im Straßenbau arbeiteten. Mit dem Aufbau einer eigenen Bank schuf sie einen Rahmen für die Gründung zahlloser Kooperativen und selbstverwalteter Initiativen zur lokalen Selbsthilfe.
  • Hermann Scheer (Deutschland) gründete die Organisation ‚Eurosolar’, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die heute noch fossilen und atomaren Energiequellen durch regenerative Energieformen (Sonne, Wind, Wasser) zu ersetzen.

Neue Impulse für die Menschenrechtsarbeit

Eine der Preisträgerinnen, Dr. Monika Hauser, Gründerin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied von medica mondiale e.V., nahm an der Pressekonferenz in Bonn teil. Sie hatte den Altenativen Nobelpreis 2008 erhalten. Ihre Organisation, medica mondiale ist eine Hilfs- und Menschenrechtsorganisation, die vergewaltigte und von anderer Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt.

Monika Hauser berichtete über die Wirkung der Auszeichnung für ihre Arbeit: „Viele Menschen, in Deutschland und im Ausland, haben aufgrund des Preises von unserer Unterstützung für Frauen in Kriegsgebieten erfahren und ihre Verbundenheit mit unseren Anliegen mit einer Spende zum Ausdruck gebracht. Viele neue SpenderInnen und UnterstützerInnen konnten weit über den Dezember 2008 hinaus gewonnen werden. Die Einnahmen aus Spenden haben sich deutlich erhöht.“

Bonner Institutionen sorgen für Rahmenprogramm

Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch versprach, die Preisträger würden „in Bonn auf zahlreiche Menschen treffen, die sehr interessiert sind an ihrem Engagement und dem, was sie erreicht haben.“ Nimptsch freut sich „besonders darüber, dass parallel eine Jugendkonferenz stattfindet und dass junge Wissenschaftler – gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) – am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) diese Themen ebenfalls aufgreifen.

Bei der Konferenz im September würden engagierte Menschen aus Bonn und Nordrhein-Westfalen auf Preisträger treffen, die durch ihre besondere Tatkraft inspirieren. Die öffentlichen Tage der Konferenz böten somit eine große Chance, mannigfaltige Kontakte zu knüpfen, alternative Ansätze, Initiativen und Projekte kennen zu lernen und diese Erfahrungen weiterhin zu nutzen.

Bereits vor der Konferenz im September gäbe es die Möglichkeit, die Arbeit der Right Livelihood Award Foundation und einige Preisträger kennen zu lernen. Im Rahmen der Vorlesungsreihe der „Bonn International Model United Nations“ (BIMUN/SINUB) kommen mit Unterstützung der Stadt Bonn im Sommersemester einige Preisträger, unter anderen Pat Mooney, Hans-Peter Dürr und Monika Hauser nach Bonn und halten Vorträge über ihre Arbeit.

Helmut Lorscheid ,  Foto: Yvonne Szallies

Helmut Lorscheid - Ich bin Journalist aus Überzeugung, obwohl es sicherlich Berufe gibt, in denen man deutlich mehr verdient. Ich befasse mich mit ...

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