Alzheimer - Verlust des Selbstbildes

Altenpflege und Demenz - pixelio.de
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Beim Beginn der Alzheimer-Erkrankung können die Betroffenen ihre Ausfälle und Missgeschicke meist nicht mit ihrem Selbstbild in Einklang bringen und leiden.

Die Alzheimer-Krankheit ist die am häufigsten auftretende Form der Demenz. Die Zahl der von ihr Betroffenen steigt ständig und dürfte bereits über einer Million liegen. Sie entsteht durch Eiweißablagerungen im Gehirn, die am Ende zum Absterben der Nervenzellen führen. Die Krankheit lässt sich bislang durch Medikamente zwar in ihrem Verlauf verlangsamen, aber nicht heilen. Sie verläuft in der Regel in drei Phasen: der beginnenden Erkrankung, der fortschreitenden Erkrankung und der letzten Krankheitsphase.

Der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung

Wie jede Demenz-Erkrankung kann auch Alzheimer individuell unterschiedlich verlaufen oder sich auswirken. In den meisten Fällen werden jedoch zuerst die Nervenzellen des Hippocampus von Eiweißbefall betroffen und zerstört. Da dieser Bereich des Gehirns für das Lernen und Speichern von Informationen sowie das Erinnern daran zuständig ist, äußert sich die erste Phase daher im Verlust des Kurzzeitgedächtnisses sowie der zeitlichen und räumlichen Orientierung. Die fortschreitende Erkrankung ist gekennzeichnet durch den Verlust auch des Langzeitgedächtnisses und dem schrittweisen Eintreten der Erkrankten in ihre eigene Welt, “eine neue Seinsweise, in der Millionen von Menschen ihr Leben beenden werden“, wie der renommierte Sozialpsychiater Prof. Dr. Klaus Dörner die Demenz bezeichnet. Die letzte Krankheitsphase läuft auf die Sterbephase zu, nachdem auch die Körperfunktionen immer stärker nachgelassen haben.

Die beginnende Erkrankung

Die beginnende Erkrankung scheint für den betroffenen Menschen die Phase zu sein, in der er psychisch am stärksten leidet. Denn das schleichende Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten wird ihm selbst als Erstem bewusst. Die Tatsache, dass er Namen und Termine vergisst, sich im gewohnten Umfeld plötzlich nicht mehr orientieren kann, Tätigkeiten, die er vorher, ohne dabei nachdenken zu müssen, ausgeführt hat, wollen nicht mehr gelingen, weil er sich an die gewohnte Vorgehensweise nicht mehr erinnern kann.

Bevor Angehörigen und Freunden das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten auffällt, registrieren sie manchmal schon eine Veränderung der Verhaltensweisen des Betroffenen. Dieser zieht sich von Familie und Freunden zurück, ein anderer wird reizbar, ein dritter klagt über Schmerzen und Unpässlichkeiten, um jedem gesellschaftlichen Beisammensein auszuweichen. Sie alle wollen auf ihre Weise Situationen vermeiden, in denen ihre Einschränkungen von anderen wahrgenommen werden könnten. Sie fürchten die Bloßstellung. Was den Angehörigen als Auswirkungen des Alt-Werdens erscheint, entspringt jedoch häufig der schwer fassbaren Angst des Kranken, der Veränderungen bei sich spürt und merkt, wie sein innerer Halt verloren geht. Daher geht der Beginn der Krankheit auch meist mit depressiven Episoden einher.

Versuch, das Selbstbild aufrecht zu halten

Das psychologische Wörterbuch beschreibt das Selbstbild als das Ergebnis von Selbstkonzept durch Selbstbeobachtung, Vorstellungen, Erwartungen und Gefühlen, sich selbst und seinen Erfahrungen gegenüber, und den verschiedenen Beurteilungen durch andere. Die Alzheimer-Kranken spüren, dass ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstkompetenz in Gefahr sind. Sie klammern sich an das Selbstbild, das sie noch aus der Zeit vor der Erkrankung haben. Diesem Selbstbild entspricht es nicht, dass sie nicht mehr wissen, wie man eine Hühnersuppe kocht, wie man einen Fahrradschlauch repariert oder wie man vom Supermarkt wieder nach Hause findet. Je nach Temperament und Veranlagung versuchen sie also Situationen zu meiden, in denen sie ihr Selbstbild bedroht fühlen.

Manche deuten Geschehnisse so, dass nicht sie, sondern ein anderer Schuld an ihren Missgeschicken sei. Sie können nicht zulassen oder wollen nicht wahrhaben, dass sie sich in einer Weise verhalten haben, die mit ihrem Selbstbild nicht überein stimmt. Die Umdeutung wird auch durch das bereits beeinträchtigte Erinnerungsvermögen begünstigt. Zu erleben, wie das Selbstbild brüchig wird, löst die existentielle Angst aus, die die Ursache für das – in den Augen der anderen Menschen - wunderliche oder auch ärgerliche Verhalten sein kann.

Die Rolle der Angehörigen und betreuenden Personen

Das Wissen um die Angst der Kranken vor dem Verlust ihres Selbstbildes kann es ihrem Umfeld leichter machen, Verständnis und Geduld aufzubringen. Das seelische Leid der Erkrankten wird vergrößert, wenn ihre Ausfälle thematisiert, womöglich kritisiert werden. Stattdessen sollten die Angehörigen den Erkrankten helfen, ihr Selbstbild so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Lob und Anerkennung für ihre Bemühungen oder kleinen Erfolge kann diese in ihrem Leid aufrichten. Nichtbeachten von Fehlleistungen kann sie vor Scham bewahren.

Auch wenn sich die Kranken – in den Augen der Gesunden – oft kindlich oder kindisch verhalten, dürfen die Angehörigen nicht den Fehler machen, sie wie Kinder zu behandeln und ihnen dadurch ihre Würde zu nehmen. Auch ein von Alzheimer betroffener Mensch reagiert empfindlich auf Bevormundung oder Erziehungsversuche. Denn im Gegensatz zum Kind, kann er nichts mehr lernen, auch keine neuen Verhaltensweisen.

Verwendete Literatur:

  • Dorsch Psychologisches Wörterbuch, Verlag Hans Huber, Bern, 14. Auflage 2004
  • Dipl. Psych. Günther Schwarz: Wissenswertes über die Alzheimer Krankheit und Demenzerkrankungen. Alzheimer Beratungsstelle der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, 2005
  • Klaus Dörner: Leben und Sterben, wo ich hingehöre. Paranus Verlag, 5. Auflage 2010
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Renate Bernhagen - Ruhestand in Berlin. Berlin ist meine Heimatstadt, und nach einer langen Zeit der Berufs- und Ortswechsel bin ich wieder zu Hause. Als ...

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