
- Sven Haschke als Frank Lehmann - Joachim Hiltmann
Was in Hamburg seit 2008 mit großem Erfolg immer wieder gespielt wurde, muss nun aber auch dem direkten Vergleich zur "Neue Vahr Süd" Stand halten. Dem zweiten Kultroman von Sven Regener der interessanter Weise mit "Neue Vahr Süd" Teil 1 des Herrn Lehmann erzählt.
Herr Lehmann
Frank Lehmann, den angesichts seines dreißigsten Geburtstags nun alle unerbittlich Herr Lehmann nennen, hat ein sehr bequemes Leben in Berlin. Er verbringt seine Tage meistens im Bett, abends geht er seinem Kneipen-Job nach und trinkt sich anschließend mit seinen Kumpanen philosophierend durch die Nächte. Immer wieder aber schleichen sich kleine Störungen in seinen Alltagstrott ein: Nicht nur, dass ihm im Morgengrauen ein Hund den Heimweg versperrt und dann ein Sonntags-Anruf seiner Mutter den Elternbesuch in der Hauptstadt angekündigt, zu allem Überfluss stürzt ihn auch noch die schöne Köchin seiner Lieblingskneipe in totale emotionale Verwirrung...
Der Lehmann-Vergleich
Mona Kraushaar zeichnet als Regisseurin für "Herr Lehmann" verantwortlich und scheut dabei vor kleineren Längen nicht zurück. Ausführlich wird sich hier den Alkoholexzessen hingegeben. Das ist so, bei Herrn Lehmann, aber für den Zuschauer wird's dann eben doch manchmal ein wenig langweilig. Und weil das Altonaer Theater dieser Tage zum direkten Vergleich der Lehmänner einlud, hat Suite 101 genau diesen Vergleich für Sie gestartet. Zweifelsohne spielt Stefan Haschke seinen Herrn Lehmann hervorragend und engagiert. Nicht umsonst erhielt er für diese Rolle 2009 sowohl den Rolf-Mares-Preis wie auch den Boy-Gobert-Preis als bester Schauspieler. - Aber: Sven Fricke, welcher den Frank Lehmann in der "Neue Vahr Süd" gibt bringt mit seinem sehr trockenen Humor und eher ruhigen Tönen noch vielmehr Komik in das Stück. Kleine Zäsuren helfen ihm, den Text mehr zur Geltung zu bringen. Fricke besticht durch ein untrügliches Gefühl für Timing. Und so bleibt nur zu hoffen, dass Sven Fricke ähnlich preisgekrönt wird, wie sein Vorgänger Haschke. Auch das Elternpaar schneidet in der "Neue-Vahr"-Version deutlich besser ab. Gisela Kraft gibt die Mutter in der Kraushaar-Inszenierung "Herr Lehmann" und kratzt dabei etwas zu sehr an der Oberfläche. Ganz anders dagegen Anne Schieber in der "Neue Vahr Süd" unter der Regie von Georg Münzel. Sie ist nun wirklich durch und durch mütterlich. Und die Dialoge, das Buch? - Ja, auch hier schneidet "Neu Vahr" wieder einmal besser ab. Die Dialoge sind spritziger, es ist mehr Handlung da. - Wer also "Herr Lehmann" mag, wird die "Neue Vahr Süd" lieben.
Die Lehmann-Besetzung
Insbesondere die Männer aber liefern bei "Herr Lehmann" dessen ungeachtet eine gute schauspielerische Leistung ab. Ole Schlosshauer als Erwin aber auch als durchgeknallter Arzt zeigt einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit. Philipp Lang gibt seinen Sylvio so herrlich schwul, dass es schwer fällt, ihn sich noch in anderen Rollen vorzustellen. Elena Meissner, die ihr Talent schon in zahlreichen Rollen am Altonaer Theater gezeigt hat, bleibt als Köchin Katrin etwas unter ihren Möglichkeiten. Rolf Bach als bester Freund Karl füllt seine Rolle voll und ganz aus. Der absolute Knaller aber bleibt Martin Brücker als Kristall-Rainer. Ein klassisches Beispiel dafür, dass weniger manchmal eben weitaus mehr ist. Martin Brücker braucht nur über die Bühne zu gehen und schon zieht er alle Blicke auf sich. Einfach umwerfend komisch.
Nur noch bis zum 25. April 2011 kann man "Herr Lehmann" auf der Bühne des Altonaer Theaters sehen. Auch für die "Neue Vahr Süd" bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Letzte Vorstellung findet hier am 30. April statt.
