Am Fuße des Olymp

Die olympische Riviera lockt mit Sonne, Natur und Kultur

Die olympische Riviera im Norden Griechenlands ist ein Gebiet, das sich zu entdecken lohnt. Nicht umsonst erkoren sich Zeus und Co. diese Region zu ihrer Heimat.

Die italienische Riviera ist bekannt. Auch die türkische erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Erzählt man jedoch, dass man Urlaub an der olympischen Riviera plant, erntet man nur verständnislose Blicke. „Wo ist das denn?“, ist die häufigste Frage. Es wird also Zeit, den Beweis anzutreten, dass Griechenland mehr ist, als Kreta, Rhodos und die Akropolis von Athen.

Südwestlich von Thessaloniki am Fuße des Olymp im Bezirk Piera warten lange Sandstrände und einzigartige Naturschönheiten auf ihre Entdeckung. An der olympischen Riviera kommen Sonnenanbeter, Wanderer und Kulturfreunde gleichermaßen auf ihre Kosten. Für jeden Urlaubstyp wird etwas geboten. Die langen Sandstrände von Katerini bis Platamon laden zum Bad in der Sonne und im Thermäischen Golf ein. Wanderfreunde finden im Naturpark auf dem Olymp ein ideales Revier und Hobby-Historiker können die zahlreichen Überreste des makedonischen Reiches vor und nach Alexander dem Großen besichtigen.

Die Heimat der griechischen Götter

Den Namen Olymp tragen mehrere Berge in Griechenland, Kleinasien und auf Zypern. Doch der 2.917 Meter hohe Berg in der nördlichsten griechischen Provinz Makedonien ist der berühmteste. Schon Homer bezeichnete ihn als Sitz der olympischen Götterfamilie mit Zeus an ihrer Spitze. Und auch heute noch macht der Göttervater seinem Spitznamen als Wolkensammler alle Ehre. Laut Volksmund weilen die Götter zu Hause, wenn sich die Gipfel des Olymp hinter dichten Wolkenbergen verstecken. Für die Menschen an den Küsten bedeutet dies, dass sie sich derweil ungestört in der Sonne aalen können. Vorsicht ist erst geboten, wenn der oberste Olympier sein Heim verlässt und der höchste Gipfel des Massivs, die Mystikas klar zu erkennen ist. Dann droht Zeus in seiner Gestalt als Blitzeschleuderer alle Badefreuden – zumindest für kurze Zeit – zu beenden.

Auf den Spuren des Göttervaters wandeln

Bester Ausgangspunkt für einen Besuch des Olymp ist Litochoro. Das 6.000-Seelen-Dorf schmiegt sich im Osten an den Fuß des Berges und ist bestens für den lebhaften Berg-Tourismus gerüstet. Von hier aus gelangt man über eine asphaltierte Straße ins Gebirge. Vorbei am Wächterhäuschen, wo alle Fahrzeuge registriert werden, führt sie bis auf 944 Meter hinauf zum Restaurant Stavros. Schon hier bietet sich den Besuchern ein herrlicher Blick über die weite Küstenlandschaft. Doch von Ruhe ist noch nichts zu spüren, denn für sämtliche Touristenbusse ist hier Endstation. Wer es also ruhiger mag, muss über die acht Kilometer lange, unbefestigte Straße hinauf bis vor die Raststation Prionia. Bei vorsichtiger Fahrweise ist dies auch für Kleinwagen ohne Allradantrieb kein Problem. Prionia ist dann allerdings Endstation jeglicher motorisierter Fortbewegung. Von hier aus führen nur noch Wanderwege hinauf.

Doch die Schönheiten des Nationalparks erkundet man sowieso besser auf Schusters Rappen. Die klare Luft, der frische Duft von Buchen und Schwarzkiefern lassen sich am besten bei einem ausgiebigen Spaziergang genießen. Ein Wanderweg führt in etwa zweieinhalb Stunden hinauf zur 2.100 Meter hoch gelegenen Hütte Spileos Agapitos. Von hier aus dauert es noch einmal dreieinhalb Stunden bis zur Spitze. Allerdings ist dafür eine Bergsteiger-Ausrüstung dringend erforderlich.

Heimat Alexanders des Großen

Spuren des klassischen Altertums sind in Makedonien kaum zu finden. Dafür hinterließen die Makedonen mit Alexander dem Großen und seinem Vater Philipp II. an der Spitze einen bleibenden Eindruck. Gleich drei der bedeutendsten Fundstätten lassen sich hier besichtigen. Pella, einst Hauptstadt des makedonischen Reiches, Aigai, die makedonische Königsresidenz und Dion, die heilige Stadt mit ihrem bedeutenden Zeus-Tempel, in dem Alexander vor seinem Persien-Feldzug opferte.

Pella liegt westlich von Thessaloniki auf halbem Weg nach Edessa. Die antike Hauptstadt des Makedonenreiches wurde im Jahr 410 v. Chr. von König Archelaos gegründet. Hier verbrachte der attische Tragiker Euripides seine letzten Lebensjahre und Philipp II. und Alexander der Große wurden hier geboren. Das Grab des Vaters entdeckten Archäologen vierzig Kilometer südlich von Pella in der alten Königsresidenz Aigai, heute Vergina. Die Funde aus diesem und den übrigen Gräbern sind weltberühmt und im Archäologischen Museum von Thessaloniki zu besichtigen. Während Pella das politische Zentrum bildete, war Dion am nordöstlichen Fuß des Olymp sein kulturelles und religiöses Zentrum.

Der Name bedeutet übersetzt „Stätte des Zeus“ und belegt die große Verehrung des Göttervaters. Schon König Archelaos erbaute hier einen Zeus-Tempel und richtete ihm zu Ehren Spiele aus, die in direkter Konkurrenz zu den Spielen in Olympia standen. Man mag es als Ironie der Geschichte verstehen, dass in der einstigen Metropole des Göttervaters heute die Überreste der Tempel der Muttergöttinnen Demeter und Isis das Bild beherrschen.

Atemberaubende Aussichten

Wer seine Reise in den Norden Griechenlands unternimmt, darf auf keinen Fall versäumen, die dreistündige Fahrt ins Landesinnere zu den Metéora-Klöstern zu unternehmen. Errichtet auf den Spitzen der aberwitzigsten Feldformationen schweben die Klöster über der Ebene und der atemberaubende Blick von der Terrasse Metamorfosis, des höchsten Klosters, lassen alle Mühen der Anfahrt schnell vergessen.

Sarah Essing - Werdegang: Lehramtsstudium Deutsch und Geschichte in Bielefeld, Volontariat, Lokal-Redakteurin, Referendariat, ...

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