
- Einer der "Götterbäume" - uralt und schön - Christian von Alvensleben
Christian und Helga von Alvensleben nutzen die Kunst der Fotografie gern, um etwas in Bewegung zu setzen. Sie zeigen Dinge oder Lebewesen so, wie man sie sonst nicht sieht. Uralte Olivenbäume oder am Strand Verlorenes, Zurückgelassenes, achtlos Weggeworfenes gehören dazu. Viele dieser „Meeresfrüchte“ entdeckten sie weit vom Ursprungsort entfernt. Das Meer und seine Bewohner hatten interessante Spuren daran hinterlassen, bevor die Wellen sie irgendwo wieder an den Strand spülten.
Die Ausstellungen „Götterbäume“ und „Meeresfrüchte“ in Lübeck haben diese Arbeiten Ende 2009, Anfang 2010 in der Kunsthalle St. Annen gezeigt. Nun sind Fotos von elf uralten Olivenbäumen in Übergröße beim Fotofestival Horizonte in der Galerie „Villa Ruh“ in Zingst in der Strandstraße 11 zu sehen. Viele weltberühmte Naturfotografen stellen im Rahmen des Festivals aus. Die Vernissage der „Götterbäume“ am 19. März 2011 begeisterte die Besucher. Die Ausstellung dort ist noch bis zum 15. Mai 2011, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, zu sehen.
Großformatige Fotos zeigen die „Götterbäume“ wie im Sonnenlicht der Ägäis
1,52 x 1,92 Meter groß sind die Schwarz-Weiß-Fotografien, die in einem großen Raum dicht an dicht hängen. „In sehr hellem Licht, das dem Sonnenlicht der Ägäis ähnelt, sehen die Aufnahmen ganz modern aus“, sagt Christian von Alvensleben. „Die Wirkung ist anders als in Lübeck. Man steht direkt davor. In dieser Dichte erkennt man jedes Detail.“
Uralte Bäume in einem verwunschenen Olivenhain auf Hochplateau gefunden
„Das einzig Beständige ist die Veränderung.“ Diese Aussage von Heraklit von Ephesos, der rund 500 Jahre vor Christi Geburt lebte, ist aktuell wie eh und je. Die Fotografie ermöglicht es, Eindrücke festzuhalten, die sonst verloren wären. „Drei der fotografierten Bäume existieren bereits nicht mehr“, sagen die Künstler, die auf Rhodos durch Hinweise aus der Bevölkerung auf einem Hochplateau einen uralten Garten fanden. Vermutlich wurde er vor 2500 Jahren von Cleobulus angelegt, seines Zeichens Philosoph, Architekt und Mitbegründer der Stadt Rhodos.
„Der Garten, der eigentlich eher ein Olivenhain ist, war total verwildert“ berichtet Helga von Alvensleben und man sieht ihr die Freude an, ihn gefunden zu haben. „Der größte Olivenbaum dort hat einen Durchmesser von fünf Metern, an der Basis gemessen.“ Christian von Alvensleben, kurz CvA genannt, erklärt, dass die Bäume auf Rhodos wegen der sommerlichen Hitze und der Trockenheit bei Temperaturen bis zu 50 Grad Celcius ein besonders breites Wurzelwerk entwickeln, immer auf der Suche nach Wasser.
Schützenswerte Olivenbäume sollen nicht länger zu Brennholz werden
Bei ihrem letzten Besuch entdeckten CvA und seine Frau einen alten Mann, der begonnen hatte, aus einem der riesigen Bäume Feuerholz zu machen. Aus Sicht des Alten war das offenbar nichts Verachtenswertes – Bäume liefern nun einmal Brennholz. Inzwischen haben sich bereits 600 Menschen zusammen gefunden, die die Baumgreise schützen wollen. Das trägt Früchte. Die ersten Olivenbäume wurden bereits ausgeschnitten und gepflegt.
Mit dem Landrover und per GPS zu den „Götterbäumen“ nach Rhodos
Das Projekt der schützenswerten „Götterbäume“ war von langer Hand geplant. Bei einem Aufenthalt auf Rhodos suchten beide besonders alte und große Bäume. Dazu war Geduld erforderlich, denn Olivenbäume wachsen eher in die Breite als in die Höhe. Alte Bäume ragen nicht aus einem Hain heraus. Die Fundorte wurden jeweils per GPS kartografiert. In Deutschland kaufte das Paar einen Landrover. Beladen mit Großbildkameras, Silberreflektoren und weiteren Ausrüstungsgegenständen machten sie sich damit im Winter auf den Weg nach Rhodos. „Wir sind, mit Auto und Fähre, jeweils fünf Tage lang unterwegs gewesen“, so HvA. Die großen Silberreflektoren wurden als Beleuchtung für die Baumstämme benötigt. Unter dem grünen Dach der Blätter hätte man sonst die Schönheiten der Details von Stamm und Rinde nicht deutlich genug erkennen können.
Herausragende Ideen und der Goldene Nagel für Christian von Alvensleben
Christian von Alvensleben, als Fotograf weltberühmt, geht sehr bewusst und achtsam mit der „Künstlerin Natur“ um. 2009 wurde er vom Art Directors Club in Berlin für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Nagel ausgezeichnet. Seine Frau hat einen Anteil daran. „Sie hat eine ganz besondere Sicht der Dinge“, sagt CvA. So entstünden gemeinsame, künstlerische Ideen für Projekte. „Oft wissen wir später gar nicht mehr, wer eigentlich damit angefangen hat.“
Die beiden Künstler tauschen einen kurzen Blick - einig, zufrieden, dankbar. „Jetzt machen wir beide nur noch das, was wir wollen, verwirklichen unsere eigenen Ideen.“ Sie nehmen seit 2006 keine Aufträge mehr an.
Seit über 30 Jahren sind sie ein Paar - als Liebende, als Fotografen und Künstler, als Menschen dieser Welt.
