Altersvorsorge - aber richtig

Weshalb die Rente nicht ausreicht

Mit Altersvorsorge frühzeitig beginnen und über die staatlich geförderten und privaten Möglichkeiten informiert sein, weil die gesetzliche Rente keinesfalls reicht.

Unabhänge Experten der Stiftung Warentest gehen zwar davon aus, dass der Mensch im Alter weniger Geld braucht als während des Berufslebens, aber das kann auch eine Milchmädchenrechnung sein, weil erstens ohne besonders ausgeprägte Inflation die Kaufkraft des Geldes stetig abnimmt und zweitens sich gerade für Rentner eine Lücke auftun kann, die sich auf den gewohnten Lebensstandard dramatisch auswirkt. Beizeiten Vorsorge zu treffen, ist also nicht nur eine Empfehlung der Versicherer und Banken, um ihr Geschäft anzukurbeln, sondern liegt auch ganz objektiv betrachtet, im eigenen Interesse des Anlegers. Nach der Shell Jugendstudie sind zwar mehr als zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren der Meinung, es müsste frühzeitig mit der Altersvorsorge begonnen werden, aber mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen sind dieses wichtige Ziel noch überhaupt nicht angegangen. Auch nicht mit minimalen Beträgen.

Warum reicht die gesetzliche Rente nicht aus?

Viele Leute überschätzen den Betrag, der ihnen aus der gesetzlichen Rente einmal monatlich netto ausgezahlt werden wird. Einmal, weil die Beiträge für die Krankenkasse und Pflegeversicherung abgezogen werden, dann aber auch, weil es weitere Nullrunden bei Rentenanpassungen geben wird und auch, weil die Inflationsrate nicht wirklich ausgeglichen wird. Die Anrechnung der Ausbildungszeiten erfolgt nicht mehr voll, sondern nur noch pauschal. Die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre war im Prinzip ebenfalls weiter nichts als eine Rentensenkung. Hinzu kommt, dass die Rentner seit 2005 eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen und die Finanzämter seit 2009 von allen Rententrägern, auch den Betriebsrentenkassen, darüber Auskünfte bekommen, was sie den Rentnern zahlen. Folglich drohen Nachzahlungen. Außerdem gibt es in Deutschland immer mehr Menschen, die zu den Geringverdienern zu zählen sind und deshalb in Zukunft mit sehr niedrigen Renten zu rechnen haben.

Was wird von Experten empfohlen?

Für jeden Vermögensaufbau ist der Zeitfaktor von ganz entscheidender Bedeutung. Gerade auch deshalb, weil viele Arbeitnehmer finanziell gar nicht in der Lage sind, größere Geldbeträge für ihre Altersvorsorge monatlich abzuzweigen. Deshalb sollte möglichst früh mit der Planung und konkreten Umsetzung der Altersvorsorge begonnen werden.

1. Grundschutz

Der Grundschutz mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb sinnvoll, weil niemand wissen kann, ober er überhaupt bis zum Eintritt das gesetzlichen Rentenalters arbeiten kann. Eine zusätzliche Risikolebensversicherung ist nur dann empfehlenswert, wenn man Verantwortung für eine nicht erwerbstätige Ehefrau und Kinder hat.

2. Rentenlücke

Von Vorsorge-Experten wird immer wieder gefordert, man solle zunächst feststellen, wie hoch die Rentenlücke, also der Unterschied zwischen Gehalt und Rente sei, um dann den Bedarf für die Vorsorge-Maßnahmen zu kennen. Dies lässt sich in Wirklchkeit nicht exakt prognostizieren, weil man weder sein Einkommen noch sein Renteneintrittsalter für Jahre im voraus weiß. Dennoch kann es nicht schaden, sich überschlagsmäßig Gedanken zu machen, aus welchen Einkommensarten man überhaupt welches Einkommen voraussichtlich beziehen wird. Denn es geht oft nicht allein um die gesetzliche Rente, die zusammen mit einer Betriebsrente und einer Riester-Rente meistens nicht die Rentenlücke schliessen kann, sondern eventuell auch um Einkünfte aus Vermietung oder Zinsen aus Anlagevermögen.

3. Staatlich geförderte Altersvorsorge

Die Riester-Rente kommt für alle rentenversicherungspflichtigen Angestellten und Beamten in Frage, während die Rürup-Rente für Freiberufler, Selbstständige und Gewerbetreibende gedacht ist, die nicht in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben. Es lohnt sich auf jeden Fall, eine Riester-Rente abzuschliessen, denn es gibt staatliche Zuschüsse und die Anlage ist sicher, selbst dann, wenn beispielsweise ein Fond keinen Gewinn machen würde, erhält man die eingezahlte Summe plus Zuschuss. Bei der Rürup-Rente gibt es ausschliesslich steuerliche Vorteile und sie ist auch nicht so flexibel, denn sie kann nur als lebenslange Rente ab dem 60. Lebensjahr bezogen werden. Auch Angestellte und Beamte können einen Vertrag über eine Rürup-Rente abschliessen. Doch auch die Rürup-Rente kann, insbesondere bei höheren Einkommen, eine attraktive Rendite bieten.

4. Private Altersvorsorge

Auf diesem Sektor gibt es eine große Vielfalt von Versicherungs- und Bankprodukten sowie die Investition in Immobilien. Im Gegensatz zu den staatlich geförderten Altersvorsorge-Produkten können Aktien und Rentenfonds, Sparpläne und Lebensversicherungen teilweise mit hohen Risiken behaftet sein oder geringe Renditen bieten. Der private Anleger sollte wissen, dass ab etwa einer Rendite von maximal fünf Prozent so gut wie immer das Risiko für ihn beträchtlich ist. Da eine Altersvorsorge langfristig aufgebaut wird, kommen dafür auch Aktien in Frage, aber sicherlich für die meisten nur als Beimischung mit nicht zu hohem Anteil, einfach weil bekanntlich die Kurse stark schwanken und die Gewinnmöglichkeiten wie auch das Verlustrisiko erheblich sein können.

Joachim Kath, Joachim Kath

Joachim Kath - Neben meinem Brotberuf als Strategy Consultant habe ich als freier Journalist und Buchautor gearbeitet. Ein Dutzend meiner Sachbücher ...

rss