
- Jaques Ullrich und Stephan Benson - Stefan Hiltmann
Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" erzählt von zwei verschrobenen Genies, die sich erst am Ende des Buches treffen. Im Altonaer Theater ist der Roman nun als Theaterstück auf der Bühne zu sehen. Und das Theater beginnt schon, bevor es eigentlich beginnt. Bebärtete Gestalten in weißen Unterhemden rasen durch das Theater und brüllen Sätze, die trotz des Gebrülls eigentlich niemand versteht. Auch nicht warum sie das tun. Letzteres wird auch im laufe der späteren Vorstellung nicht klar.
Viel Klamauk um zwei Genies
Regisseur Christian Nickels inszeniert Daniel Kehlmanns historischen Roman "Die Vermessung der Welt" sehr genau und slapstickreich. Ja, da darf es auch schon mal Klamauk geben und die Schauspieler dürfen sich so richtig schön austoben. Kunsthände werden zur Überlebensnahrung, Handpuppen mimen Krokodile und Volkslieder dienen zur Unterhaltung während des Umbaus. Manchmal wähnt man sich in einem gro0en Kinderzimmer. Je mehr kindliches Gemüt und Tatendrang die Schauspieler haben, umso besser. Das Premierenpublikum nimmt es nicht übel, spendet an diesem Abend sogar tosenden Beifall welchen sich die Schauspieler mit ihrer soliden Leistung redlich verdient haben.
Gegensätzliche Hauptfiguren in der "Vermessung der Welt"
Jacques Ullrich als Alexander von Humboldt und Stephan Benson alias Carl Friedrich Gauß werden sehr gegensätzlich gezeichnet. Humboldt, das agile immer positiv gestimmte Männlein, Gauß, der große alternde Hüne am Krückstock, griesgrämig und kränkelnd. Desllusioniert resümiert Gauß: "Die Welt nimmt sich so enttäuschend aus, wenn man entdeckt, die dünn ihr Gewebe ist" Der eine bekommt Nasenbluten beim Erforschen eines Vulkans, dem anderen fällt eine komplizierte Gleichung ein, während seine Frau ihn leidenschaftlich küsst. 2005 deckte Daniel Kehlmann die Größe und Groteske zweier deutscher Wissenschaftsgenies de in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ mit viel Humor auf. Kehlmann zeigte darin auch, was es für ihn heißt deutsch zu sein.
"Die Vermessung der Welt" - fast eine Klamotte
Regisseur Christian Nickels greift die in dem Roman verborgene Ironie auf und macht sie dabei manchmal fast zur Klamotte. Dass dieser Drahtseilakt wenigstens zum Teil gelingt, hat er seinen ausgezeichneten Darstellern zu verdanken, die in diverse Rollen in dem sehr lang geratenen Stück schlüpfen. Ole Schlosshauer als Humboldts französischer Begleiter Bonpland ist schon sehr gut. Doch auch Caroline Dietrich und David Allers als Gauß "missratener" Sohn spielen ihre Rollen mit sehr viel Verve.
Das Bühnenbild (Birgit Voss) indes ist pfiffig und vielleicht sogar das beste an diesem ganzen Abend. Vor schwarzen Hintergrund werden die verschiedenen Orte aus Transportkartons gebaut. Aus Kartons entstehen Pferde, Berge, diverse Zimmer und vieles mehr. Die Inszenierung am Altonaer Theater, man kann sie mögen, man muss es aber nicht.
